Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 71, September 2007 - http://zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/topic/46.ausgabe-71-september-2007.html

Weltmarkt für Bioenergie: Ein „grüner Imperialismus"?

Erfahrungen aus Brasilien

Klaus Laschefski

In den letzten Jahren stellte die CPT (Comissão Pastoral da Terra = pastorale Landkommission) die Verschärfung von Landkonflikten in Brasilien fest. Sie hebt hervor, dass die Landfrage nicht mehr nur ein soziales Problem sondern eng mit Umweltkonflikten verbunden sei. Beispiele sind die Ermordung von Dorothy Stang wegen ihres Einsatzes für die Kleinbauern im Rahmen von Projekten nachhaltiger Entwicklung, die den Interessen der Landspekulanten, Holzfirmen und Großbauern der Region entgegenstehen, und die Selbstverbrennung von Francisco Anselmo Barros gegen die Errichtung Zuckerrohr verarbeitender Fabriken, deren Plantagen das Pantanal, eines der größten Feuchtgebiete der Erde, bedrohen (CPT, 2005).

Was hat das mit der aktuellen Diskussion um den Einsatz alternativer Energien als Strategie gegen den Klimawandel zu tun? Die Antwort liegt in der Befürchtung nicht nur brasilianischer Kleinbauern- und Landlosenbewegungen, dass die Entwicklungsländer über den Export so genannter Biotreibstoffe ihren „Umweltraum” ausverkaufen und so die Spannungen auf dem Lande verstärken.

Brasilien als Global Player im Bioenergiemarkt

Brasilien ist im Rahmen dieser Diskussion besonders wichtig, da es als erstes Land der Welt als Antwort auf die Ölkrisen in den 70er Jahre über das PROALCOOL-Programm, das auch als Beitrag zur Importsubstitutionspolitik der damaligen Militärdiktatur zu werten ist, die Herstellung von Ethanol aus Zuckerrohr als Alternative zu Benzin förderte (vgl. den Beitrag von Elmar Altvater). Doch die negativen Auswirkungen von PROALCOOL waren verheerend: Die traditionellen Zuckerrohrplantagen im Nordosten des Landes, die seit ihrer Einführung vor mehr als 400 Jahren Symbole für Ausbeutung und Sklavenwirtschaft sind, kletterten immer höher die Bergketten der Küste hinauf. Von der Mata Atlântica, wie dort der Regenwald heißt, blieben nur Restflächen übrig. Die tiefgreifendsten Veränderungen fanden jedoch im stark industrialisierten Bundesstaat São Paulo statt, wo, gekoppelt an moderne Agrobusinesskomplexe, die weltweit größten Zuckerrohranbaugebiete entstanden, deren ökologische und soziale Folgen schon vielfach beschrieben wurden (HIRSCH et al 2002).

Ungeachtet der negativen Erfahrungen versucht sich Brasilien vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Gefährdung der „Energiesicherheit” als Global Player neben den USA im Bereich der Ethanoltreibstoffe zu etablieren. In diesem Rahmen soll die derzeit sieben Millionen Hektar große Anbaufläche von Zuckerrohr verdoppelt werden.

Auch in der Produktion von „Biodiesel” aus pflanzlichen Rohstoffen will Brasilien eine weltweit führende Rolle übernehmen. Allerdings fördert die Regierung bis jetzt nur die Produktion von „Biodiesel” aus Rizinus und Sonnenblumen aus kleinbäuerlicher Produktion. Da die Kleinbauern jedoch oft in abgelegenen Standorten produzieren, bestehen logistische Probleme hinsichtlich der Lagerung und des Transports der Produkte sowie der Verteilung von Saatgut. Deshalb reichen die bisher produzierten Mengen nicht aus, um die ab Ende 2007 verpflichtende Beimischungsquote von 2% zum im Inland verbrauchten herkömmlichen Diesel zu erfüllen.

Die fehlenden Kapazitäten der Kleinbauern führen die dem Agrobusiness angegliederten Sojaproduzenten als eines der Argumente an, um ihrerseits staatliche Unterstützung durchzusetzen. Um ihren Forderungen mehr Gewicht zu verleihen, verweisen sie auf die günstigeren Produktionsbedingungen für Soja in anderen Ländern, wie z. B. Argentinien, das als wichtigster Konkurrent auf dem Weltmarkt angesehen wird. So dient die Diskussion um Biodiesel als Rechtfertigung für die Ausweitung des Sojaanbaus von derzeit 22 auf 27 Millionen Hektar (SCHLESINGER, 2006).

Im brasilianischen Kontext ist ein weiterer Sektor der Biomasseproduktion zu Energiezwecken zu nennen, der große Flächen beansprucht: Eukalyptuspflanzungen. Sie liefern den Rohstoff für Holzkohle, die seit über 40 Jahren in der Eisen-, Stahl- und Aluminiumproduktion eingesetzt wird, überwiegend für die Ausfuhr. Inzwischen wird auch der direkte Export von Holzkohle als Alternative zu fossiler Kohle verhandelt. Vor diesem Hintergrund spricht der Sektor von einer Ausweitung der Flächen von derzeit fünf auf ca. 14 Millionen Hektar.

Addieren wir die Ansprüche der Zuckerrohr-, Soja- und Eukalyptuspflanzer, stehen wir vor einer Flächenexpansion von ca. 23 Millionen Hektar[1], etwa einem Viertel der Nutzfläche Brasiliens (ohne Viehzucht). Es ist offensichtlich, dass angesichts solcher Szenarien Konflikte mit anderen Flächennutzungen oder hinsichtlich ökologisch wertvoller Gebiete nicht zu vermeiden sind. Wie die Angaben zu Landkonflikten zeigen, erfolgt die Aneignung der Flächen immer noch in einer Form des primitiven Kapitalismus, oder, wie David Harvey ausführt, durch eine Strategie der „Akkumulation durch Enteignung”, die er als integrierten Bestandteil der modernen Formen des Imperialismus ansieht.

NROs zwischen Nachhaltigkeit und Globalisierung

Vor einem solchen Szenario sehen sich nun viele Vertreter der einst progressiven Umwelt- und Sozialorganisationen Widersprüchen und Handlungszwängen ausgesetzt, die sich aus den immer deutlicher spürbaren Folgen des Treibhauseffekts und der zur erwartenden steigenden weltweiten Nachfrage nach Agrartreibstoffen ergeben. In der „erwachsen gewordenen” Umweltbewegung ist die zunächst naturwissenschaftlich begründete Hinterfragung der auf materiellem Wachstum beruhenden Wirtschaftsmodelle (MEADOWS, et al. 1971), die später hinsichtlich der ungerechten Verteilung der verbrauchten Ressourcen in der Weltgesellschaft auch kritisches Denken stimulierte (vgl. ALTVATER in diesem Heft), aus der Mode gekommen. Anstatt die dramatische Situation zu nutzen um einen Wandel der kapitalistisch orientierten Industriegesellschaft einzufordern, sind heute viele Akteure aus der Szene bereit, von „irrealen” Forderungen Abschied zu nehmen, um das „Hauptproblem” des Klimawandels über den Dialog mit genau jenen Akteuren in Wirtschaft und Politik anzugehen, die die Lösung der seit Jahrzehnten bekannten Probleme mit Verweis auf die Gefährdung des „Wirtschaftswachstums” verhinderten.

Dieses widersprüchliche Verhalten ist u. a. ein Resultat der II. Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung (UNCED) von 1992 in Rio de Janeiro, in der sich über 170 Staaten der Welt darauf einigten, dass „Entwicklung” neben dem Postulat des Wirtschaftswachstums auch soziale und ökologische Aspekte beinhalte (SACHS, 1993). Seitdem ist die Suche nach einem Konsens über „nachhaltige” Entwicklung im Gange, der über den Dialog zwischen den politischen Institutionen und den „Interessengruppen” der so genannten „organisierten Zivilgesellschaft” – repräsentiert durch Vertreter der Wirtschaft, Umweltorganisationen und soziale Bewegungen – erarbeitet werden soll. Den so erworbenen Zugang zu den Zentren der Macht dankten die entsprechenden Akteure – insbesondere namhafte Umweltorganisationen – durch „Politikfähigkeit”, Pragmatismus und die aktiven Suche nach „Lösungen”, während sie sich von Strategien der Konfrontation verabschiedeten. In der Terminologie von Bourdieu (1976) können wir diese neuen „partizipativen” Strukturen als künstlich geschaffene soziale Felder fassen, in denen die unterschiedlichen Akteure auf der Basis von stillschweigend akzeptierten Grundannahmen, die Bourdieu Doxa nennt, um die Meinungshoheit kämpfen. Zur derzeitigen Doxa gehört, dass nachhaltige Entwicklung im Kapitalismus durch technische und administrative Maßnahmen sowie durch ökonomische Steuerungsinstrumente erreicht werden könne (ZHOURI, et al. 2005).

Auf internationaler Ebene spiegeln sich diese Tendenzen im Rahmen eines von der UN geschaffenen politischen Feldes wider, das SACHS (2000) als globales Umweltregime bezeichnet. Es besteht aus partizipativen Gremien wie der Comission of Sustainable Development und den Intergovermental Panels, die gemeinsam mit der organisierten Zivilgesellschaft und der „Scientific community” internationale Abkommen zu Klima, Wald, Biodiversität, gentechnisch modifizierten Organismen etc. erarbeiten sollen.

Ein Resultat der Aktivitäten des globalen Umweltregimes ist der 1997 in Kyoto ausgehandelte Kompromiss im Rahmen der Klimakonvention, die den Handel mit Emissionsrechten ins Leben ruft, einen Marktmechanismus, der es Unternehmen und Staaten erlaubt, weiterhin die Atmosphäre mit klimaschädlichen Gasen zu verschmutzen, wenn sie anderswo in Maßnahmen zu deren Reduzierung investieren. Die Schaffung des Emissionshandels zeigt, dass sich das globale Umweltregime der Doxa eines anderen weltweit agierenden Regimes unterordnet: dem der ökonomischen Globalisierung, das sich seit 1995 durch die World Trade Organisation (WTO) konsolidiert hat (SACHS, 2000).

Auch die derzeitige Diskussion um alternative Treibstoffe ist von der Suche nach einem Kompromiss innerhalb des Spannungsfeldes der beiden globalen Regime geprägt. So rief der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva während eines Besuchs in der EU im Juli 2007 die Welt zu einer „solidarischen Partnerschaft” bei der Entwicklung und Verbreitung von Biokraftstoffen auf. Gemeint ist der Abbau von Handelsbeschränkungen und wettbewerbsverzerrenden Subventionen durch die Industrienationen, die den Export von Agrotreibstoffen und den Transfer der in Brasilien entwickelten Technologien in andere Länder erschweren. Auf der anderen Seite betonte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Bedeutung einer „nachhaltigen” Produktion der Agrotreibstoffe, um ökologische und soziale Probleme zu vermeiden.

Der Nachhaltigkeitsdiskurs des Kommissionspräsidenten ist eine Antwort auf die vom WWF (World Wildlife Fund) angeführte internationale Kampagne gegen Biodiesel aus Palmöl, dessen Boom im südostasiatischen Raum zur Ausweitung von Plantagen auf Kosten der Regenwälder führte. Die Umweltorganisation nutzt die Kampagne, um auf verschiedenen politischen Ebenen ein Zertifizierungssystem für nachhaltig produzierte Agrotreibstoffe zu etablieren. Die neoliberal-ökosoziale Entwicklungsvision, auf die der Vorschlag beruht, wird besonders deutlich in folgender Aussage: „Der WWF glaubt, dass die Entwicklungsländer von Europas wachsendem Appetit auf Biotreibstoff profitieren könnten. Einige Länder könnten durch Handel den Weg aus der Armut finden, indem sie in Europa neue Märkte für bioenergetische Rohstoffe erschließen. Andere könnten ihren heimischen Energiebedarf decken. Um das in nachhaltiger Weise zu erreichen, brauchen sie fairen Handel und bessere Entwicklungshilfe, um hohe ökologische und soziale Standards zu sichern.“ (WWF, 2006)

Die Attraktivität einer solchen Vision zeigt sich im Roundtable on Sustainable Biofuels, an dem der WWF, Oxfam und andere NROs gemeinsam mit Konzernen wie Shell, BP, Petrobras, Toyota, DuPont, Genencor, Bunge und internationalen Verbänden wie dem World Economic Forum und der International Energy Agency über nachhaltige Agrotreibstoffe nachdenken (FRITZ, 2007). Die IEA hat eine spezielle Arbeitsgruppe (TASK 40) eingerichtet, die sich mit der Frage der Zertifizierung der Nachhaltigkeit der auf dem Weltmarkt gehandelten Agrotreibstoffe auseinandersetzt. Auf einem Workshop im Dezember 2005 in Campinas[2] für den die IEA handverlesene Vertreter der Zivilgesellschaft einlud, wurde die Entstehung der Doxa auf diesem politischen Feld besonders deutlich. Die Teilnehmer waren sich grundsätzlich über die Bedeutung der kleinbäuerlichen Produktion für die ländliche Entwicklung, einig. Doch herrschte auch ein Konsens darüber, dass die jetzige und zukünftige Nachfrage nach „Bioenergie” auf diese Weise nicht zu decken sei. Daher unterstrichen einige Teilnehmer, dass mehr Pragmatismus hinsichtlich der Nachhaltigkeitsfrage angebracht sei, um die Geschäftschancen, die der rasch wachsende Bioenergiemarkt böte, nicht zu gefährden. Eine Vertreterin der FAO brachte das Anliegen der Teilnehmer auf den Punkt: „Nachhaltigkeit geht vom Markt aus“ (BEST, 2006). Daher sei die Entwicklung eines Siegels, das die Nachhaltigkeit des Produkts belegt, erforderlich.

Mit seinem pragmatischen Kurs hat das so entstandene „politische Feld der Zertifizierung” im Sinne Bourdieus zumindest eines erreicht: Es hat sich eine globale „Governance-Struktur” entwickelt, die sich nun auf den Agroenergiemarkt ausdehnt. Mit dem Ziel, marktförmige Steuerungsmechanismen wie die Zertifizierung aufzubauen, agiert das Feld zwischen den globalen Regimen der Nachhaltigkeit und der ökonomischen Globalisierung (LASCHEFSKI, 2002).

Zertifizierung: Zügelung imperialistischer Tendenzen?

Es wäre nicht fair, daraus vorschnell zu schließen, dass alle im „Feld der Zertifizierung” engagierten NROs Allianzen mit den modernen imperialistischen Kräften, also multinationalen Konzernen, anstreben. Im Gegenteil: Viele hegen die Hoffnung, dass sie mit der Zertifizierung ein Instrument in der Hand haben, um eben diese Kräfte zu zügeln. Die Risiken dieser Strategie sowie die subtilen Formen der Vereinnahmung dieses Instruments durch imperialistische Interessen sollen anhand der Zertifizierungspraxis verdeutlicht werden.

Im Jahr 2002 veröffentlichte die Rainforest Foundation einen Bericht mit Fallstudien zu problematischen Zertifizierungen in Indonesien, Thailand, Malaysia, Kanada, Irland und Brasilien (COUNSELL, LORAAS, 2002). In allen dargestellten Fällen wurde die zu großzügige Auslegung der Prinzipien und Kriterien beklagt. Die Ursache dafür liegt zum einen darin, dass der Zertifizierer Verträge mit der zertifizierungswilligen Firma abschließt. Um das wirtschaftliche Überleben durch Folgeverträge zu sichern, muss der Zertifizierer „wohlwollende” Berichte anfertigen. Zum anderen stehen die Zertifizierer im Konkurrenzkampf und müssen die Preise für die Durchführung der Audits niedrig halten. Daher beschränkt sich die Evaluation auf relativ kurze, stichprobenartige Feldbesuche und die Analyse von Dokumenten, die die Firmen selbst vorlegen.

Tiefgreifendere Probleme sind mit den vom FSC vorgeschriebenen Stakeholderprozessen verbunden, die vom „Feld der Zertifizierung” oft als entscheidender Unterschied zu anderen Zertifizierungssystemen gepriesen werden. Es handelt sich um ein partizipatives Verfahren, um über den Dialog mit der lokalen Bevölkerung ungeklärte Fragen zu lösen. Probleme sind schon mit der praktischen Durchführung der Anhörung der lokalen Stakeholder verbunden, die aus Kostengründen an einem zentralen Ort stattfindet. Die Ankündigung der Versammlung erfolgt über lokale Zeitungen, E-Mail oder Radio. Isoliert oder abgelegen lebende Bevölkerungsgruppen, die keinen Zugang zu elektronischen oder gedruckten Medien haben oder die Fahrtkosten zum Veranstaltungsort nicht aufbringen können, bleiben so ausgeschlossen.

Zudem finden Stakeholderprozesse keineswegs in einem machtneutralen Feld statt, wie am Beispiel der brasilianischen Firma Plantar S. A. zu sehen ist. Der Fall ist gerade für die geplante Agrotreibstoff-Zertifizierung bedeutend, da deren Eukalyptusplantagen als eines der erfolgreichsten Beispiele von „nachhaltiger” Biomasseproduktion gelten. Die Firma erhielt das Zertifikat für 23000 Hektar, die sich auf der Gemarkung Curvelo im Bundesland Minas Gerais befinden, bereits im Jahr 1999 durch den multinationalen Konzern SCS (Scientific Certification Systems) und wurde im Jahr 2003 reevaluiert. In diesem Zeitraum kontaktierte die SCS sechzehn NROs, wovon allein zwölf der brasilianischen FSC-Gruppe, also dem „Feld der Zertifizierung Brasiliens”, angehören (SCS, 2004). In Minas Gerais selbst beschränkte sich die Beteiligung auf die beiden Naturschutzorganisationen AMDA und Biodiversitas, die beide nicht nur über Projektpartnerschaften engen Kontakt mit der Firma unterhalten, sondern auch maßgeblich an der Redaktion der Zertifizierungsstandards für die brasilianische FSC-Arbeitsgruppe beteiligt waren. Die einzige lokale NRO, die während des Zertifizierungsprozesses in Erscheinung trat, war die im Jahr 2002 gegründete Landarbeitergewerkschaft STR (Sindicados Trabalhadores Rurais) von Curvelo. Zu dieser Zeit – also vier Jahre nach der Zertifizierung – fanden die ersten öffentlichen Anhörungen statt, in denen die überraschte lokale Bevölkerung erstmalig erfuhr, dass Plantar S. A. Träger eines „Grünen Siegels” ist.

Die Gewerkschaftsvertreter nutzten die Gelegenheit, um eine Fülle von ökologischen und sozialen Probleme aufzuwerfen: das Austrocknen der Oberflächengewässer durch die wasserzehrenden Plantagen, negative Auswirkungen auf die Fauna, Vergiftung durch Agrarchemikalien, unerträgliche Arbeitsbedingungen in der Köhlerei. Die Berichte wurden von einer Studie des WRM (World Rainforest Movement) und FASE (2002), damals noch selbst FSC-Mitglied, bestätigt. Die beiden NROs starteten zudem eine internationale Kampagne zur Aberkennung des Siegels.

Anders als erwartet entschieden sich jedoch die Akteure des „Feldes der Zertifizierung” für eine Strategie der Verneinung der von den Bauern erhobenen Vorwürfe, die, so ihr Diskurs, keine „wissenschaftlichen Beweise” präsentieren könnten. Sie legten Auftragsstudien der Plantagenbetreiber vor, wonach Eukalyptusplantagen weniger Wasser verbrauchten als natürliche Wälder (ALMEIDA; SOARES, 2003, p. 169). Verschwiegen wurde jedoch, dass sich diese Studien auf Feldversuche im Amazonas und im regenreichen atlantischen Küstenregenwald bezogen und keinerlei Beziehung zu der an lange Trockenzeiten angepassten Savannenvegetation des Cerrados haben, wo sich die Plantagen befinden. Weitere Studien belegten die ökologischen Vorteile von Eukalyptuspflanzungen gegenüber anderen Monokulturen wie Zuckerrohr, Reis, Bohnen oder Weideflächen, die mit der Realität der lokalen diversifizierten Anbausysteme der Kleinbauern nichts zu tun haben.

Diese Art von aus dem lokalen Kontext herausgerissenen „wissenschaftlichen” Diskursen werden als generalisierte Hypothesen nicht nur in diesem spezifischen Fall, sondern überall dort, wo sich Widerstand gegen die Monokulturen regt, als „offizielle Wahrheit” (BOURDIEU, 1976) des „Feldes der Zertifizierung Brasiliens” angeführt. Die lokale Bevölkerung fühlt sich gedemütigt, da sie nicht das nötige „Sozialkapital”[3] besitzt, um hoch dotierten Wissenschaftlern in adäquater Form entgegenzutreten. Der scheinbar „technisch-wissenschaftliche” Diskurs dient so der Unterstützung der Meinungshoheit der orthodoxen Kräfte im betreffenden politischen Feld, wenn dieses durch lokales Wissen, das auf gelebten Erfahrungen beruht, bedroht wird.

Doch das war nur der Anfang eines langen Leidensweges. Nach dem Erscheinen des Berichts von WRM/FASE (2003) folgten Ereignisse, die an Wahlkämpfe in autoritären Staaten erinnern. So veröffentlichte eine örtliche Zeitung einen Artikel über die Infiltration der Gemeinde durch externe NROs, die beabsichtigten, die lokale Wirtschaft zu Gunsten internationaler Interessen zu schwächen. Ferner wurden Unterschriften zur Unterstützung des Zertifikats gesammelt, die hauptsächlich die firmeneigenen Mitarbeiter und deren Familien leisteten. Gleichzeitig begann die Firma Feste zu organisieren und Seminare zu Bienenzucht und Heilpflanzenanbau als Einkommensalternative für die betroffenen Bauern anzubieten, um deren Widerstand zu schwächen. Die Ankündigung von Massenentlassungen im Falle einer Aberkennung des Zertifikats trieb die sozialen Spannungen vor Ort auf die Spitze. Die diesbezüglichen Aktivitäten auf internationaler Ebene wurden daher eingestellt.

Diese Vorgänge machen deutlich, dass das Zertifizierungssystem auf Verhältnisse in Industrieländern zugeschnitten ist, wo die Rollen der Akteure klar abgegrenzt sind. Die Zertifizierer stützen sich bei ihrer Arbeit hauptsächlich auf öffentliche Institutionen, Forschungseinrichtungen, Gewerkschaften und NROs mit hohem Bekanntheitsgrad. Eine Firma wie Plantar S. A. in Brasilien hat jedoch erheblichen Einfluss auf die Vertreter aller Sektoren, die nach wie vor aus einer relativ kleinen Elite mit engen persönlichen Beziehungen kommen. Daher ist es für die Firma ein Kinderspiel, jedes für die Zertifizierung notwendige Dokument zu bekommen. In einem solchen Umfeld können begrüßenswerte partizipative Verfahren leicht zur Reproduktion bestehender Machtstrukturen missbraucht werden, anstatt zur Demokratisierung der Gesellschaft beizutragen.

Der unlösbare Konflikt: kapitalistische gegen traditionelle Territorialitäten

Ein Vorfall in den seit 1999 FSC-zertifizierten Plantagen von Vallourec & Mannesman (V&M – vormals Mannesman), die sich ebenfalls in Minas Gerais befinden, lenkt das Augenmerk auf Konflikte ganz anderer Art, die selbst im hypothetischen Falle einer perfekt durchgeführten Zertifizierung nicht lösbar sind, da sie mit unterschiedlichen Weltsichten, die sich in der jeweiligen Form der Raumnutzung materialisieren, zu tun haben. Im Februar diesen Jahres wurde ein Kleinbauer vor den Augen seiner 14jährigen Tochter mit drei Schüssen in den Mund durch die Privatmiliz von V&M getötet, weil er in den Plantagen Feuerholz sammelte. Dieser Mord war einer der traurigen Höhepunkte einer langjährigen Kette von Konflikten zwischen der Firma und den lokalen Gemeinden. Die Landesregierung hatte Mannesman bereits in den 70er Jahren Konzessionen für Eukalyptuspflanzungen erteilt, um Holzkohle für die in Belo Horizonte ansässigen Stahlwerke zu produzieren. Die lokale Bevölkerung blieb dabei unberücksichtigt, da sie keine Besitztitel für die entsprechenden Flächen vorweisen konnte. Basierend auf ihren gemeinschaftlichen Vorstellungen von Territorialität holten sie sich weiterhin das einzig nutzbare Gut, das in den Plantagen verfügbar ist – Brennholz zum Kochen. In den Augen der Firma ist das entsprechend der privatwirtschaftlichen Auffassung von Territorialität Hausfriedensbruch und Diebstahl, weshalb sie eigens angeheuerte Milizen einsetzte, um „ihre” Plantagen vor Übergriffen zu schützen. Die unterschiedliche Auffassung von Territorialität hat ein Vertreter der Kleinbauerngewerkschaft[4] treffend auf den Punkt gebracht, als er die Territorialität seiner Großväter und Väter mit Freiheit gleichsetzte, die seiner Generation durch die Eukalyptusplantagen geraubt wurde.

Dieses Verständnis von Territorialität hat unmittelbar mit der Reproduktion der traditionellen Nutzungssysteme zu tun, da diese gerade in ökologisch sensiblen Gebieten wegen der nötigen Regenerationszeiten des Naturraums nicht stationär sein können (Nomadismus, Rotationssysteme). Immer sind auch weitgehend naturbelassene Flächen vorhanden, insbesondere Waldformen, die über die Extraktion (Früchte, Nüsse, Holz, Kräuter, Wild) meist in kollektiver Form genutzt werden.

Einer fixen, über den Privatbesitz oder -nutzung definierten Territorialität kapitalistischer Gesellschaften, die parzelliert und auf Karten festgeschrieben werden kann, stehen flexible, weitgehend gemeinschaftlich genutzte Territorien traditioneller Gruppen gegenüber. Konflikte zwischen diesen unterschiedlichen Auffassungen von Territorialität lassen sich kaum über Dialoge und Absprachen lösen, da davon unmittelbar die Produktion und Reproduktion der jeweiligen Gruppen materiell beeinflusst wird.

Allerdings sind „pure” traditionelle Produktionssysteme nur noch selten anzutreffen. Gerade in Minas Gerais produzieren viele Familien Holzkohle für die Stahlindustrie aus der natürlichen Vegetation des Cerrado, um so monetäres Einkommen zu haben. Das ist meist nicht nachhaltig, und die Bauern verarmen nach kurzen Momenten materieller Prosperität. Um dies zu vermeiden, versuchen NROs und Landarbeitergewerkschaften die traditionellen Landbaumethoden nach modernen agrarökologischen Gesichtspunkten weiterzuentwickeln und neben der Ernährungssicherung auch die Vermarktung eines Teils der Produktion sicherzustellen.

In diesem Zusammenhang ist auf einen größeren politischen Kontext des Kampfes der Kleinbauern gegen die „grünen Wüsten” hinzuweisen. Wie erwähnt, vergab die Landesregierung in den 70er Jahren Konzessionen an Plantagenbetreiber, um den Energiebedarf der Stahlindustrie zu decken. So entstanden mit etwa zwei Millionen Hektar die größten zusammenhängenden Plantagengebiete der Erde. Da die 30 Jahre geltenden Konzessionen derzeit auslaufen, stehen Verhandlungen um die erneute Vergabe derselben an. Verschiedene lokale Gemeinden versuchen diese Situation zu nutzen, um sich die von den Plantagenbetreibern in Anspruch genommenen Flächen wieder anzueignen[5]. Als politisches Druckmittel hat die Landarbeitergewerkschaft STR (Sindicato de Trabalhadores Rurais) von Rio Pardo de Minas (2004) dem Landesparlament von Minas Gerais ein Projekt übergeben, das die Einführung eines alternativen Entwicklungsmodells für die ländlichen Gemeinden auf der Basis von agro-extraktivistischen Landnutzungsmethoden auf den durch den Eukalyptusanbau degradierten Flächen zum Ziel hat. Da aber eine ganze Reihe von Plantagenbetreibern die FSC-Zertifizierung anstreben, um die Verlängerung der Konzessionen durchzusetzen, steht der Vorschlag des STR auf schwachen Beinen, da den Firmen ebenfalls eine ökologisch und sozial akzeptable Landnutzung bescheinigt wird.

Mit dem französischen Philosophen Lefébvre (1991) können wir die Ursache der geschilderten Konflikte auf zwei unterschiedliche Konzeptionen „der Produktion von Raum” zurückführen. Demnach entstehen soziale Spannungen immer dann, wenn die auf der abstrakten Planungsebene entwickelten Raumkonzepte in den konkreten, gelebten Raum übertragen werden.

Den geschilderten Landnutzungsformen der lokalen Kleinbauern steht die Raumkonzeption der industriell-urban-kapitalistischen Gesellschaften gegenüber. Sie spiegelt sich außerhalb der konstruierten urbanen Räume in einem Mosaik von weitgehend uniformen Landschaftselementen wider, die jeweils der Produktion von spezifischen Waren für die in den Städten konzentrierte Bevölkerung dienen. Dies können industrialisierte Land- und Forstwirtschaftsflächen, Bergbau-Gebiete, Staudämme zur Elektrizitätsgewinnung etc. sein. Die Produktionsweisen beruhen auf dem Einsatz von technischen Mitteln, die weitgehend unabhängig von natürlichen Regenerationsprozessen funktionieren. Auf den beanspruchten Flächen sind keine anderen Nutzungsformen möglich oder die natürlichen Ökosysteme werden beseitigt. Das Resultat ist nicht nur die ökologische, sondern auch die soziale „Monokulturisierung” der Landschaft, die in der Regel nicht nachhaltige Konsequenzen nach sich zieht.

Die orthodoxen Akteure in der derzeitigen Zertifizierungsdiskussion stellen die kapitalistische Produktion von Raum nicht grundsätzlich in Frage. Industrielle Monokulturen gelten als notwendig, um die ständig wachsende Energienachfrage zu decken. Die Bedrohung des Klimawandels wird diskursiv eingesetzt um die schnelle Bereitstellung von Agrotreibstoffen zu rechtfertigen und die Ökologisierung der Landnutzungssysteme, wie sie jahrzehntelang von der Umweltbewegung eingefordert wurde, als unrealistisch abzulehnen. Die Nachhaltigkeitskriterien beschränken sich daher weitgehend auf technische Aspekte oder Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bezüglich der negativen Auswirkungen, z.B. die ordnungsgemäße Ausbringung von vergleichsweise „sanften” Chemikalien, spezielle Bereifung von Landmaschinen und neue Pflanz- bzw. Erntetechniken, um die Bodenverdichtung und -erosion zu vermeiden, das Anlegen von Grünstreifen bzw. ökologischen Korridoren als Mittel zur Biotopvernetzung, usw. Bei Beachtung dieser Kriterien sind der Flächenexpansion nur in Gebieten mit wissenschaftlich belegtem hohem Naturschutzwert Grenzen gesetzt. Inwiefern in diesem Kontext die Agrotreibstoffe andere Nutzsysteme verdrängen, entscheidet sich nach dem zu erzielenden Tauschwert der jeweiligen Erzeugnisse, die je nach Marktlage auf der abstrakten Planungsebene des kapitalistischen Raums quantifizierbar und substituierbar sind.

Ausblick: der neoliberal-ökosoziale Imperialismus, Kleinbauern und Landkonflikte

Die Widersprüche der „ökologisch modernisierten” kapitalistischen Raumkonzeption lassen sich an aktuellen Vorgängen aufzeigen: Das brasilianische Landwirtschaftsministerium hat auf die Forderungen der Umweltverbände und der Europäischen Union nach „nachhaltigen” Biotreibstoffen reagiert und im Juli 2007 Zuckerrohrpflanzungen für die Ethanolproduktion in Amazonien und im Pantanal, eines der größten Feuchtgebiete der Erde, verboten. Es sind auch Steuererleichterungen für den Anbau in „degradierten” Weideflächen angedacht[6].

Die Expansion des Biotreibstoffanbaus findet jedoch hauptsächlich in den Savannen des Cerrado statt, ein ebenfalls stark bedrohtes Ökosystem, das aber auf internationaler Ebene kaum wahrgenommen wird. Ferner fehlt eine Definition des Begriffes „degradierte Weidefläche”. Beweidung gilt generell als ökologisch unangepasste Landnutzungsform, obwohl sie in der Realität sehr unterschädlich ausgeprägt sein kann. Die Weiden von traditionell wirtschaftenden Bauern sind meist von zahlreichen heimischen Fruchtbaumarten besetzt, die nach der sorgfältig geplanten Rodung der Cerradoflächen stehen bleiben. Es ist zwar richtig, dass der Cerrado degradiert wurde, jedoch sind diese Flächen, ähnlich den Streuobstwiesen in Deutschland, wesentlich artenreicher als die Monokulturen für Agrotreibstoffe. Ferner sollte nicht vergessen werden, dass Vieh eine andere sozioökonomische Funktion erfüllt als Treibstoff. Wissenschaftliche Vergleiche über die ökologischen Vorteile der einen oder anderen Monokultur machen daher keinen Sinn, da die Nutzungen nicht einfach ausgetauscht werden können. Wo dies geschieht, wandert die Viehwirtschaft in andere Gebiete ab, solange sich das Geschäft lohnt.

Eine besonders dramatische Entwicklung ist die zunehmende Konkurrenz der Zuckerrohrplantagen mit als unproduktiv geltenden Flächen, die eigentlich nach dem Agrarreformgesetz an Landlose umverteilt werden müssten. Die Großgrundbesitzer verpachten dieses Land an Plantagenbetreiber, die so ihre Produktivität belegen. Mancherorts wurden die Planungen für die Ansiedlung der Landlosen eingestellt, wodurch sich das Risiko von Landkonflikten in der Region erhöht.

Es fragt sich nun, welche Rolle die ländliche Bevölkerung in einer solchen auf den ökologisch modernisierten Agrarexport zugeschnittenen Raumkonzeption spielt. In Bezug auf bestimmte „traditionelle” Gruppen ist sich das politische Feld der Zertifizierung einig: Territorien von Indianern und Quilombolas (Nachfahren von entflohenen Sklaven) sollen ähnlich behandelt werden wie Naturschutzgebiete.

Anders sieht es mit Gruppen aus, die nicht in diese Kategorien passen. Für diese gilt die klassische Vorstellung von Entwicklung, wonach das Agrobusiness, das sich um die alternativen Treibstoffe entwickelt, Arbeitsplätze schaffe und so zur sozialen Integration der ländlichen Bevölkerung in die moderne Gesellschaft beitrage. Oder es werden Kleinbauern als Vertragslandwirte wie unabhängige Unternehmer in die Produktion von Bioenergie eingebunden, wobei sie alle wirtschaftlichen Risiken und die Kosten für die soziale Absicherung selbst tragen müssen. Die Zertifizierung soll verhindern, dass die in diesem Kontext bekannten Formen der Ausbeutung durch geringe Entlohnung, Sklaven- und Kinderarbeit, Knebelverträge und Verschuldungsprobleme auftreten.

Aber auch wenn das erreicht werden kann, bleibt der Ansatz problematisch, da die meisten neuen „Vertragslandwirte” die Nahrungsmittelproduktion, sei es für den Eigenverbrauch oder für lokale Märkte, weitgehend einstellen werden. Dem klassischen Entwicklungsgedanken zufolge ist das allerdings kein Problem, da alle für die Reproduktion benötigten Dinge über den Markt erworben werden können, auch Nahrungsmittel, die durch den Biomasseanbau verdrängt wurden. In diesem Zusammenhang sei an Schätzungen von George Mombiot (2005) bezüglich des Treibstoffverbrauchs in England erinnert, für dessen Substitution durch Agrotreibstoffe das 4,5fache der in dem Land verfügbaren Landwirtschaftsfläche nötig sei. Im konkreten Raum ist Land aber nicht beliebig vermehrbar, wie es im abstrakten kapitalistischen Raum den Anschein hat.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Kampf der Landarbeiterbewegungen sich nun auch gegen die Zertifizierung von Monokulturen für Agrotreibstoffe wendet, die anstatt ländliche Entwicklung zu bringen, der Schaffung von demographisch leeren, monotonen Produktionslandschaften ein grünes Deckmäntelchen verschafft. Der so entstandene ökosozial-neoliberale Imperialismus schwächt Ansätze der von den Landlosen und Kleinbauern geforderten Umstrukturierung des Agrarsektors nach sozialen und agroökologischen Gesichtspunkten, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

- Die friedliche Realisierung der Agrarreform

- Stärkung der ländlichen Kleinbauernfamilien

- Förderung von ökologisch und ökonomisch diversifizierter Land- und Forstwirtschaft, auf Grundlage der natürlichen und kulturellen Gegebenheiten

- Priorität der Ernährungssicherheit

- Priorität der Marktproduktion zur Bereitstellung von gesunden, chemiefreien Nahrungsmitteln für die städtische Bevölkerung, vor anderen Märkten wie dem für Agrotreibstoffe

- Priorität der Produktion für interne Märkte anstatt Exportproduktion.

Der Protest der Landlosen- und Kleinbauernbewegung richtet sich darüber hinaus auch an die wohlhabende Bevölkerung der Industrienationen und die Eliten in den Entwicklungsländern, die weiterhin nicht bereit sind, wirksame Schritte zur Lösung zur globalen Umweltzerstörung und -konflikte einzuleiten, die an der Reduktion ihrer überzogenen Produktions- und Konsummuster ansetzen müssten.

Unter den gegebenen Bedingungen wird daher selbst die zertifizierte Expansion der Agrotreibstoffe negative Effekte haben, die sich als ähnlich bedrohlich erweisen könnten sind wie das Problem, zu dessen Lösung sie eigentlich beitragen soll: die Klimakatastrophe.

Literatur

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[1] In allen drei Sparten beziehen sich die Flächenangaben nicht nur auf die Produktion von Agrotreibstoffen. Je nach Marktlage wird aus Zuckerrohr auch Zucker hergestellt oder Eukalyptus für die Zellstoffindustrie produziert. Sojaöl ist ein Nebenprodukt aus dem Sojaschrot, das als Rohstoff für viele andere Zweige der Nahrungs- und Futtermittelindustrie dient.

[2] Workshop and Business Forum on Sustainable Biomass Production for the World Market, Task 40 Sustainable Bio-energy Trade; securing Supply and demand. Organisiert von der IEA – International Energy Agency –, Task 40 und UNICAMP, November 30 – December 3, 2005 Campinas. Materialien zu diesem Seminar sind zu finden unter: http://www.fairbiotrade.org.

[3] Bourdieu versteht unter Kapital nicht nur materielle Reichtümer, sondern auch das kulturelle Kapital das in materieller Form Bücher, Kunstwerke und technische Instrumente umfasst aber auch als kulturelle Verhaltensweisen und Wissen (formalisiert in Dokumenten über den Bildungsstand, akademische Titel usw.) von den Akteuren inkorporiert werden kann. Darauf baut das Sozialkapital eines Akteurs oder einer Gruppe innerhalb des Beziehungsnetzes im jeweiligen Feld auf, das zudem die Respektierung der mehr oder weniger institutionalisierten Verhaltensregeln sowie die Kenntnis und gegenseitige Anerkennung der innerhalb des Feldes agierenden Personen umfasst. Aus den diversen Kapitalformen setzt sich schließlich das symbolische Kapital (Prestige, Ansehen) der jeweiligen Personen oder Gruppen zusammen, das entscheidend für den Eintritt und die hierarchische Positionierung innerhalb des Feldes ist.

[4] Vortrag von Juarez Teixeira des STR-Bocaiuva auf einem Strategieseminar am 30. Mai 2007 zur Zertifizierung von Eukalyptusplantagen in Minas Gerais, das in der Universität UNIMONTES, Montes Claros, Minas Gerais, stattfand.

[5] So haben die Bauern der Gemeinde Vereda Funda im Norden von Minas Gerais im Jahr 2005 Plantagen mit abgelaufenen Konzessionen besetzt und 400 Holzkohlemeiler zerstört.

[6] Meldung in der Tageszeitung Estado de Minas, 18.07.2007: Plantio será limitado. S. 14.

Dieser Artikel ist erschienen in Z. Nr. 71, September 2007