Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 85, Mrz 2011 - http://zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/topic/14.ausgabe-85-maerz-2011.html

Marx über den Kolonialismus

Kolonialismus und antikolonialer Widerstand als Lernprozess und Erkenntnisbewegung

Stefan Kalmring, Andreas Nowak

Marx hat sich zu verschiedenen Gelegenheiten zu Fragen des Kolonialismus geäußert. Seine Behandlung des Themas ist dabei keineswegs einheitlich (vgl. Kalmring/Nowak 2004). Weit verbreitet ist dennoch die Auffassung, dass Marx durchgängig einer Modernisierung der kolonialisierten Länder durch deren Einbindung in den Weltmarkt und eine Angleichung ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse durch das Kapital weitgehend optimistisch und zustimmend gegenüber stand (z.B. Avineri 1969). Hierfür am bekanntesten sind Stellen aus dem Kommunistischen Manifest und seinen journalistischen Arbeiten zu Indien und China (Mohri 1979).

Doch es gibt Stellen mit anderer Stoßrichtung. Anhand seiner verstreuten und meist fragmentarisch gebliebenen Texte zur geografischen Expansion des Kapitals kann man zeigen, dass Marx gegen Ende seines Lebens seine eigene frühe Haltung, die man als modernisierungstheoretisch, objektivistisch und als geschichtsphilosophisch aufgeladen bezeichnen kann, in Frage stellt (Kalmring/Nowak 2005). Anhand der Polen-, insbesondere aber anhand der Irlandfrage einerseits und seiner späten Auseinandersetzung mit den russischen Volkstümlern andererseits wird deutlich, dass er seinen frühen Fortschrittsoptimismus stufenweise revidiert und sein lineares und geschichtsphilosophisches Entwicklungsbild überdenkt (ebd.). Darüber hinaus weist er mit der Kategorie der Praxis dem selbstbewussten Handeln der Subalternen gegenüber einem angeblich objektiven, notwendigen und anonymen Geschichtsverlauf wieder eine größere Rolle zu.

Bei Marx lassen sich drei verschiedene Entwicklungsansätze ausmachen, die zu unterschiedlichen Zeiten innerhalb seines Werks wichtig sind (vgl. Menzel 2000). Neben der geschichtsphilosophischen und modernisierungstheoretischen Auffassung entwickelt er eine der Dependenztheorie vorgreifende Haltung bezüglich der externen Umstände einer blockierten kapitalistischen Entwicklung (vgl. Davis 1967). In der Spätphase seines Schaffens wendet er sich wiederum von dem Gedanken ab, dass eine vollständige kapitalistische Durchdringung peripherer Regionen und die Beseitigung sämtlicher vorkapitalistischer Strukturen unabdingbar für eine sozialistische Umgestaltung seien. Seine Betonung der Rolle der praktisch-tätigen Interventionen der Subalternen und des eigenständigen Beitrags nicht-kapitalistischer Sozialformen für den weiteren Entwicklungsverlauf der russischen Geschichte begründet dabei ein Entwicklungsverständnis, das im heutigen Entwicklungsdiskurs dem sogenannter Entwicklungsoptionen am nächsten kommt (dazu: Kößler 1998).

Eine kritische Begutachtung des Wandels im Marxschen Verständnis der globalen Expansion des Kapitals ist nicht nur unter dogmengeschichtlichen Aspekten interessant. Sie ist auch deshalb anregend, da die Selbstkritik, die im Zuge des Wandels der Marxschen Positionen auszumachen ist, Impulse für eine Neuorientierung kritischer Gesellschaftstheorie zu setzen vermag. Denn die modernisierungstheoretische Stoßrichtung, der Wunsch, die Opfer historischer Entwicklungen geschichtsphilosophisch zu legitimieren und die Neigung, den „Objektivitätsüberhang der bürgerlichen Gesellschaft“ (Hirsch 1986: 138) in einer Weise theoretisch zu reproduzieren, dass für eine Berücksichtigung der Handlungsgründe und -möglichkeiten, der Bedürfnisse und Motivationen der Subalternen nur ein nachgeordneter Raum bleibt – wenn überhaupt–, ist nicht nur in problematischer Weise stilprägend für die frühen Ausführungen von Marx zur Kolonialfrage gewesen. Sie ist später geradezu symptomatisch für das Marxismusverständnis weiter Teile der großen Hauptströmungen in der alten Arbeiterbewegung geworden.[1] Ein Zugang zu den Problemen der Emanzipation der Unterdrückten, Kolonialisierten und Ausgebeuteten, der diese mit ihren Erfahrungen, Lernprozessen und politischen Organisierungsversuchen wirklich ernst nimmt, ist aber nicht zu gewinnen, wenn diese lediglich als Getriebene oder gar Vollstrecker einer objektiven Modernisierungsbewegung oder eines evolutionistisch-objektivistischen Selbstlaufs der Geschichte verstanden werden (Vester 1974).

Dem späten Marx ist dies deutlicher gewesen, als dem frühen. Für eine aktuelle Sozialkritik im Zeitalter des Postsozialismus und eines globalisierten Kapitalismus sollte diese Erkenntnis unumgänglich sein. Sie sollte theorie- und handlungsleitend werden. Sehen wir uns den Sachverhalt in mehreren Schritten genauer an.

Der Kapitalismus: ein global-expandierendes System

Die Beobachtungen, auf denen der frühe Marx seinen eigentümlichen modernistischen Ansatz im Wesentlichen aufbaut, sind am Beispiel der durch das Kapital ausgelösten Umwälzungen in Europa gewonnen (Schröder 1968). Er verknüpft dabei stets seine entwicklungstheoretischen relevanten Erörterungen mit der Frage nach der Bedeutsamkeit einer Entwicklung für die anstehende sozialistische Revolution (Ghorashi 1995). In Anlehnung an das Entwicklungsmuster und den Entwicklungsrhythmus Englands soll die gesamte Welt umgestaltet werden. Denn England gilt ihm als das klassische Beispiel kapitalistischer Entwicklung, einer Entwicklung, die letztendlich auf den Sozialismus zutreibe (Avineri 1969).

Das Kapital besitzt nach Marx eine einzigartige Expansionskraft. Davon getrieben, seine quantitative Beschränkung fortwährend zu überschreiten, entfaltet es eine außerordentliche Dynamik (vgl. MEW 6: 419). Sind vorkapitalistische Produktionsformen primär konservativ, so ist die des Kapitals durch und durch revolutionär. Das Kapital ist innovativ, indem es in Permanenz die Produktionsinstrumente, die Kommunikationsmittel und die Formen der Arbeitsorganisation umwälzt, die Klassen- und Geschlechterverhältnisse neu anordnet, die Beziehungen von Stadt, Land und der Regionen umgestaltet und die Formen von Staatlichkeit, Kultur und Ideologie im Sog seiner eigenen Veränderungskraft hineinzieht. Es ist sein „Bedürfnis nach immer ausgedehnteren Absatz“ (MEW 4: 465), dass dafür Sorge trägt, dass der Weltmarkt und die globale Expansion des Kapitals „im Begriff des Kapitals selbst gegeben [ist]. Jede Grenze erscheint als eine zu überwindende Schranke“ (MEW 42: 321).

Der Kapitalismus erzeugt mit anderen Worten aus sich selbst heraus ein weltumspannendes System von einer beispiellosen inneren Dynamik (Avineri 1969). Nach Marx sind es die wohlfeilen Waren des Kapitalismus, die die Rolle einer schweren „Artillerie“ (MEW 4: 466) spielen und alle Kulturen dazu zwingen, „die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen“ (ebd.). Vorkapitalistische Produktionsweisen werden in einen regelmäßigen Austausch mit den warenproduzierenden Gesellschaften gesetzt. Dies führt dazu, dass eine Produktion für den Markt etabliert wird – mit weitreichenden Folgen für die gesellschaftliche Organisation der Arbeit im Inneren. „Indes setzt sich das Bedürfnis für fremde Gegenstände allmählich fest. Die beständige Wiederholung des Austauschs macht ihn zu einem regelmäßigen gesellschaftlichen Prozess. Im Laufe der Zeit muss daher wenigstens ein Teil der Arbeitsprodukte absichtlich zum Behuf des Austauschs produziert werden.“ (MEW 23: 103)

Einer ständigen Beeinflussung durch das Kapital ausgesetzt, verdrängt die kapitalistische Produktion die vorkapitalistischen Wirtschaftsformen. Die Auflösung „aller[r] naturwüchsige[n] Verhältnisse in Geldverhältnisse“ (MEW 3: 60) und die Herstellung eines „universellen Verkehrs der Menschen“ (ebd.: 34) sind nach Marx zentrale Tendenzen der bürgerlichen Produktionsweise.

In dieser Darstellung kommt der modernisierungstheoretische Kern der Auffassung von der Entwicklung des Weltmarkts und der geografischen Expansion des Kapitals nach Marx zum Ausdruck. Der frühe Marx prognostiziert dabei eine rasche Durchsetzung und Angleichung der weltweiten Produktions- und Lebensbedingungen durch das Kapital. Bourgeoisie und Kapital schaffen sich angeblich mit zügigem Schritt „eine Welt nach ihrem eigenen Bilde“ (MEW 4: 466).

Diese These ist offenkundig falsch – obwohl die Diagnose der umwälzenden und expansiven Natur des Kapitals in ihrem Grundsatz außer Frage steht. Weder gibt die These Raum für eine Theoretisierung der massiven Hierarchien, Ungleichzeitigkeiten und regionalen Ungleichheiten im kapitalistischen Weltsystem, noch erfasst die ihr unterliegende Zersetzungshypothese, dass das Kapital sich in großem Umfang nichtkapitalistische Produktionsformen bewahrend aneignet, indem es sich diese entsprechend seiner Bedürfnisse eingliedert – insbesondere, aber nicht nur, in den kapitalistischen Peripherien (Meillassoux 1983).

Der Irrtum der Vorstellung einer raschen und weltweiten Homogenisierung der Produktions- und Lebensbedingungen ist zum einen auf einen fortdauernden argumentativen Einfluss Hegels und vor allem der klassischen politischen Ökonomie zurückzuführen (Larrain 1991). Zum anderen ist er aus dem Zeitkontext des jungen Marx zu verstehen (vgl. Kalmring/Nowak 2004, 2005). Denn die „mit dem Siegeszug des industriellen Kapitalismus verbundene Polarisierung von entwickelten kapitalistischen Ländern und unterentwickelten Ländern begann sich erst allmählich im Laufe des 19. Jahrhunderts abzuzeichnen“ (Boris 1983: 47). Eine Theorie der Unterentwicklung oder eine ausgearbeitete Analyse des ungleichen und uneinheitlichen Charakters der kapitalistischen Weltmarktexpansion konnte Marx aufgrund objektiver Bedingungen noch nicht formulieren.

Die kolonialen Opfer der kapitalistischen Entwicklung und ihre geschichtsphilosophische Rechtfertigung

Insgesamt umfassen die Texte im Werk von Marx zu außereuropäischen Gesellschaften nach Samir Amin bescheidene 400 Seiten (Amin 1975: 159). Bekannt geworden sind insbesondere seine Artikel zu Indien und China. In diesen betreibt Marx keine Gesellschaftstheorie in einem umfassenden Sinne. Neben einer journalistischen Darstellung der tagesaktuellen Ereignisse und Zustände im kolonialen Indien versucht er, auch universale Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung zu formulieren und politisch zur Revolution anzuleiten (Bernhart 2008: 144). An ihnen lässt sich ein modernisierungstheoretischer Einfluss bei Marx gut verdeutlichen.

In der für die „New York Daily Tribune“ geschriebenen Serie von Artikeln stellt Marx den merkantilen Kolonialismus Großbritanniens als ambivalenten Prozess dar. Zum einen benennt er schonungslos den brutalen und grausamen Charakter des Kolonialismus. Er prangert die kolonialen Methoden an, mit denen die Kolonialmacht ihren „schnöden Eigennutz“ (MEW 9: 133) in Indien durchsetzt und vergleicht sie gar mit „jenem scheußlichen heidnischen Götzen (…), der den Nektar nur aus den Schädeln Erschlagener trinken wollte“ (MEW 9: 226). Zum anderen bescheinigt er der Herrschaft Englands in Indien wünschenswerte Folgen. Die durch sie ausgelöste „soziale Revolution“ habe nicht nur den „orientalischen Despotismus“, das Kastensystem, den religiösen Fanatismus und „dieses menschenunwürdige, stagnierende Dahinvegetieren“ (MEW 9: 132) unterhöhlt,[2] sondern eben auch Indien auf den Weg einer industriell-kapitalistischen Entwicklung geführt und somit auch die Voraussetzungen für eine spätere sozialistische Gesellschaft geschaffen. Marx findet starke Worte, die ins geschichtsphilosophische abgleiten. Welche Verbrechen England auch immer begangen haben mag, nach Marx sei es nicht weniger als „das unbewusste Werkzeug der Geschichte“ (MEW 9:133) gewesen, „indem es diese Revolution zuwege brachte“ (ebd.).

Geschichtsphilosophie liegt immer dann vor, wenn „aus einem spekulativ unterstellten Sinn der Geschichte oder einer geschichtsmächtigen metaphysischen Kraft der geschichtliche Verlauf erklärt und im Hinblick auf ein immanentes Entwicklungsziel vorausgesagt“ (Seidl 1997: 51) wird. Dies trifft auf die Indienbriefe zu. Pikant ist dies auch deshalb, da Marx hier in letzter Instanz die Opfer des britischen Kolonialismus im Namen des Fortschritts legitimiert. Die koloniale Gewalt erhält die Weihen einer geschichtsphilosophischen Sinngebung. Selbst schon ein Affront gegenüber den Opfern des Kolonialismus offenbart sich der riskante Charakter der Marxschen Argumentation in diesem Punkt auf den zweiten Blick. Einmal als Rechtfertigungsmuster etabliert und akzeptiert, ist es in der Lage, auch in anderen Kontexten den Keim einer Entlastung für Gewaltpolitiken aller Art zu liefern – so z.B. auch beim Aufbau einer neuen Gesellschaft. „Die Bourgeoisie, die von Anfang an ausbeutende Klasse war, ist fortschrittlich, solange sie die Produktivkräfte entwickelt. Nach bester hegelianisch-realistischer Manier werden Ausbeutung und überhaupt alle Verbrechen der Bourgeoisie zwar beschrieben und benannt, auf einer anderen Ebene aber in die Vernunft der Geschichte eingeholt und damit letztlich (…) gerechtfertigt (…). Aber wenn Unternehmer fortschrittlich sind, wenn sie nur Fabriken bauen, warum sollten es nicht Kommissare sein, wenn sie womöglich noch mehr bauen?“ (Castoriadis 1990: 99f.).

Die marxsche Bezugnahme auf das kolonisierte Indien ist durch und durch objektivistisch; die indische Bevölkerung ist nach ihm im Wesentlichen das Objekt einer von außen betriebenen Modernisierungsbewegung, die ungeachtet seiner menschliche Kosten positiv zu bewerten ist. Das „erste allgemeine Widerstandszentrum“ (MEW 12: 231) in Indien entstehe erst durch die Schaffung einer sogenannten Eingeborenen-Armee, also durch eine Innovation des Kolonialismus selbst. Eine Analyse des eigenständigen und aktiven Widerstandspotentials der indischen Bevölkerung, eine Betonung der Kontinuität der Klassenkämpfe des kolonisierten Landes oder eine Analyse „einer spezifischen, durch traditionelle Verhältnisse und die revolutionierende Wirkung des eindringenden Kapitalismus geschaffenen Struktur“ (Kößler 1982: 147) findet sich beim Marx der Indienbriefe nicht. Das tätig-aktive Handeln der Kolonisierten innerhalb des widersprüchlichen Rahmens des Kolonialismus wird von Marx nachdrücklich gegenüber dem Nachweis des stagnativen Charakters der sogenannten asiatischen Produktionsweise und der fortschrittlichen Wirkung des Kolonialismus zurückgestellt.

Laut Marx sind die asiatischen Gesellschaften durch eine innere Entwicklungsblockade gekennzeichnet, die sie selbst nicht durchbrechen können (Franco 1982). Englands Leistung bestehe darin, sie von außen aufzubrechen. Technologischer oder sozialökonomischer Fortschritt seien in asiatischen Gesellschaften wie Indien oder China gänzlich unmöglich, wofür zwei „sich wechselseitig unterstützende Umstände“ (MEW 28: 267) verantwortlich gemacht werden könnten: Zum einen die Existenz kleiner, isolierter und über das Land zerstreuter Dörfer, in denen privates Grundeigentum unbekannt ist. Zum anderen das Bestehen eines bürokratischen und despotischen Staats, dessen Macht sich auf die Organisation öffentlicher Arbeiten und die Religion stützt (Sofri 1969).

Der Kolonialismus in Indien und China hat nach Marx zwei Auswirkungen (Mohri 1979). Einerseits vernichte er eine stagnierende sozioökonomische Struktur, die asiatische Produktionsweise. Andererseits erzeuge er die Voraussetzungen einer selbstragenden kapitalistischen Entwicklung und schaffe damit auch die Basis für eine spätere sozialistische Umgestaltung (MEW 9: 221). Seine destruktive Aufgabe erledige der Kolonialismus u.a. durch eine Vernachlässigung der für die asiatischen Gesellschaften wichtigen öffentlichen Arbeiten, durch die Einführung von privatem Grundeigentum in den Dörfern, eine Beseitigung der Isolation der Dörfer durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen und die Etablierung von Fernhandel, da dieser Indien und China aus seiner Abgeschlossenheit reiße (MEW 9: 97). Die Konkurrenz mit industriellen Waren zerstöre zudem die einheimische Industrie und im Falle Chinas bewirke der Kolonialismus auch eine Demoralisierung der Beamten und untergrabe die Autorität des Kaisers durch den Import von Opium (Kappeler 1991).

Die konstruktive Seite der Kolonialisierung sieht Marx wiederum in einer Reihe von Reformen ruhen (MEW 9: 221). Neben der Einführung des Privateigentums ist dies die Einführung des Telegraphen, der freien Presse, die Bildung einer einheimischen europäisch geschulten Beamtenschaft und Armee. Eine besondere Rolle weist er dem Aufbau eines Eisenbahnnetzes zu, das neben der Erschließung des Subkontinents, die Verbindung mit den Häfen zum Zwecke des Außenhandels etabliere. Darüber hinaus würde die Bahn den Binnenhandel stärken, einen effektiveren Einsatz der Armee ermöglichen und einen Transfer von Wissen und Technologie einleiten. Auf diese Weise würde das Eisenbahnwesen die Basis einer modernen Industrie in Indien generieren (MEW 9: 223f.).

Der Fokus Marxens liegt auch in seinen kolonialpolitischen Schriften auf den Möglichkeiten einer revolutionären Umgestaltung Englands, Deutschlands und Frankreichs (Schröder 1968: 70). Hier sieht er die Zentren einer Umgestaltung der Verhältnisse in Richtung Sozialismus. Während Marx Indien lediglich die Möglichkeit einräumt, die Entwicklung Europas durch einen äußeren Impuls verzögert nachzuvollziehen, sieht er bezüglich China immerhin die Möglichkeit einer Initiierung der proletarischen Revolution in Europa durch einen Volksaufstand in China (MEW 9: 95ff). Der eurozentrische und objektivistische Zugriff bleibt zwar, wird aber ein Stück gelockert, indem die kapitalistischen Peripherien immerhin Stimulanzien zu einer Geschichte beizusteuern vermögen, die nach wie vor in ihrem Kern in Europa geschrieben wird. Die Rebellion der Taiping in China seit 1850 wie auch der Sepoy in Indien 1857 bilden nach Marx den Hintergrund ökonomischer Stockungen und Krisen im Welthandel und könnten darüber vermitteltete Revolutionen in England, Frankreich oder Deutschland befördern (MEW 9: 97).

Koloniale Verhältnisse als Deformation und Blockierung

Der frühe kolonialpolitische Optimismus Marxens relativiert sich in den 1860er Jahren. Die Zerstörungen durch die kolonialen Mächte klagt er deutlicher als zuvor an, die konstruktive Aufgabe des Kolonialismus kann er zunehmend nicht erkennen (Mohri 1979). Aber auch in den Indien- und Chinabriefen selbst lohnt es sich bereits auf Nuancen zu achten. Marx bemerkt hier u.a. kritisch, dass die britische Kolonialmacht bisher kaum etwas zu verzeichnen habe, das über „das Werk der Zerstörung hinausgehe“ (MEW 9: 221). Ebenso schreibt er, dass England bisher in Indien nur das alte Gefüge der Ordnung niedergerissen habe, „ohne dass bisher auch nur eine Spur des Neuaufbaus sichtbar geworden wäre“ (MEW 9: 129). Eine Verschiebung in der Argumentation deutet sich an.

In einem späteren Briefentwurf an Vera Sassulitsch betont er in einem offenen Gegensatz zu seinen früheren Ausführungen: „Was zum Beispiel Ostindien angeht, so ist aller Welt (…) nicht unbekannt, dass dort die gewaltsame Aufhebung des Gemeineigentums an Grund und Boden nur ein Akt des englischen Vandalismus war, der die Eingeborenen nicht nach vorn, sondern rückwärts stieß.“ (MEW 19: 402) Für die aufgezwungene Exportorientierung Indiens war der frühe Marx noch voll des Lobes, der späte erkennt die problematischen Seiten einer Zerstörung lokaler Produktionskreisläufe: „Diese ganze Umstellung war für den Großgrundbesitzer, den Wucherer, den Kaufmann, die Eisenbahnen, die Bankiers usw. sicher sehr vorteilhaft, aber traurig für den wirklichen Produzenten.“ (MEW 34: 373)

Der Marxsche Positionswechsel wird zum einen im Kapital besonders deutlich. Hier liefert er erste Ansätze einer Theorie des ungleichen Tauschs auf dem Weltmarkt (MEW 23: 247ff.) und betont den Reichtums- und Ressourcentransfer im Rahmen der sogenannten ursprünglichen Akkumulation (MEW 23: 781). Damit entwickelt er Sichtweisen, die der späteren Dependenzschule vorgreifen.[3] Er streicht heraus, dass die Verbreitung kapitalistischer Produktion zu einer für die Kolonialländer nachteiligen internationalen Arbeitsteilung führen kann. „Es wird eine neue, den Hauptsitzen des Maschinenbetriebs entsprechende internationale Teilung der Arbeit geschaffen, die einen Teil des Erdballs in vorzugsweis agrikoles Produktionsfeld für den anderen vorzugsweis industrielles Produktionsfeld umwandelt.“ (MEW 23: 475) Externe Ursachen, nicht interne Entwicklungsblockaden, wie die sogenannte asiatische Produktionsweise, werden als entwicklungshemmend herausgestrichen.

Kenntlich wird dieser veränderte Standpunkt zum anderen auch in der Marxschen Behandlung der Irlandfrage. Marx findet ungeschminkte Worte für die Situation Irlands. Der koloniale Status Irlands erzeuge industrielle Rückständigkeit und deformiere den gesellschaftlichen Reproduktionsprozess. Letztendlich sei es der „einzige Sinn“ (MEW 31: 399) der englischen Kolonialherrschaft über Irland, dieses „in ein bloßes Weideland zu verwandeln, welches for the English market Fleisch und Wolle zu den möglichst billigen Preisen liefert“ (MEW 32: 668; vgl. MEW 23: 730). Durch die Konkurrenz der produktiveren englischen Industrie würden alle Ansätze einer Industrialisierung aus dem Wettbewerb geschlagen. Die Abhängigkeit von England behindere über eine Entvölkerung, ausgelöst durch die „Clearing of the Estades of Ireland“ (MEW 31: 399), die Entwicklung des Binnenmarktes (MEW 23: 733). Politische und ökonomische Abhängigkeit bedingen sich laut Marx gegenseitig. „Wie oft haben die Irländer angesetzt, um zu etwas zu kommen und jedes Mal sind sie ekrasiert worden, politisch und industriell.“ (MEW 29: 57)

Marx fordert daher in einem Drei-Punkte-Programm die Unabhängigkeit Irlands, eine agrarische Revolution und Schutzzölle gegen England. „Sobald die Irländer unabhängig, würde die Not sie, wie Kanada, Australien etc. zu Protektionisten machen.“ (MEW 31: 400) Revolutionstheoretisch gewinnt für ihn die „Unabhängigkeitmachung Irlands“ (MEW 32: 669) eine besondere Relevanz. Sie wird laut Marx zum entscheidenden „Mittel“ (ebd.) einer Umwälzung der Verhältnisse in England, da die Spaltung der Arbeiterbewegung in England durch eine Konkurrenz zwischen Engländern und einwandernden Iren überwunden werden müsse (MEW 32: 668f.). Zudem sei die englische Aristokratie in Irland ungleich leichter zu stürzen als in England selbst und die Unabhängigkeit Irlands würde auch deren Entmachtung in England nach sich ziehen (MEW 32: 667f.). Deshalb müsse der entscheidende Schlag gegen die herrschenden Klassen in Irland geführt werden (MEW 32: 667).

Sah der frühe Marx die Möglichkeit, dass ein Aufstand im kolonialen China die Revolution im Westen befeuern würde, geht er jetzt einen großen Schritt weiter. Die Revolution im kolonialen Irland wird einerseits zu einer notwendigen Bedingung für die englische Revolution, andererseits ist sie eine unabdingbare Voraussetzung für eine Industrialisierung Irlands. Der irische Unabhängigkeitskampf wird aber abermals nicht als eigenständiger Kampf um eine sozialistische Emanzipation analysiert, sondern als Umstand, der der englischen Arbeiterbewegung zu Gute kommt und den Iren eine eigenständige kapitalistische Entwicklung eröffnet. Die übergeordnete modernisierungstheoretische Zielstellung wird von Marx beibehalten, sie wird aber um die Möglichkeit einer deformierten bzw. blockierten kapitalistischen Entwicklung in den Peripherien erweitert. Damit haben sich insbesondere für die abhängig gehaltenen Regionen die Wege des sogenannten Fortschritts geändert. Hinzu kommt, dass die Zentren sensibler und nachhaltiger auf politische Entwicklungen in den Kolonien reagieren.

Optionen geschichtlicher Entwicklungen und die Rolle
der Praxis

In der Spätphase seines Lebens geht Marx über die in den Irlandtexten enthaltenen Positionen noch einmal deutlich hinaus. Insbesondere führt seine Beschäftigung mit Fragen der russischen Agrarentwicklung in den Briefen und Briefentwürfen an Vera Sassulitsch, aber auch in seiner über die russische Zeitschrift „Otetschestwennyje Sapiski“ laufende Auseinandersetzung mit Michajlovskij, zu einer Neuakzentuierung seiner Einstellungen (Mandelbaum 1971).

Zunächst setzt er sich mit Nachdruck von geschichtsphilosophischen und auch eurozentrischen Ansichten ab, obwohl er solche einst selbst mit Regelmäßigkeit bemüht hatte – u.a. in den Indien- und Chinabriefen (Franco 1982: 72ff). Jetzt erteilt er einer „geschichtsphilosophische(n) Theorie des allgemeinen Entwicklungsgangs, der allen Völkern schicksalsmäßig vorgeschrieben ist“ (MEW 19: 108), eine reflektierte Absage. Explizit beschränkt er die Reichweite seiner Ausführungen zur ursprünglichen Akkumulation auf Vorgänge in Westeuropa (MEW 19: 243). Er fordert, dass man jede Entwicklung „für sich studieren und dann miteinander vergleichen“ (MEW 19: 112) müsse. Die Suche nach einem „Universalschlüssel einer allgemeinen Theorie“ (ebd.) sei vergebens, zumal deren größter Vorzug allenfalls darin bestehen könne, „übergeschichtlich zu sein“ (ebd.). Wird Theorie in der Auseinandersetzung mit einer besonderen sozialen Realität gewonnen, so ist eine einfache Übertragung oder Anwendung auf andere Wirklichkeiten nicht ohne weiteres möglich (Franco 1982: 72ff.). Dies gilt auch für die Marxschen Analysen selbst. Werden außereuropäische Gesellschaften untersucht, so müssen deren spezifische Eigenheiten eingefangen werden und Kategorien gegebenenfalls neu durchdacht oder modifiziert werden (Boris 1997: 572).

Die Kritik geschichtsphilosophischer Vorstellungen, die Marx hier leistet, ist wichtig, da sie erst einen Blick für die Besonderheiten nichtkapitalistischer und außereuropäischer Gesellschaften öffnet. Dass Sätze, wie der, dass das „industriell entwickeltere Land (…) dem minder entwickelteren nur das Bild der eigenen Zukunft“ (MEW 23: 12) zeigen würden, falsch sind, wenn sie allgemein genommen werden, offenbart sich auf Grundlage der Sassulitsch-Briefe unmittelbar. In dem sich der späte Marx gegen geschichtsphilosophische Konstruktionen a priori wendet, gibt er auch einem Geschichtsbild freien Platz, das einer „antifatalistischen, praktisch-eingreifenden, die praktischen Alternativen einer geschichtlichen Situation hervorhebenden Auffassung“ (Haug 1983: 27) verpflichtet ist.

Ein Selbstverständnis von Theorie deutet sich an, das „plebejisches Wissen“ (Hirsch 1986: 141) zu formulieren in der Lage ist, indem es den Subalternen praktisches Handlungswissen für ihre Selbstverwirklichung und Befreiung an die Hand geben kann. Geschichtsphilosophie hat für die Analyse konkreter Handlungssituationen und für eine „Selbstverständigung (kritische Philosophie) der Zeit über ihre Kämpfe und Wünsche“ (MEW 1: 346) nur wenig übrig, da sie besondere Ereignisse und Entwicklungen nicht für sich selbst studiert, sondern sie lediglich als Chiffre für etwas Größeres liest und ihnen einen übergeordneten Sinn zuschreibt. Handlungswissen sieht anders aus. Denn dieses ist vor allem eins: konkret-historisch und es ist der eigenen Perspektive der Subalternen verpflichtet.

Verknüpft sich die Sinnkonstruktion mit einem naiven Fortschrittsdiskurs kann sie zudem – wie oben bereits hervorgehoben und in den Indienbriefen geschehen – als Rechtfertigung der menschlichen Kosten von Entwicklung dienen. Da nicht zur Selbstaufklärung sozialer Bewegungen über ihre konkreten Möglichkeiten und Grenzen gedacht, sondern von außen formuliert und an die sozialen Bewegungen herangetragen, ist des Weiteren die regelmäßige Verbindung einer materialistischen Geschichtsphilosophie mit einer objektivistischen Fetischisierung von Geschichtsgesetzen nicht zufällig – zumal eine solche Sichtweise dem Objektivitätsüberhang einer Gesellschaft entspricht, die sich auf allen Ebenen gegenüber den gesellschaftlichen Individuen verselbstständigt (Hirsch 1986: 138). Geschieht dies, wie ebenfalls in den Indienbriefen, geht aber die Dialektik zwischen den verselbstständigten sozialen Gesetzmäßigkeiten der bürgerlichen Warenproduktion und den subjektiven Aktionen und sozialen und politischen Lernprozessen der sozialen Bewegungen verloren (Vester 1974). Das Verständnis der Herausbildung von Organisationsfähigkeiten, Machtpositionen, von grenzüberschreitenden Motivationen und Interessen und von Solidarisierungsimpulsen muss unterentwickelt bleiben, wenn die Subalternen lediglich als Träger eines geschichtlichen Berufs oder objektiver Gesetzmäßigkeiten interpretiert werden. Die Akteure gelten lediglich als Vollführer einer allgemeinen Bewegung, die sie nicht mitgestalten können. Essentielle Fragestellungen, die für die subalterne Emanzipation von entscheidender Relevanz sind, geraten durch einen solchen falschen Objektivismus aus dem Fokus der Gesellschaftskritik.

Die Modifizierung der Marxschen Auffassung in den Sassulitsch-Briefen kristallisiert sich deutlich anhand seiner Erörterungen der Rolle der russischen Dorfgemeinschaft Mir im Prozess einer sozialistischen Neugestaltung der Gesellschaft heraus. Marx hält es durchaus für denkbar, dass der Mir, eine vorkapitalistische Sozialform, in der kollektivistische Lebensweisen überdauert haben, einen Ausgangspunkt für eine sozialistische Revolutionierung Russlands bilden könnte. Die Existenz der Mir sorgt nach Marx dafür, dass für die weitere russische Entwicklung zwei alternative Entwicklungspfade denkbar sind. Er glaubt, dass Russland über nicht weniger als „die schönste Chance“ verfüge, „die die Geschichte jemals einem Volk dargeboten hat“ (MEW 19: 108). Es könne unter bestimmten Umständen die „verhängnisvollen Wechselfälle des kapitalistischen Systems“ (ebd.) umgehen.

Dass diese Entwicklungsoption genutzt wird, ist nach Marx allerdings keineswegs vorab sichergestellt. Ob sie wirklich realisiert werde, hänge einerseits vom „historischen Milieu“ (ebd. 389) ab. Dieses entscheide darüber, ob das in der Ackerbaugemeinde Mir enthaltene „Element des Privateigentums über das kollektive Element, oder dieses über jenes siegen“ (ebd.) werde. Andererseits sei es die Logik politischer und gesellschaftsverändernder Praxis, die Einfluss darauf nehme, ob die alternative Entwicklungsoption Wirklichkeit werde. Zum einen müsse der durch das Eindringen des Kapitalismus nach Russland ausgelöste Zersetzungsprozess des Mir durch eine baldige Revolution aufgehalten werden (MEW 19: 243). Zum anderen hält Marx die Existenz eines entwickelten Kapitalismus im Westen für eine zentrale Bedingung für einen sozialistischen Erneuerungsprozess Russlands. Konvergieren die Revolutionen in Russland und im Westen, so könne ein Technologietransfer die Grundlage für einen industriellen Sozialismus in Russland bereitstellen, der die „positiven Eigenschaften“ (MEW 19: 384) der Ackerbaugemeinde bewahrend aufhebe.

Marx nimmt auf diese Weise eine Haltung ein, die zwischen derjenigen der sogenannten Volkstümler und derjenigen der orthodoxen Marxisten liegt. Weder könne die Mir ohne einen Technologietransfer und eine Revolution im Westen die Grundlage einer sozialistischen Transformation bilden, noch glaubt Marx schematisch, dass Russland zunächst durchkapitalisiert werden müsse. Im Gegensatz zum Modernisierungsdiskurs gibt es einen positiven und unverwechselbaren Beitrag einer vorkapitalistischen Struktur. Der westliche Blick des Modernisierungsdenkens wird dadurch gebrochen, dass Technologie und Revolution in Europa zu einer bloßen Bedingung einer sozialistischen Gesellschaft in Russland wird.

Man sollte die Äußerungen von Marx zur Dorfgemeinde in Russland weder herunterspielen noch zur letztendlichen theoretischen Reflexion stilisieren (Kößler 1983). Es bleiben fragmentarische Äußerungen, deren Lücken und Unzulänglichkeiten offensichtlich sind. Nur ein Beispiel: Wie etwa der von Marx anvisierte Technologietransfer aus dem westlichen Industriekapitalismus in eine Organisationsform wie den Mir praktisch organisiert werden könnte, wo doch dort kleinbetriebliche Bewirtschaftungsformen dominierten, „bleibt bei Marx ganz unklar“ (Mandelbaum 1971: 17). Der anregende Charakter der Sassultisch-Briefe für eine sich erneuernde Gesellschaftskritik und für einen Entwicklungsdiskurs von links wird von solchen Schwächen aber nicht getroffen.

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[1] Kritisch: Castoriadis 1990: 19ff. Einen Überblick über die verschiedenen Strömungen des Marxismus gibt: Kolakowski 1988.

[2] Zur Theoriegeschichte der verbreiteten Vorstellung einer sogenannten orientalischen Despotie oder asiatischen Produktionsweise im außereuropäischen Raum: Sofri 1969.

[3] Zur Einführung in die Dependenztheorie: Franke 2004.

Dieser Artikel ist erschienen in Z. Nr. 85, Mrz 2011