Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 90, Juni 2012 - http://zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/topic/30.ausgabe-90-juni-2012.html

Íkonomische Verluste und Belastungen Ostdeutschlands bis zur Vereinigung (1945-1989)

Eine Kurzanalyse

Karl Mai

Die ökonomischen Verluste und Belastungen Ostdeutschlands in der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der späteren DDR sind vielen Menschen in Deutschland weitgehend unbekannt. Unkenntnis und absichtliche Fehlinformationen nach der Vereinigung überlagern sich. Hier soll vor allem auf die äußeren Faktoren und Entwicklungsbedingungen der DDR näher eingegangen werden. Dass innere, hier nur teilweise erwähnte Ursachen für das Scheitern des Realsozialismus der DDR mindestens ebenso wichtig waren, wurde in der Literatur schon gründlich analysiert (u. a. Grosser 1998; Steinitz 2007), so dass ich hier auf eine Aufzählung bekannter Argumente verzichten will.

1. Zur den ökonomischen Verlusten und Belastungen der SBZ/DDR bis zum Ende ihrer Reparationsleistungen

Der 2. Weltkrieg hinterließ in den deutschen Gebieten und Regionen unterschiedliche Grade von Zerstörungen der Wirtschaft und speziell der Industrie. Die Bombenangriffe allein bewirkten Mitte 1944 ca. 15% Ausfälle der Rüstungsproduktion sowie bis Kriegsende 100-110 Mrd. RM Verluste an Volksvermögen.[1] Es gab schwer quantifizierbare Verluste durch die weiteren Kriegshandlungen auf deutschem Boden. Ein Vergleich der materiellen Ausgangsbedingungen zwischen den Westzonen und der Ostzone bei Kriegsende ist daher kaum möglich, denn die verfügbaren Angaben sind nicht belastbar.[2]

In den ersten Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (bis 1953) erlitten die Menschen in der SBZ/DDR dann weitere katastrophale Rückschläge und ruinöse Verluste im noch vorhandenen Wirtschaftspotenzial unter dem sowjetischen Reparationsregime. Moralisch waren Reparationen in der Nachfolge des verlorenen verheerenden Angriffskrieges gegen die UdSSR zwar gerechtfertigt, jedoch hatte das ganze „Deutsche Reich“ den Krieg geführt und war insofern insgesamt in der Schuld gegenüber der Sowjetunion. Praktisch erhielt die Sowjetunion Reparationen aber nur aus ihrem eigenen Besatzungsgebiet (SBZ).

Die Demontagen in der Sowjetischen Besatzungszone bis 1948, die nachfolgenden laufenden Produktionsentnahmen bis 1953 (einschließlich anfangs kostenloser und später stark „verbilligter“ Uranerzlieferungen) prägten langzeitig die Wirtschaftskraft in Ostdeutschland. Völlig zu Recht spricht daher Siegfried Wenzel von einem „Aderlass in Bezug auf die Entwicklungsmöglichkeiten der DDR“ (Wenzel 2005, 17).

Zusätzlich machten sich die Folgen der wirtschaftlichen Abspaltung der SBZ von den Westzonen (und von Schlesien) als chronische Schwächung der ostdeutschen Produktionsmöglichkeiten bemerkbar, die von einer krisenhaften Massenflucht in den Westen begleitet waren. Auch die Versorgung der ostdeutschen Teil-Industrie (unter den Bedingungen ihrer Kapazitätsverluste und einer erforderlichen Rekonstruktion) mit Rohstoffen bzw. Importmaterial konnte nach Kriegsende zunächst mindestens zehn Jahre lang nicht ausreichend gewährleistet werden.

1.1 Generelles zu den Reparationen an die Sowjetunion

Nach den ungeheuren Kriegszerstörungen in der UdSSR wurden auf der Potsdamer Konferenz 1945 beträchtliche Reparationsforderungen gegenüber Deutschland beschlossen, deren Obergrenze nicht exakt festgeschrieben wurde. Die sowjetischen Forderungen waren überwiegend zu Lasten des Industriepotenzials der SBZ zu erbringen. Nach Jörg Fisch zahlte Gesamtdeutschland 4.821 Mio. Dollar (zu Preisen von 1938) „offiziell als Reparationen anerkannte Leistungen“, davon entfielen 89,0% auf Ostdeutschland. Unter „Gesamtleistungen“ (ohne Besatzungskosten) sind auch andere Leistungen als „sehr grobe Schätzungen“ einbezogen, so dass sich für Ostdeutschland insgesamt 11.405 Mio. Dollar oder 621,4 Dollar pro Kopf ergeben, d.h. das 6-fache des westdeutschen pro-Kopf-Betrags.[3]

Die SBZ/DDR verlor durch die Demontagen nach Wenzel ca. 2.400 Industriebetriebe (nach Steiner ca. 3.400), die abgebaut, ausgeschlachtet und als Ruinen hinterlassen oder deren Gebäude z. T. auch gesprengt wurden. Dadurch sank das Bruttoanlagevermögen der Wirtschaft bis 1948 auf 74,3% des Standes von 1936, die industriellen Kapazitäten wurden auf 70% reduziert.[4] Gegenüber dem kriegswirtschaftlichen Endstand von 1945 (= 100) sanken die industriellen Anlagen um 46% oder auf den Tiefstand von 54% ab.

Der materielle Umfang der Demontagen wurde später von den sowjetischen „Entnahmen aus der laufenden Produktion“ im Rahmen der gesamten Reparationsleistungen noch weit übertroffen.[5]

Die Gesamtbelastungen aus den Demontagen (ohne die ersten „Beuteaktionen“) ab August 1945 beliefen sich auf etwa 12,1 Mrd. RM in Preisen von 1944, die aus den laufenden Produktionsentnahmen auf 41,8 Mrd. RM – insgesamt also 53,9 Mrd. RM oder 14 Mrd. Dollar in Preisen von 1938 (Steiner 2004, S. 33).

Man kann rückblickend davon ausgehen, dass an der einseitigen Belastung der SBZ auch die Politik der Westmächte nach Kriegsende gegenüber den Westzonen einen gewichtigen Anteil hatte: Indem sie frühzeitig auf zerstörerische Demontagen verzichteten und bedeutende „Marshall-Plan-Hilfe“ gewährten. Ferner wurde die westdeutsche offizielle „Wiedergutmachung“ aus einem schon wieder funktionierenden Produktionsapparat großteils erst nach 1950 geleistet. Diese Vorteile blieben der SBZ/DDR von Anfang an verwehrt, was hauptsächlich auf den sowjetischen Impuls nach den Zerstörungen des faschistischen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion zurückzuführen ist.

1.2 Detailangaben zu den Verlusten und Belastungen unter dem Reparationsregime

Die anfänglich (bis 2. August 1945) als „Beute“ in der SBZ erfassten und angerechneten Objekte betrafen nach sowjetischen Statistiken 142.300 Waggons (1.778.750 t) mit demontierten Ausrüstungen und 29.300 Waggons (380.900 t) mit diversen erfassten Materialien.[6] Ab 3. August 1945 wurden solche Gütertransporte in die Sowjetunion offiziell als „Reparationen“ abgerechnet. Diese umfassten allein bis 1. Januar 1950 weitere 266.600 Waggons mit Ausrüstungen sowie 171.700 Waggons mit diversen Materialien.[7]

Nach Laufer wurden bis 1950 5,114 Millionen Tonnen Ausrüstungen demontiert.[8] Es verließen im einzelnen bis Ende 1950 (nach sowjetischen Statistiken) riesige Mengen an Gütern als Reparationen die SBZ, darunter (als Auswahl) 188.558 spanabhebende Werkzeugmaschinen, 42.829 Schmiede- und Presseinrichtungen, 2.367 Kräne, 25 Schwarzmetall- und 157 Buntmetall-Walzstraßen, 11.946 Motoren und 99.280 Elektromotoren. Hinzu kamen 183 Hochsee- und 1.113 Binnenschiffe. Ferner wurden 88.700 t Schwarzmetall-Walzgut, 24.500 t Rohre, 69.600 t Buntmetalle, 572.500 t Stahlkonstruktionen und 155.100 t Instrumente und Ersatzteile abtransportiert.[9] Ebenfalls unentgeltlich wurden bis 1953 auch 9.450 t Uranerz an die Sowjetunion geliefert. Die SBZ/DDR-eigenen laufenden Produktionskosten hierfür beliefen sich zwischen 1946 und 1953 auf 7,3 Mrd. RM/DM-Ost zu laufenden Preisen.[10]

Die industriellen Kapazitätsverluste der SBZ infolge der Demontagen betrafen nach Steiner z.B. 80% für die Kraftfahrzeugindustrie, 75% für die Eisenerzeugung, den Werkzeugmaschinenbau, den Büromaschinenbau und den Lokomotivbau, 66% für die Elektroindustrie, die Optische Industrie und den Textilmaschinenbau, 50% für die Chemische Industrie, Feinmechanische Industrie und Kunstfaserherstellung. Für die Kapazitätsverluste in weiteren Industriezweigen liegen die Angaben etwas niedriger, so 33% für den Braunkohlenbergbau und die Braunkohlenbrikettindustrie, die Pharmazeutische und die Schuhindustrie, 20% für die Textil- und die Lebensmittelindustrie.[11]

Zu den industriellen Kapazitätsverlusten kamen im Verkehrswesen die Demontagen von 11.800 km Eisenbahngleisen hinzu, darunter 6.500 km zweiter Gleise, wodurch sich das SBZ-Schienennetz faktisch halbierte (was bis zuletzt nicht ausgeglichen werden konnte). Nach Steiner entstanden außerdem Verluste für die Wirtschaft der SBZ/DDR in Höhe von 1 bis 2 Mrd. RM durch den Abtransport von Spezialisten und Patenten in die Sowjetunion.[12]

Tabelle 1: Anteil am Bruttosozialprodukt (BSP) von DDR und BRD für die „laufenden Reparationsleistungen durch Produktentnahmen“ 1946 bis 1953[13]

1945

1946

1947

1948

1949

1950

1951

1952

1953

DDR in % am BSP

-

48,8

38,4

31,1

19,9

18,4

16,4

14,6

12,9

BRD in % am BSP

-

14,6

12,8

9,0

6,0

5,8

7,1

6,0

3,8

DDR in Mrd. RM

3,6

6,2

5,6

5,1

3,6

3,6

3,6

3,5

3,3

BRD in Mrd. DM

1,7

4,3

4,6

4,0

3,3

3,6

5,0

4,6

3,1

Die laufenden Reparationsleistungen (außer Demontagen) durch Produktentnahmen aus dem SBZ/DDR-Bruttosozialprodukt zwischen 1945 und 1953 sind nach Steiner auf 41,8 Mrd. RM/DM-Ost zu laufenden Preisen (Steiner, 2004, S. 33) zu beziffern. Sie betrafen im Vergleich zur BRD enorme Anteile des durch die Demontagen schon stark reduzierten laufenden Bruttosozialprodukts der SBZ/DDR (Tab. 1). Hiernach waren die „laufenden Produktentnahmen“ in der SBZ/DDR relativ zum Bruttosozialprodukt stets zwei- bis dreimal höher als in der BRD.

Solche hohen Anteile bei den Produktentnahmen aus der laufenden Produktion der SBZ/DDR führten dazu, dass dann noch mögliche produktive Anlageinvestitionen nach den Demontagen längerfristig auf dem gezeigten niedrigen Anteil verblieben, wodurch sich der wirtschaftliche Rückstand zu den Westzonen bzw. zur BRD verfestigte. André Steiner resümiert: „Vor allem musste die SBZ aber fast drei Mal soviel laufende Leistungen für die Wiedergutmachung“ (je Einwohner) „erbringen wie die Westzonen ... (Es) zeigte sich das Ungleichgewicht der Lasten zwischen West und Ost in der unmittelbaren Nachkriegszeit erst in seinem vollen Ausmaß.“ (Steiner, 2004, S. 34) Die laufenden Leistungen für Wiedergutmachung betrugen nach Steiner bis 1953 relativ je Einwohner in Westzonen/BRD 713 RM in Preisen von 1944, in der SBZ/DDR dagegen 1.997 RM (jeweils ohne Besatzungskosten).

Der Historiker Rainer Karlsch[14] gibt eine Aufteilung nach Jahren für alle Arten von nachprüfbaren Belastungen durch Reparationen wie folgt an (Tab. 2, hier ohne Sachaufgliederung vereinfacht zitiert):

Tabelle 2: Reparationsleistungen der SBZ/DDR nach Jahren (Mio. RM/Mark, laufende Preise)

1945

1946

1947

1948

1949

1950

1951

1952

1953

Summe

3.600

8.696

8.113

5.127

5.253

5.982

6.064

5.689

5.424

53.948

In der Gesamtsumme von 53,9 Mrd. RM/Mark spiegelt sich der derzeit bekannte Stand der statistischen Berechnungen (einschl. der begründeten Schätzungen) wider. Damit hatte die SBZ/DDR im Vergleich zu den schon erwähnten ca. 100-110 Mrd. RM Kriegsverlusten des ganzen Deutschlands durch die Bombenangriffe zusätzlich etwa die Hälfte dieser Summe durch Reparationen allein zu tragen.

Im August 1953 wurden der DDR die restlichen Reparationsleistungen vollständig erlassen. Jedoch blieben die Besatzungskosten und die Uranerzlieferungen zwischen 1954 und 1960 in Höhe von 6,2 Mrd. Mark bzw. 3,6 Mrd. Mark (insges. 9,8 Mrd. Mark) bestehen.[15]

Als Folgerungen für die DDR (aus den Angaben gemäß Tab. 2 „Reparationsleistungen der SBZ/DDR“) hebt Siegfried Wenzel hervor „Das heißt, es handelt sich bei diesem Faktor um eine Belastung der DDR und zugleich um einen begünstigenden Schub für die BRD von volkswirtschaftlichen Ausmaßen, der die Entwicklung der beiden Volkswirtschaften mit umgekehrten Vorzeichen nachhaltig beeinflusste und einen wesentlichen Teil des im Allgemeinen anerkannten ökonomischen Rückstandes von ca. 50 Prozent, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung, erklärt.“ (Wenzel 2005, S. 17/18)

Infolge der durch Reparationen bedingten dramatischen volkswirtschaftlichen Anfangsverluste verzeichnete die SBZ/DDR nach 1945 einen hohen Leistungsrückstand gegenüber den Westzonen bzw. der Bundesrepublik, der sich auch späterhin als Hypothek im „ökonomischen System-Wettlauf“ der beiden deutschen Teilstaaten erweisen sollte. Kaum jemand erinnert sich heute noch an die öffentliche Erklärung der 55 Universitäts-Professoren um Prof. Arno Peters, die sich 1989 zugunsten eines nachträglichen Lastenausgleichs zwischen West- undOstdeutschland für die Reparationen einsetzten, bevor die deutsche Einheit vollzogen wurde. Prof. Arno Peters hatte diese Ausgleichsforderung auf 727 Milliarden DM einschl. der Zinsen berechnet, was damals von der Bundesregierung ignoriert wurde.

2. Drama Mauerbau 1961

2.1 Einsetzende Massenflucht

Die innere Gesellschaftskrise der DDR wird in den Jahren vor dem Mauerbau aus der Sichtweise der DDR allgemein so verdeutlicht: „Wirtschaftssabotage, Währungsspekulation, die als ‚Grenzgängerei’ bezeichnete illegale Fremdarbeit von mehr als 100.000 Arbeitskräften aus der DDR in Westberlin, die gezielte Abwerbung von Wissenschaftlern, Ärzten, Lehrern und qualifizierten Facharbeitern sowie das … organisierte illegale Verlassen der DDR fügten der Volkswirtschaft schweren Schaden zu.“[16]

Tabelle 3: Bevölkerungsstand der DDR und Flüchtlinge 1958 bis 1961 (in 1000 Personen)[17]

1958

1959

1960

1961

Bevölkerungsstand am 31.12.

17.311,7

17.285,9

17.188,5

17.079,3

DDR-Flüchtlinge (insges.)

204.1

143.9

199.2

155.4*

* bis 13.08.1961

Die Fluchtbewegung in den Jahren vor dem Mauerbau führte zu einem fatalen Bevölkerungsverlust: „Insgesamt verließen etwa 15% der Menschen, die 1950 in der DDR gelebt hatten, das Land; saldiert mit den Zuzügen hatte sie etwa 11% ihrer Bevölkerung verloren... Etwa die Hälfte der Flüchtlinge war unter 25 Jahre alt, viele von ihnen gehörten zu den Höherqualifizierten.“[18]

Tabelle 4: DDR-Bruttoinvestitionen je Einwohner im Vergleich zur BRD (in Prozent)

Jahr

1954

1955

1956

1957

1958

1959

1960

1961

1962

DDR %

17,8

17,5

21,1

23,6

29,2

29,0

27,5

26,4

30,1

Die „Bruttoinvestitionen je Einwohner“ kamen nach Gerhard Heske in den Jahren vor dem Mauerbau 1961 im Vergleich zum Stande der BRD bis 1959 nur unzureichend voran und gingen 1960/161 wiederum zurück (Heske 2009, S. 304). Dies unterstreicht die vor 1961 sich noch verschlechternden ökonomischen Leistungen der DDR.

2.2 Folgen des Mauerbaus

„Mit der Errichtung der Berliner Mauer reagierte die SED-Spitze und ihre Moskauer Protektoren in erster Linie auf die Wirtschaftskrise in der DDR 1960/61 und deren systemgefährdende Implikationen, das heißt den starken Anstieg der Flucht in den Westen.“[19] Nachträglich stellte André Steiner fest: „Aber angenommen, die Mauer wäre nicht gebaut und die in diesem Zusammenhang verbrauchten Mittel wären zur Steigerung des Sozialprodukts eingesetzt worden, kann angesichts der im Vergleich zur Bundesrepublik geringeren Kapital- und Investitionseffektivität der DDR nicht davon ausgegangen werden, dass damit die Attraktivität des ostdeutschen Teilstaates in einem Maße hätte gesteigert werden können, dass die Westflucht quasi wirtschaftlich unterbunden worden wäre.“[20]

Zu den direkten Kosten des Mauerbaus zählt ein „vorläufiger und unsicherer“ einmaliger Aufwand von mehr als 2 Mrd. Mark in den Jahren 1961/62, in dem 750 Mio. Mark für den Rostocker Überseehafen und seine Anbindung an Berlin enthalten sind.[21] Weitere Kosten für zwingende „Störfreimachung“ der DDR-Wirtschaft vom innerdeutschen Handel werden auf 1 Mrd. Mark geschätzt, die in Folge des Mauerbaus 1961/1963 eintraten (Steiner 2004; S. 191). Nach vorsichtigen Schätzungen machte dies 9,6% der in der Volkswirtschaft 1961/62 getätigten Investitionen aus oder 2,1 Prozent des erwirtschafteten Nationaleinkommens (Steiner 2004, S. 198). Dazu kamen etwa 500 Mio. Mark laufender Jahresaufwand für die NVA-Grenztruppen für diesen Zeitraum (ebd.). Der Aufwand für die Grenzsicherung erwies sich danach als permanent bzw. langfristig. Nach Dietmar Schultke waren noch im Staatshaushalt 1988 für die Grenztruppen der DDR 2,1 Mrd. Mark ausgewiesen (Schultke 2008, S. 94).

Die sich anbahnende Berlin-Krise wurde durch den Mauerbau entschärft. „Das personelle Ausbluten der DDR konnte nur durch die hermetische Schließung der Grenzen im Jahre 1961 verhindert werden; eine Maßnahme die politisch-moralisch völlig anders bewertet werden muss als vom ökonomischen Standpunkt“, wie Siegfried Wenzel formulierte.[22] Dies zeigen auch die Daten zu den Bruttoanlageninvestitionen für die ersten zehn Jahre nach dem Mauerbau nach G. Heske[23] (Tab. 5).

Tabelle 5: Anteil der Bruttoanlageinvestitionen an der „Inländischen Verwendung des BIP“ 1961 bis 1970 (in Prozent)

Jahr

1961

1962

1963

1964

1965

1966

1967

1968

1969

1970

DDR

16,7

16,6

16,9

17,6

18,3

18,6

19.6

20,9

22,5

22,5

BRD

28,9

28,4

27,5

29,2

28,2

28,6

27,2

26,7

26,9

27,4

Der Abstand der DDR zur BRD konnte zwar im Jahrzehnt nach 1961 nicht aufgeholt werden, jedoch trat eine Halbierung des Rückstands bei den Anlageinvestitionen ein. Die DDR hatte 1970 einen relativen Stand bei den Anlageninvestitionen erreicht, der nach Heske auch in den Folgejahren (bis zu ihrem Ende) nicht mehr andauernd oder deutlich überschritten wurde. Hierin drückt sich u. a. ihr verbleibender produktiver Potenzialunterschied zur BRD aus. Im Jahre 1970 erreichte die DDR einen Stand von 41,1 Prozent im Vergleich zur BRD (= 100) bei den Bruttoanlageinvestitionen je Einwohner.[24]

Dies hing (in zweiter Linie) auch mit den militärischen und sicherheitspolitischen Lasten zusammen, die schon ab den 50er Jahren von der DDR verstärkt zu tragen waren. Die Grenze/Mauer war spätestens mit der Anerkennung der DDR als souveräner Staat durch die UNO eine völkerrechtliche Staatsgrenze geworden und außerdem schon seit Mai 1955 die militärisch abgesicherte Westgrenze des Warschauer Pakts (Abschnitt 3).

In den fast 30 Existenzjahren der Mauer gab es nach letzten recherchierten Angaben im Zusammenhang mit auf DDR-Seite versuchten Grenzverletzungen tragischer Weise 136 dokumentierte Todesfälle.[25] Das waren – objektiv gesehen – zeitgeschichtliche Opfer der internationalen Machtkonstellation zur Gewährleistung des „Status Quo“ des Realsozialismus an der Westgrenze des Warschauer Pakts.

3. Weitere ökonomische Belastungen der DDR bis 1989

Der nach dem Krieg „ausgebluteten“ DDR fehlte anfangs für einen ökonomischen Wettbewerb mit Westdeutschland eine schwerindustrielle metallurgische Basis ebenso wie deren überwiegend eigenständige Rohstoff- und Energieversorgung.

3.1 Zur Rohstoff- und Brennstoffversorgung im „Kalten Krieg“ und danach bis 1989

Die Rohstoff- und Energieversorgung der Industrie war von Anfang an ein schwerwiegendes Problem der DDR-Ökonomie, dessen Lösung eine außerordentliche Belastung darstellte und einen enormen Aufwand erforderte. Dies gilt für die gesamte Zeit ihrer Existenz. Die durch die westliche und die östliche Grenze der SBZ/DDR erzwungenen veränderten Lieferbeziehungen hatten jahrelange schwerwiegende Konsequenzen. (Hierzu weitere Ausführungen u.a. im Überblick bei Karl Mai 2008 und 2009.)

Die verarbeitende Industrie Ostdeutschlands war nach Siegfried Wenzel „bei Roheisen, Walzstahlerzeugnissen, Steinkohle, Koks existentiell auf westdeutsche Lieferungen angewiesen und ohne diese nicht lebensfähig. Außerdem bestanden auf dem Gebiet der verarbeitenden Industrie vielfältige Verflechtungen und Zulieferabhängigkeiten.“[26] „Das Hauptproblem für die SBZ/DDR lag aber zweifellos darin, dass die entstandenen Disproportionen zumindest bis weit in die fünfziger Jahre durch die Lieferunfähigkeit der UdSSR und der anderen sozialistischen Länder über einen Warenaustausch des Außenhandel nicht ausgleichbar waren.“ (Ebd.) Nach Angabe von Gerhard Kehrer konnten 1948 bis zu 40% der verfügbaren restlichen Produktionskapazitäten wegen Rohstoffmangels nicht genutzt werden.[27] So konnte der Bedarf an Steinkohle nur noch bis ca. 16% aus den früheren Liefergebieten gedeckt werden (Steiner 2004, S. 47). Die Umstellung der Kraftwerke auf Braunkohle war, wie oben angeführt, zumindest durch die Demontagen von 33% der Kapazitäten im ostdeutschen Braunkohlenbergbau und in der Brikettindustrie erheblich erschwert und begrenzt. (Christa Luft hatte 1996 für die Kapazitätsverluste durch Demontagen im Braunkohlenbergbau 40% angegeben.)[28] Die vorhandenen Bedingungen bei der zusätzlichen Förderung von Rohbraunkohle im Tagebau im Maßstab von Millionen Tonnen, beim Kohletransport zu den Kraftwerken und bei der relativ ineffektiven Energieerzeugung (Verstromung) von Millionen Tonnen Braunkohle (als Ersatz für die Steinkohle) erforderten erhebliche sofortige Investitionen und technologische Folgemaßnahmen in der Industrie. Dazu kam, dass sich der Investitionsaufwand auf Grund der geologischen Bedingungen für jede Tonne Rohbraunkohle ständig erhöhte, und zwar von 1980 7,20 Mark auf 1988 13,20 Mark,[29] wobei sich das Verhältnis von Rohbraunkohle zum Abraum im Tagebau ständig verschlechterte.

Gerhard Heske betonte die Konsequenzen daraus wie folgt: „Vom Gesamtvolumen der Investitionen in der Industrie der DDR entfiel in der DDR in den fünfziger Jahren fast die Hälfte auf den Bereich ‚Energie, Wasser, Bergbau’ und in den achtziger Jahren war es immerhin noch fast ein Drittel. Demgegenüber lagen die Investitionen in der BRD anteilig in diesem Industriebereich wesentlich niedriger ...“ (G. Heske 2009, S. 84) Im Jahre 1988 entfielen auf die Investitionen im Bergbau 5,6 Mrd. Mark und in der Energiewirtschaft 10,0 Mrd. Mark, jedoch in der gesamten Verarbeitenden Industrie der DDR nur 38,3 Mrd. Mark (zu laufenden Preisen). (Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Berlin 1997/2, S. 64) Wie groß die Belastung der Energiewirtschaft für die DDR-Wirtschaft war, zeigt der im Vergleich zur BRD extrem hohe Anteil an der Bruttowertschöpfung (Tab 6).

Tabelle 6: Anteile der Bruttowertschöpfung in den Industrie-Bereichen des Produzierenden Gewerbes in der DDR und der BRD (in Prozent)

Jahr

DDR

BRD

Energie, Bergbau, Wasser

Verarbeitendes Gewerbe

Energie, Bergbau, Wasser

Verarbeitendes Gewerbe

1950

58,2

41,8

22,9

77,1

1960

42,7

57,5

14,2

85,8

1970

37,6

62,4

10,4

89,6

1980

34,7

65,7

9,4

90,6

1985

37,3

62,7

8,7

91,3

1989

34,4

65,6

8,8

91,2

Daten nach G. Heske, in: Ostdeutsche Wirtschaft 20 Jahre nach der Wende, RLS-Leipzig, 2009, S. 28 (Auszug aus der Tabelle).

Damit wird ein enormes volkswirtschaftliches Problem der DDR im Vergleich zur BRD ausgedrückt: Es mussten ständig drei- bis vierfach höhere Potenziale in der Braunkohlen-Energiebasis eingesetzt werden. Dadurch ergaben sich weit reichende Auswirkungen auf den Rückstand der DDR in der Effektivität der gesamten Industrie sowie auf das Transportwesen. Ende der 80er Jahre erreichte der Braunkohlenanteil ca. 85 Prozent der Elektroenergieerzeugung. Wolfgang Stinglwagner: „Die Braunkohlenförderung war von 133 Mio. t im Jahre 1949 auf 240 Mio. t im Jahre 1975 und 258 Mio. t im Jahre 1980 gesteigert worden. Durch nochmals verstärkte Konzentration von Investitionsmitteln in diesem Bereich erfolgte dann eine weitere Erhöhung des Braunkohlenabbaus bis auf 310 Mio. t im Jahre 1988.“[30]

3.2 Zur Umweltbelastung der DDR

Besonders belastend war die extrem hohe Verschmutzung von Luft (Schwefeldioxid, Staub, usw.) und Wasser sowie die Verseuchung der Böden infolge unzureichender Schutzmaßnahmen in der Landwirtschaft.[31] „Die DDR gehörte zu den ökologisch am meisten belasteten Ländern Europas.“ Sie konnte zwischen 1980 und 1988 nicht mehr als 0,5% des produzierten Volkseinkommens für den Umweltschutz aufwenden, während die BRD gleichzeitig 1,6% investieren konnte.[32] Dies ergab sich infolge der höheren volkswirtschaftlichen Produktivität in der BRD und verschaffte dieser einen wichtigen ökologischen Vorteil.

Das ökologische Desaster in der DDR war in den 80er Jahren hauptsächlich durch den Widerspruch zwischen den Begrenzungen der industriellen Investitionen (z. B. infolge der Ablösung der Devisenkredite nebst Devisen-Zinszahlungen) und der stark überhöhten Aufwendungen für die uneffektive Braunkohlen-Energieproduktion bei erzwungener Heizölablösung bedingt – ein bitteres Dilemma für die DDR-Ökonomie. Der Modrow-Regierung wurde am 2. März 1990 durch das Umweltministerium eine Empfehlung vorgelegt, in der es vereinfachend hieß: „Aus der Grundfondsanalyse der Wirtschaft ergibt sich mit 8-9% produktiver Akkumulation eine zu geringe Akkumulationsrate und als Folge davon ein mit 55% außerordentlich hoher Verschleiß der Ausrüstungen.“ [33] (Der weiter unten erwähnte hohe außenwirtschaftliche Lieferüberschuss der DDR im letzten Jahrzehnt blieb allerdings hier außer Betracht.) Somit bestätigten sich die wirtschaftspolitischen Schwächen und Zwangslagen der DDR in der Honecker/Mittag-Ära in eklatanter Weise, die zur strikten Geheimhaltung der wahren Umweltbelastungen in den letzten Jahren der DDR führten.

3.3 Ständiger Engpass Außenhandel

Die wirtschaftliche Teilung des zuvor einheitlichen deutschen Wirtschaftsgebietes brachte weitere starke Belastungen für die SBZ/DDR. Dies betrifft u.a. den Ersatz der historisch überkommenen Lieferbeziehungen zum Westen wie zum Osten (z.B. zu Schlesien). „Im zweiten Halbjahr 1952 kam der innerdeutsche Handel mit 9 Mio. DM praktisch zum Erliegen. Am 30.9.1960 kündigte die Bundesregierung das seit 1951 laufende Handelsabkommen mit der DDR.“ (Wenzel 2005, 20) Der beginnende Systemkonflikt und „Kalte Krieg“ sollte nach NATO-Zielen die geschrumpfte DDR-Industrie weitgehend ins Hintertreffen bringen.

Erst ab 1957 setzte eine vertragliche Rohstoffversorgung seitens der UdSSR ein, die aber weit unter den für die DDR notwendigen Mengen blieb. Bei den Verhandlungen von 1959 konnte die DDR nur etwa die Hälfte der gewünschten Materiallieferungen vertraglich binden. (Ebd., S. 20) Bei den späteren Verhandlungen mit der UdSSR im Jahre 1969 wurde die Liefermenge bei wichtigen Rohstoffarten „um die Hälfte“ gekürzt. Dies betraf z.B. Erdöl, Erdgas, Walzstahl, Aluminium, Kautschuk, Kupfer. „Damit war die materielle Basis der ökonomischen Perspektive der DDR … auch für die damals noch bevorstehenden zwanzig Jahre, weit unterhalb ihrer ökonomischen Möglichkeiten festgeschrieben.“ (Ebd., S. 21)

In den 80er Jahren wurden die sowjetischen Import-Liefermengen abermals rigoros gekürzt, „so z. B. 1985 zu 1988 bei Zink von 24.000 Tonnen auf 12.000 Tonnen, bei Apatitkonzentrat von 430.000 Tonnen auf 300.000 Tonnen und bei Schnittholz von 1,7 Mio. m3 auf 0,9 Mio. m3. Dazu gehörten auch Lieferrückgänge bei Blei, Manganerz, Chromerz und anderen. Materialien. Die Lieferungen von Steinkohle (im Rahmen eines Umleitungsvertrages aus Polen) sanken von 6 Mio. Tonnen in den sechziger Jahren auf 1 Mio. Tonnen 1987 und 300.000 Tonnen 1988.“ (Ebd., S. 22) Gerhard Schürer zeichnete komplexe Konsequenzen zu Ende 1989 wie folgt nach: „ … u. a. die durch das Ausbleiben von 2 Mio. t Erdöl jährlich aus der UdSSR notwendig gewordenen Investitionen von 7 Mrd. Mark für das Programm zur tieferen Spaltung von Erdöl; die Kosten von 12 Mrd. Mark zur Ablösung von Heizöl aus dem inneren Verbrauch; den Zusatzimport für Lieferausfälle von Blei, Zink, Apatit, Phosphor, Schnittholz, Faserholz und Zellstoff aus der Sowjetunion; den um 7,5 Mrd. Mark gestiegenen Aufwand für die Sicherheitstechnologien beim Bau der Atomkraftwerke Greifswald und Stendal; den gegenüber dem 5-Jahrplan von 8 auf 15 Mrd. Mark erhöhten Aufwand für die Mikroelektronik ...“.[34]

Die Materiallieferungen aus der UdSSR waren für die DDR weitaus weniger sicher und optimal als in der Öffentlichkeit vermutet. In Wirklichkeit ergaben sich hieraus immer wieder längerfristig bedeutende Verknappungen für die DDR-Wirtschaft. Dies wurde insbesondere in der Endphase der DDR krisenhaft wirksam. „Die Auswirkungen der Aufwandserhöhung in den verschiedenen Stufen der Gewinnung, Verarbeitung und des Transports der Energieträger erstreckten sich bis zu den in den achtziger Jahren sprunghaft anwachsenden Subventionen für stabile Verbraucherpreise...“, stellte Klaus Steinitz in seiner Analyse der spezifischen Belastungen der DDR-Ökonomie fest.[35]

3.4 Zur Preispolitik im UdSSR-Handel

Grundlegende Veränderungen in der Preisentwicklung für wichtige Rohstoffe im Welthandel bahnten sich in den 70er Jahren (ab 1973) an, die danach auch die Preisbasis für den Osthandel im RGW revolutionierten. So erhöhte sich der Preis je Tonne Erdöl gegenüber der UdSSR von 13 Rubel 1970 auf 70 Rubel 1980 und auf 168 Rubel 1985. „Daraus ergab sich, dass der Außenhandelsumsatz zwischen der UdSSR und der DDR von 1979 bis 1985 zwar wertmäßig auf 245 Prozent anstieg; das materielle Produkt der Lieferungen der UdSSR an die DDR jedoch bereits seit 1970 (107 Prozent) stagnierte.“ (Wenzel 2005, S. 21/22) Die Importpreise (Preisindex) wurden seitens der UdSSR z. B. von 1970 zu 1983 um 304 Prozent erhöht, der Exportpreis-Index konnte im Gegenzug aber nur um 160 Prozent erhöht werden. Die „terms of trade“ für die DDR im UdSSR-Handel verschlechterten sich damit grundlegend.

Die DDR-Wirtschaft litt in den Jahren ab 1980 unter den deutlichen Preisauftrieben auf dem Weltmarkt, die sich mit Verzögerung auch im RGW-Warenaustausch negativ auswirkten. Bei den Gegenlieferungen der DDR aus dem Verarbeitenden Gewerbe erhöhte sich entsprechend sowjetischen Anforderungen der Anteil der Erzeugnisse in Weltmarktqualität deutlich. Zusätzlich wuchs der Zwang für die DDR, ergänzende Importe aus dem Westen zu tätigen, weil der Gesamt-Import der DDR aus der Sowjetunion von 1986 bis 1989 auf 79 Prozent sank (ebd., S. 22).

3.5 Saldierte Außenhandelsüberschüsse

Nachdem die DDR in den 70er Jahren bedeutende Importüberschüsse im Westhandel realisierte, waren in den 80er Jahren ausgleichende Gegenlieferungen zwingend geworden und minderten das im Inland verfügbare DDR-Nationaleinkommen „spiegelbildlich“. Kaum bekannt und gewürdigt ist, welche enormen Anstrengungen in der DDR unternommen wurden, um im West- und im Osthandel gleichermaßen den notwendigen Zahlungsausgleich zu erreichen. Der vor 1981 langjährige negative Außenbeitrag (Export minus Import) wurde in den Jahren danach (bis 1989) durch einen positiven Außenbeitrag in Höhe von kumulativ 50 Mrd. Euro abgelöst (Gerhard Heske 2005, S. 230). Dieser mengenmäßig-materielle Exportüberschuss war am Ende kumulativ höher als das Jahresvolumen 1989 für die Bruttoinvestitionen der DDR (47 Mrd. Euro), und er drückte zwangsläufig und mehrjährig die dann objektiv noch möglichen industriellen Bruttoinvestitionen auf einen niedrigeren Stand. Dazu kam die gegenläufige Wirkung der Veränderungen der Preisrelationen zwischen Export und Import in den 70-80er Jahren. Anfänglich hatte die DDR infolge der vertraglich verzögerten Weitergabe der erhöhten Weltmarktpreise für Rohöl seitens der UdSSR im RGW-Handel beträchtliche Preisvorteile (in Transfer-Rubeln), die zunächst stabilisierend wirkten. Später verkehrte sich der Vorteil für die DDR in einen Nachteil, denn die nunmehr gültigen erhöhten Vertragspreise mit der UdSSR waren bindend.

Christa Luft hat die besonderen Nachteile der für die DDR negativen Entwicklung der „terms of trade“ hervorgehoben. Danach musste die DDR zwischen 1971 und 1987 aus dieser veränderten Relation im Außenhandel 22 Milliarden US-Dollar Verluste hinnehmen (Luft 1996, S. 91). Dies schmälerte wesentlich den finanziellen Nutzeffekt der mengenmäßigen Steigerung der Exporte in der Endphase der DDR.

3.6 Sonderproblem „Devisenverschuldung“ der DDR

Schließlich ist zu erwähnen, dass den angeführten saldierten Devisenschulden der DDR von 19,9 Mrd. Valutamark (VM) im Jahre 1989 auch hohe Guthaben (Forderungen) der DDR in der Zahlungsbilanz mit den sozialistischen Staaten gegenüberstanden, die sich 1989 auf insgesamt 6,1 Mrd. VM, darunter mit der UdSSR auf 3,1 Mrd. VM, beliefen.[36]

Eine besondere Rolle spielten für die DDR die Belastungen aus dem devisenpflichtigen Westhandel, der auf vereinbarten Bankkrediten, notwendigen Gegenlieferungen und Zinsausgleichszahlungen beruhte. Dieser Sektor des West-Handels erreichte zu Ende 1989 einen offiziellen Negativsaldo von 13,5 Mrd. Valutamark, nachdem der Höhepunkt von 20,5 Mrd. VM bereits 1982 überschritten war.[37] Berücksichtigt man den hiervon getrennten „innerdeutschen Handel“ mit einem Negativsaldo von 6,3 Mrd. Verrechnungseinheiten, so ergaben sich in 1989 saldierte Forderungen des Westens von insgesamt 19,9 Mrd. VM. Obwohl die Bundesbank in ihrer dokumentarischen Veröffentlichung von 1999 von keiner exorbitanten Westverschuldung in Devisen ausging, die zum Untergang der DDR hätte führen müssen, hält sich diese Ansicht hartnäckig in der Öffentlichkeit.

Der Stand der verfügbaren DDR-Devisenkredite wurde Mitte 1983 im Ergebnis des Strauß-Kredites zwar buchmäßig um ca. 1 Mrd. DM aufgestockt, aber realwirtschaftlich überwiegend nicht sofort als Kaufkraft eingesetzt. Dies führte zur „vorzeigbaren“ Erhöhung der DDR-Liquidität und erleichterte die laufende Kreditgewährung für westliche Banken gegenüber der DDR. Insgesamt entstanden unter Honecker/Mittag hohe Devisen-Zinsverpflichtungen der DDR. Es beliefen sich zwischen 1975 und 1989 die saldierten Zinszahlungen der DDR auf ca. 30 Mrd. VM, darunter von 1980 bis 1989 auf 23,6 Mrd. Valutamark,[38] was eine enorme Zins-Dauerlast pro Jahr darstellte. Sie war von 1980 bis 1989 insgesamt doppelt so hoch wie die direkten Besatzungskosten für die Sowjetarmee in diesem Zeitraum (siehe Tabelle 7).

Ferner übernahm die BRD Ende 1990 (im Zuge der staatlichen Einheit) von den vorhandenen DDR-Devisenkonten 7,6 Mrd. DM Devisenguthaben in ihren Besitz und kassierte ebenso die 6,75 Mrd. DM Kreditforderungen der DDR an einige ihrer zuvor „befreundeten Entwicklungsländer“. Gegenüber einigen Darstellungen aus westdeutscher Sichtweise stellte Siegfried Wenzel jedoch eindeutig klar: „Es war bis Ende der 80er Jahre weder die innere Verschuldung noch die äußere – darunter auch die gegenüber dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet – die die ökonomische Existenz der DDR bedrohten.“ (Wenzel 2005, S. 22)

4. Zu den ökonomischen Belastungen der DDR-Verteidigung bis 1989[39]

4.1 Der finanzielle und materielle Umfang der Verteidigungslasten generell

Die DDR-Verteidigungslasten grenzten zeitlich eng an die Reparationsleistungen an, die bis 1953 zu erbringen waren. Für die ökonomische Sicherstellung der Landesverteidigung inklusive der Produktion von Rüstungsgütern gab der DDR-Staat „etwa 4,5 Prozent des DDR-Nationaleinkommens aus.“ (Markus 2010, S. 13) Dies gilt für alle investiven und konsumtiven Ausgaben des Militär-Staatshaushalts im langjährigen Jahresdurchschnitt. (Die als Leistungen für den Mauerbau und die Grenzsicherung ab 1961 getätigten Aufwendungen sind hierin offenbar einbegriffen, wurden aber nicht gesondert abgegrenzt.) Der Anteil der DDR-Rüstungsproduktion lag ebenfalls durchschnittlich bei etwa vier Prozent der industriellen Warenproduktion. Für 1988 betrug deren Wertumfang 4,49 Mrd. Mark der DDR. Der Anteil aller sicherheitsrelevanten Ausgaben für den Staat, für den Unterhalt der sowjetischen Truppen und für die strategische Uranerzförderung erreichte nach neueren Schätzungen zehn bis elf Prozent des Nationaleinkommens der DDR. Er war mehr als doppelt so hoch wie die direkte industrielle Rüstungsproduktion für die NVA und den Export (ebd.).

60 Prozent aller Güter und Leistungen für die Streitkräfte der DDR wurden durch die eigene Wirtschaft erzeugt, darunter Bauleistungen, industrielle Instandsetzungen und die Versorgung der Truppe. Allein 1989 gab die DDR knapp 1,2 Mrd. Mark für die Instandsetzung der vorhandenen Wehrtechnik aus. In etwa 70 bis 80 Unternehmen produzierten 41.000 bis 44.000 Mitarbeiter Rüstungsgüter für die Streitkräfte und den Export. Darunter waren 25 Betriebe hauptsächlich mit der industriellen Instandsetzung von Militärtechnik befasst. Diese Unternehmen waren auf Leistungen von etwa 2.300 Zulieferbetrieben aus der übrigen Wirtschaft angewiesen, so dass hierüber bis zu 100.000 Mitarbeiter zumindest teilweise in die Rüstungswirtschaft der DDR eingebunden waren. Daneben führte die sowjetische Streitkräftegruppierung in eigener Regie sieben Reparaturbetriebe für Waffentechnik und Fahrzeuge auf dem Gebiet der DDR, für die auch deutsches Personal und Materialressourcen zum Einsatz kamen.

Von Anfang an gewann der DDR-Aufwand für die Besatzungskosten und die eigene Sicherheit eine besondere Bedeutung. 1952 wurden etwa 3,3 Mrd. Mark dafür aufgewandt, im Krisenjahr 1953 waren es bereits 3,5 Mrd. Mark. Einschließlich der Reparationen und der Kosten für die exzessive Uranförderung musste die DDR 1952 6,0 und 1953 5,4 Mrd. Mark für die Militär- und Kriegsfolgekosten ausgeben. „Diese Beträge entsprachen 20 Prozent des DDR-Haushalts von 1952 und 16 Prozent des Haushalts von 1953, während der Anteil des Gesundheitswesens bei sechs Prozent und der Anteil der Aufwendungen für die Volksbildung bei acht Prozent lagen.“ (S. 221/222) Nach der Kuba-Krise stiegen die Militärausgaben der DDR weiter an. „Die Vorbereitungen der Wirtschaft und des ganzen Landes auf den Verteidigungsfall erschienen als Gebot politischer Vernunft. Die Militärausgaben der DDR lagen 1961 bei 2,086 Mrd. Mark und stiegen bis 1970 auf knapp über 5,5, Milliarden an.“ (S. 224/225)

Ferner ist zu beachten: Zwischen 1945 und 1953 wurden geschätzte 18 Mrd. Mark als direkte Besatzungskosten aufgewendet d. h. pro Jahr durchschnittlich ca. 2,25 Mrd. Mark. In den letzten 20 Jahren ihrer Existenz zahlte die DDR etwa 24 Mrd. Mark für den Unterhalt der sowjetischen Streitkräfte.

4.2 Zur Rolle des strategischen Uranbergbaus

Die DDR leistete langjährig einen enorm wichtigen materiellen und finanziellen Beitrag zur Herstellung des strategischen Gleichgewichts der Warschauer Pakt-Staaten mit den USA- und NATO-Streitkräften in Form der Uranerzlieferungen. Mit einem reinen Subventionsbeitrag von 25 Mrd. Mark der DDR wurden zwischen 1947 und 1990 231.000 t Uranerz in der DDR produziert und in die UdSSR exportiert (Markus 2010, S. 207). Wöchentlich verließen 30 Waggons mit Uranerz die DDR. Bereits 1949 überstieg der wertmäßige Umfang zum US-Dollar-Weltmarktpreis die regulären Reparationen. Erst ab 1949 wurden hieraus der DDR auch Gutschriften für das Reparationskonto erteilt, d.h. vorher erfolgten diese Lieferungen zwei Jahre lang außerhalb von jeglicher Anrechnung auf die Reparationsleistungen. Zwischen 1949 und 1953 betrugen die gegenüber den Uran-Verrechnungspreisen aufzubringenden Mehrkosten 3,7 Mrd. Mark. Schon bis 1953 trug der öffentliche Haushalt der DDR Gesamtleistungen für die Uranproduktion in Höhe von ca. 15 Mrd. Mark (ebd., S. 210). Die aus dem Staatshaushalt der DDR finanzierten Beträge zwischen 1954 und 1985 erreichten nach Rainer Karlsch weitere 17,3 Mrd. Mark der DDR (Karlsch 2008, S. 261).

Einen hohen gesundheitlichen und menschlichen Preis zahlten die Bewohner der DDR im Uranerzbergbau: 14.592 Fälle von Silikose, 5.275 Fälle von Bronchialkrebs und 5.053 Fälle von Überlastungsschäden wurden als „Anerkannte Berufskrankheiten“ registriert.[40] Mit dem weiteren Rückgang der Uranlieferungen an die Sowjetunion ab 1986 und parallel zur modifizierten Militärstrategie Gorbatschows sank die exklusive Bedeutung der DDR-Uranproduktion für das strategische Gleichgewicht der Großmächte.

5. Schlussbetrachtung

Die wichtigsten ökonomischen Verluste und Belastungen der DDR sind in Tab. 7 zusammengefasst. Von ihrer Entstehung nach dem 2. Weltkrieg bis zum Ende der ostdeutschen Eigenstaatlichkeit war die ostdeutsche Wirtschaft durch außerordentliche ökonomische Verluste und Belastungen geprägt, wie die vorstehende Überblicks-Darstellung zeigt. Nach dramatischen Anfangsverlusten startete die DDR den System-Wettlauf um eine erfolgreiche Zukunft. Dies schloss – im Unterschied zu Westdeutschland – enorme volkswirtschaftliche Belastungen, langjährige personelle Einbußen (bis 1961), erhebliche materielle Einschränkungen und chronische Mangelzustände für ihre Menschen ein. Dies konnte historisch nicht mehr zum angestrebten Erfolg im Sinne des „Einholens“ der BRD führen, was auch wesentlich im Kontext des internationalen Umfelds begründet ist.

Nach der deutschen Wiedervereinigung zeigte sich allerdings, wie schwierig ein wirtschaftliches Aufholen nach dem Transformations-Absturz von 1991/1992 trotz bedeutender investiver West-Ost-Transfers bleibt. Die Wirtschaftsforschung in der Bundesrepublik Deutschland ist inzwischen zu dem Ergebnis gelangt, dass ein flächendeckendes Aufschließen Ost- zu Westdeutschland illusorisch sei.[41] Liefert dieses historische Gefälle nicht auch eine Art nachträglicher Begründung für das langjährige Zurückbleiben der DDR-Wirtschaft im Vergleich zu Westdeutschland im damaligen historischen Kontext der Nachkriegsära?

Tabelle 7: Ökonomische DDR-Verluste im Überblick (1945-1989)

Zeitraum

Ökonomischer Verlust bzw.

Art der Belastung

Summe Verlust/

Belastung

1945-1953

Reparationen (einschl. Demontagen)

53,9 Mrd. RM
(~14 Mrd. $**)

1950-1961

Flucht- und Abwanderungsverluste
(dar. personelle Kosten für Bildung)

135,0 Mrd. M
(16,0 Mrd. M)

1961-1964

Mauerbau (Aufbau- u. Infrastruktur-Folgekosten)

3,0 Mrd. M

1945-1953

1954-1968

1969-1989

Direkte Besatzungskosten

(keine endgültigen Daten verfügbar)

Direkte Besatzungskosten

18,0 Mrd. M

(?)

24,0 Mrd. M

1947-1990

Uranerzbergbau (direkte Produktionskosten)

25,0 Mrd. M

1982 ff.

Mineralölspaltung; Heizölablösung

19,0 Mrd. M

70er/80er

Jahre

1975- 1989

Außenwirtschaft

- Verschlechterung der „terms of trade“
für die DDR

- saldierte kumulative DDR-Devisen-Zinslast

22,0 Mrd. US-$

30 Mrd. VM

Bis 1989

1949-1989

dar. 1988

NVA-Bestände an Bewaffnung und Technik (Zeitwert 1990)

Gesamtlasten der Verteidigung

- darunter Jahressicherheitskosten für
NVA, Stasiapparat

40-45 Mrd. M

10-11% des NE*

21,7 Mrd. M

*NE = Nationaleinkommen; **US-$ auf Preisbasis 1938.

Das prozentuale langjährige ökonomische Wachstum der DDR hätte annähernd doppelt so hoch wie das der BRD sein müssen, um den enormen anfänglichen Rückstand aufzuholen – eine unrealistische Erwartung schon nach dem „Aderlass“ bis 1953 in der SBZ/DDR.

Tabelle 8 : Jährliche Wachstumsraten des BIP in DDR und BRD nach Zeitperioden (in Prozent)[42]

Zeitperiode

DDR

BRD

1951 – 1955

8,5

9,3

1956 – 1960

6,8

7,0

1961 - 1965.

4,0

5,3

1966 – 1970

5,0

3,9

1971 – 1975

4,0

2,3

1976 – 1980

3,6

3,3

1981 – 1985

3,1

1,2

1986 – 1989

2,1

2,9

1951 – 1989

4,5

4,3

Die DDR rückte zwar im langjährigen Durchschnitt des relativen BIP-Wachstums an die vormalige BRD heran, aber dies reichte allein nicht aus für einen Aufholprozess in der absoluten Kennzahl „ökonomische Leistungsfähigkeit“ (BIP je Erwerbstätigem). Die ökonomischen Dauerbelastungen der DDR durch ihre spezifischen Bedingungen (Reparationen einschl. Demontageverluste, Rohstoffe, Energieerzeugung, Außenwirtschaft, Verteidigungslasten usw.) blieben bis zu ihrem Ende 1990 zu hoch. Die BRD dagegen zeigte sich nach der vierzigjährigen staatlichen Trennungsperiode mit dem 2,23-fachen des Bruttoinlandsprodukts je Erwerbstätigen im Vergleich zur DDR im Jahre 1989 auch als der Sieger im ökonomischen Systemwettbewerb in Deutschland.[43] Dies begründete im Westen zunächst einen Mythos der Überlegenheit, der erst jetzt im Abklingen zu sein scheint, seit er von neuen gesamtdeutschen Problemen verdrängt wird.

Literatur

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Schultke, Dietmar, ‚Keiner kommt durch’ Die Geschichte der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer, Berlin 2008

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Steinitz, Klaus, Das Scheitern des Realsozialismus, Hamburg 2007

Wenzel, Siegfried, Zur Rolle äußerer Faktoren für die ökonomische Entwicklung der DDR, in: Pankower Vorträge, Die DDR-Wirtschaft in den 80er Jahren, Berlin 2005, Heft 70

[1] Maximilian Czesany, Europa im Bomben-Krieg 1939-1945, Graz 1998, S. 655.

[2] So z.B.: „In der sowjetischen Besatzungszone waren ungefähr 40% des Industriepotentials durch den Krieg zerstört worden. Die Zerstörungen lagen in Berlin und in Städten sowie Gebieten Sachsens, Sachsen-Anhalts und in der Mark Brandenburg teilweise darüber, in Thüringen und Mecklenburg teilweise erheblich darunter.“ (Badstübner u.a., Hrsg., DDR-Geschichte. Hochschullehrbuch, 4. Auflage , Berlin 1989, S. 29).

[3] Jörg Fisch, Reparationen und Entschädigungen nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 2000, Heft 6, S. 691.

[4] André Steiner, 2004, S. 28; nach Siegfried Wenzel wurden in der SBZ 2400 Betriebe demontiert, wobei er jene abgrenzte, die in den vorherigen Ostgebieten hinter der Oder-Neiße-Linie lagen. (Siegfried Wenzel, Ansichten zur Geschichte der DDR, Bd. 6, S. 91)

[5] Helmut Jenkis, Reparationen und Wiedergutmachung – ein deutsch-deutsches Problem, in: Heiner Timmermann (Hrsg.), 2005, S. 329.

[6] Bogdan Musial, 2011, S. 305. Die Zuverlässigkeit dieser Angaben ist nicht durch andere Veröffentlichungen verifizierbar.

[7] Hiervon abweichende Angaben allein für 1945 finden sich bei P.N. Knyschewskij, Moskaus Beute, München 1995, S. 40/41. Dort sind für das Jahr 1945 als Beute angeführt: „21.834 Waggons mit Industriegütern und Anlagen sowie 73.493 Waggons mit Baustoffen und Einrichtungsgegenständen aus Privatwohnungen.“ „Fast die Hälfte der erbeuteten Lebensmittel – 241.788 Waggons – wurden in die Sowjetunion abtransportiert.“ (S. 41)

[8] Karlsch/Laufer, Sowjetische Demontagen in Deutschland 1944-1949, Berlin 2002, S. 72.

[9] Bogdan Musial, 2011, S. 393, Tabelle 14. Unklar ist hier geblieben, ob die Aufteilung dieser Mengen in Demontagen und Produktionsentnahmen zu erfolgen hätte.

[10] Rainer Karlsch, 2008, S. 233; Steiner, 2004, S. 32.

[11] André Steiner, 2004, S. 29.

[12] Ebd., S. 33.

[13] Dietrich Staritz, Die Gründung der DDR, München 1995, S. 58, Tabelle.

[14] Zitiert nach: Heiner Timmermann (Hrsg.), 2005, S. 340.

[15] Falk Küchler, Die Wirtschaft der DDR, Berlin 1997, S. 86.

[16] Geschichte der DDR, a.a.O., S. 223.

[17] Siehe Fußnote 22, S. 224; Presse- und Informationsamt des Landes Berlin, „Die Mauer und ihr Fall“, 1996, www.berlinermaueronline.de; ebenso bei Steiner 2004, S. 105

[18] André Steiner, 2004, S. 106.

[19] Ebd., S. 189.

[20] André Steiner, 2002,S. 198.

[21] Ebd., S. 190.

[22] Wenzel, in: Elm/Keller/Mocek (Hrsg.), 1996, S. 120.

[23] Gerhard Heske, 2009, S. 262/263 und S. 280/281.

[24] Ebd., S. 304.

[25] Hans Bauer (Hrsg.), 2011, S. 161. Hier sind die halboffiziellen und offiziellen Sammlungen von Daten durch verschiedene deutsche Instanzen dokumentiert und kommentiert.

[26] Siegfried Wenzel, War die DDR 1989 wirtschaftlich am Ende?, Berlin 1998, Reihe Hefte zur DDR-Geschichte, Heft 52, S. 26.

[27] Zitiert nach Klaus Blessing, 2010, S. 40.

[28] Christa Luft, 1996, S. 79.

[29] André Steiner, in: Jarausch, Sabrow (Hrsg), Weg in den Untergang, Göttingen 1999, S. 80.

[30] E. Kuhrt, H. J. Buck, G. Holzweißig (Hrsg.), Am Ende des realen Sozialismus, Bd. 4: Die Endzeit der DDR-Wirtschaft, Opladen 1999, S. 193.

[31] E. Kuhrt, H. J. Buck, G. Holzweißig (Hrsg.) Am Ende des realen Sozialismus, Bd. 2: Die wirtschaftliche und ökologische Situation der DDR in den achtziger Jahren, Opladen 1996, S. 223 ff.

[32] Kusch, Montag, u.a., Schlußbilanz – DDR, Berlin 1991, S. 70, Tabelle 21.

[33] E. Kuhrt, H. J. Buck, G. Holzweißig (Hrsg.) Am Ende des realen Sozialismus, Bd. 2: Die wirtschaftliche und ökologische Situation der DDR in den achtziger Jahren, a.a.O., S. 260.

[34] Gerhard Schürer, in: Ansichten zur Geschichte der DDR, 1996, Bd. 6, S. 380.

[35] Klaus Steinitz, in: Stefan Bollinger (Hrsg.), Das letzte Jahr der DDR, Berlin 2004, S. 82.

[36] Deutsche Bundesbank, Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989, August 1999, Sonderdruck, S. 36.

[37] Ebd., S. 60.

[38] Armin Volze, in: Die Endzeit der DDR-Wirtschaft, Opladen 1999, S. 183, Tabelle VI Spalte [3].

[39] Alle Angaben und Daten zitiert nach Uwe Markus, 2010.

[40] Rainer Karlsch, 2008, S. 262.

[41] IWH (Hrsg.), Gutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute zu Ostdeutschland, Wirtschaftlicher Stand und Perspektiven Ostdeutschlands, 23..5.2011, im Internet unter: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Veroeffentlichungen/iwh.pdf?__blob=publicationFile

[42] G. Heske, in: Ostdeutsche Wirtschaft 20 Jahre nach der Wende, Diskurs Heft 32 , RLS-Leipzig 2009, S. 21.

[43] Ebd., S. 38.

Dieser Artikel ist erschienen in Z. Nr. 90, Juni 2012