Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 115, September 2018 - http://zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/topic/143.ausgabe-115-september-2018.html

Die Arbeit am sechsgliedrigen Aufbauplan von Marx an der Universität in Halle – und wie sie verschwand

Ehrenfried Galander

Mehr als ein Jahrzehnt nach der Wende fand am 3. November 2001 in Halle ein Kolloquium statt, auf dem das wissenschaftliche Werk Wolfgang Jahns gewürdigt wurde. Der ehemalige Leiter der Marx-Engels-Forschungsgruppe der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg[1] war am 3. Januar des gleichen Jahres verstorben. Wir folgten seinem Wunsch, keine Trauerfeier zu veranstalten, da er „das Weinen, das Schluchzen und die Tränen“ nicht mochte. Wir sollten lieber bei einem Glas Wein oder Bier seiner gedenken. Das taten wir, veranstalteten davor jedoch noch das genannte Kolloquium. Die „gewendete“ Universität stellte für die Würdigung des Emeritus, der von 1954 bis 1987 immerhin 33 Jahren an ihr gewirkt hatte, keine Räume zur Verfügung. Die nationale und internationale Reputation, zu der auch er der Universität verholfen hatte, war vergessen. Es gab von dieser Seite keinerlei Interesse an der Veranstaltung, so dass das Akademievorhaben MEGA an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition e.V. als Träger des Kolloquiums auftraten.[2]

Unser Anspruch – den ganzen Marx veröffentlichen,
erforschen, rekonstruieren

Das Thema der Veranstaltung „Der ganze Marx. Alles Verfasste veröffentlichen, erforschen und den ‚ungeschriebenen‘ Marx rekonstruieren“ sowie eine ganze Reihe von Beiträgen, z. B. von Ernst Theodor Mohl[3], Michael Heinrich[4] oder auch des Verfassers dieser Zeilen[5] orientierten damals bereits besonders auf die Verdienste Wolfgang Jahns für die Forschungen zum sechsgliedrigen Aufbauplan von Marx. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand zu den Ereignissen, immerhin fast 30 Jahre nach der Wende und 17 Jahre nach dem Kolloquium von Halle, sollte jetzt eine Möglichkeit bestehen, diese Frage noch einmal zu beleuchten. Dabei geht es mir nicht um eine umfassende Würdigung des Marx-Forschers Wolfgang Jahn, sondern um seine Rolle als Mittelpunkt und Inspirator der Arbeiten zum sechsgliedrigen Aufbauplan[6] in der Marx-Engels- Forschungsgruppe in Halle und welche theoretische Reichweite die dort angestellten Überlegungen hatten. Ein solcher Anspruch berührt auch die übergreifende Frage, ob die Marx-Engels-Forschung der DDR nicht nur Material bearbeitet und bereitgestellt hat, sondern auch, ob sie originäre Ergebnisse hervorgebracht hat.

Bisherige Antworten zum Wirken Jahns kommen häufig zu inhaltlich vergleichbaren Bewertungen. Anlässlich seines 60. Geburtstages[7] erschien 1982 das Heft 14 der Arbeitsblätter zur Marx-Engels-Forschung. In einem warmherzig geschriebenen Geleitwort würdigte bereits damals der langjährige Moskauer Kollege, Freund und Partner vieler Dispute Vitalij Vygodskij die „Schule“, die sich unter Leitung von Wolfgang Jahn in Halle „bei der Edition der MEGA als auch in der Forschungsarbeit“ herausgebildet habe. Er bedauerte, der Schule nicht „formell“ anzugehören, betonte aber den „direkten oder indirekten Einfluss“[8] der Arbeiten Wolfgang Jahns auf seine eigenen Arbeiten.[9] Ebenso wie Vygodskij unterstützte auch sein Moskauer Kollege Albert Kogan das Projekt der Rekonstruktion des sechsgliedrigen Aufbauplanes von Anbeginn. Ein solcher „Ritterschlag“ durch Repräsentanten der sowjetischen Marx-Engels-Forschung war natürlich förderlich für das Vorhaben. Das heißt nicht, dass es keine Differenzen gab. Bei Kogan betraf dies vor allem seine Position zur Entwicklung der Kategorie Kapital im Allgemeinen sowie auch die Diskussion zwischen ihm und Jahn zu Wertgesetz und Produktionspreis.[10] Vygodskij verantwortete gemeinsam mit Vladimir Bruschlinski die Edition der Manuskripte 1857/1858 in der MEGA² Ende der siebziger/Anfang der achtziger Jahre in Moskau. Bei einem seiner Besuche in dieser Zeit in Halle entwickelte sich eine ausführliche Diskussion zur editorischen Bearbeitung der von Marx 1857 verfassten Einleitung. Die redaktionelle Überschrift lautete: Einleitung zu den „Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie“[11] Gleichzeitig hieß es in der redaktionellen Einführung zum MEGA²-Band II/1.1, dass die „Grundrisse“ der erste „Rohentwurf des künftigen ‚Kapitals‘„[12] seien. Dem stand allerdings unsere Position einer Einleitung zu einem deutlich umfassenderen Werk entgegen. Die Standpunkte näherten sich in der Diskussion an.

In einer Betrachtung zur Marx-Engels-Forschung in Halle zieht Ernst Theodor Mohl zu Wendezeiten Linien von Henrik Grossmann über Fritz Behrens, Vygodskij und Kogan zur Arbeit der Gruppe in Halle.[13] Dagegen ist nichts einzuwenden, allerdings ist zu ergänzen. In die Reihe der Ideengeber und Inspiratoren ist unbedingt Roman Rosdolsky mit „Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen Kapital“ von 1968 aufzunehmen. Gerade Rosdolskys genaue Kenntnis der „Grundrisse“ hob ihn aus der Reihe anderer Interpreten hervor, wie eben auch seine Auffassung des sechsgliedrigen Aufbauplanes als zeitweiliges Arbeitsmodell von Marx zum Widerspruch reizte. Wenn eine Hypothese von Mohl zu dieser Zeit lautet, dass die „‘heimliche Hauptstadt‘ der DDR-Marx Engels-Forschung mit dem thematischen Schwerpunkt ‚Geschichte des Marxschen Kapitals‘„ Halle sei[14], so ist das wohl auch in erster Linie eine Anerkennung Jahns.

Michael Heinrich hebt 2001 hervor, dass „Wolfgang Jahns Versuch einer Rekonstruktion des 6-Bücher-Plans“[15] „ein gewaltiges Unternehmen“ gewesen sei und seine eigene Arbeit tangiert habe. „Das von Wolfgang Jahn und seiner Forschungsgruppe verfolgte Projekt einer auf die marxschen Manuskripte und Exzerpte gestützten inhaltlichen Rekonstruktion des 6-Bücher-Plans war in gewisser Hinsicht das ostdeutsche Pendant zu den westdeutschen Rekonstruktionsversuchen“ und Heinrich meint weiter, dass das Projekt bei konsequenter Verfolgung wohl mit dem „parteioffiziellen ‚Marxismus-Leninismus‘ frontal zusammenstoßen würde.“[16] Zu einer ähnlichen Wertung kommt Jan Hoff einige Jahre später: „Die wohl erstaunlichste – und, wenn man so will: faszinierendste – Beschäftigung mit dem Marxschen 6-Bücher-Plan fand in den 80er Jahren im Umkreis der MEGA²-Arbeitsgruppe innerhalb der Sektion Marxismus-Leninismus der Martin-Luther-Universität Halle/Saale statt, im Umkreis des Marxforschers Wolfgang Jahn.“[17]

Der Beginn der Marx-Engels-Forschung und Edition in Halle

Das Projekt der Rekonstruktion des sechsgliedrigen Aufbauplanes wäre ohne das stark durch die Edition geprägte Umfeld in der Forschungsgruppe nicht möglich gewesen. Vertreter der Universität Halle, u.a. Wolfgang Jahn, waren in den sechziger Jahren bereits an der Diskussion der Editionsprinzipien der MEGA² beteiligt. Als erste Universität der DDR erhielt die Martin-Luther-Universität über einen Kooperationsvertrag mit dem Institut für Marxismus-Leninismus in Berlin im Jahre 1969 konkrete Aufgaben für die Edition, aber auch für darüber hinaus gehende Bereiche: Der Vertrag enthielt die Vorbereitung und Durchführung der Edition der MEGA²-Bände II/3.3 und II/3.4; die Ausbildung von 15 Angehörigen des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Edition, auch als potentielle Mitarbeiter für das IML; die Konzentration der Universität auf die Untersuchung der Marxschen politischen Ökonomie zwischen 1850 und 1863. Der gewählte Zeitraum entsprach der Entstehungszeit der Marx-Manuskripte die in den nächsten Jahren im Rahmen der MEGA² in Angriff genommen werden sollten. Von 1971 bis zum Ende der Forschungsgruppe 1990/91 fanden dazu innerhalb der Gruppe für Studenten, Forschungsstudenten und Assistenten Seminare statt, zu den Frühschriften von Marx, den „Londoner Heften 1850-1853“, den „Grundrissen“, dem Manuskript 1861-1863 und zu allen drei Bänden des „Kapitals“.

Bis zum Jahre 1975 vollzogen sich in zweifacher Hinsicht Zäsuren in der Forschungsgruppe. Zum einen etablierten sich Mitarbeiter, die sich vollständig auf die Editionsaufgaben konzentrierten[18] und um sie herum Mitarbeiter, die zwar für spezielle Arbeiten in der Edition zur Verfügung standen, sich aber ansonsten in der Lehrtätigkeit und Marx-Engels-Forschung jenseits der Edition engagierten.[19] Bestimmend für die gesamte Existenz der Forschungsgruppe blieb damit eine enge Verbindung von Edition, Forschung und Lehre. Abhängig vom Gegenstand der bearbeiteten Manuskripte entwickelten sich darüber hinaus Kooperationen mit anderen Wissenschaftsbereichen der Universität. Seitdem etwa seit 1974 auch klar war, dass die Forschungsgruppe die „Londoner Hefte 1850-1853“ edieren würde, konnten Diplomarbeiten und Dissertationen zu diesem Themenkreis vergeben werden.

Eine zweite Zäsur war rückblickend die gemeinsame Konferenz der Forschungsgruppe im Januar 1975 mit dem Rat für Marx-Engels-Forschung der DDR, dessen Mitglied Wolfgang Jahn seit 1969 war. Jahn hielt hier eines der beiden Hauptreferate (gemeinsam mit Roland Nietzold) „Die Entwicklung der Marxschen politischen Ökonomie“. Dieser Beitrag war grundlegend für den bis 1977 entstandenen und 1978 im ersten Jahrbuch für Marx-Engels-Forschung veröffentlichten Artikel „Probleme der Entwicklung der Marxschen politischen Ökonomie im Zeitraum von 1850 bis 1863“.[20] Wolfgang Jahn entwickelte hier seine Grundsätze zur Rekonstruktion des sechsgliedrigen Aufbauplanes von Marx, die für die Forschungsgruppe eine wichtige Diskussionsgrundlage für die nächsten Jahre bildeten und die letztlich in den Plan zur gemeinsamen Monografie einmündeten.

Ein Projekt wird formuliert

Im Heft 2 der „Arbeitsblätter zur Marx-Engels-Forschung“ in Halle[21] hatte Jahn 1976 einige Aussagen zur Forschungs- und Darstellungsmethode von Marx am Beispiel der „Londoner Hefte 1850-1853“ entwickelt.[22] Der Artikel im Jahrbuch für Marx-Engels-Forschung gibt darüber hinaus eine deutlich erweiterte Begründung des Marxschen Planes: „Nach unserer Meinung geht es um die objektive Gliederung der Ökonomie der bürgerlichen Gesellschaft, nach der diese sowohl erforscht als auch dargestellt werden kann. Wir schließen uns der Auffassung Kogans an, daß es keine Anzeichen dafür gibt, daß Marx den sechsgliedrigen Aufbauplan als umfassende Gliederung der Ökonomie der bürgerlichen Gesellschaft jemals aufgegeben hat.“ Als Aufgabe der Marxforschung formuliert Jahn, die Materialien die „in den Exzerptheften, Manuskripten und Briefen“ enthalten, aber nicht in das „Kapital“ übernommen worden sind, zu sammeln. Dabei geht es „nicht nur um das Sammeln und Auswerten dieser Materialien, sondern auch um ihre Rekonstruktion und Darstellung nach dem ursprünglichen Aufbauplan.“[23] Eine besondere Rolle wies er damals, aber auch später den „Londoner Heften 1850-1853“ zu.[24] Es ging ihm um eine Rekonstruktion, die er zumindest zu dieser Zeit noch als weniger kompliziert einschätzt, als „die Frage nach der Entwicklung der inneren Gliederung des Buches vom ‚Kapital‘„.[25] Es wäre sicher interessant zu wissen, ob er diese Wertung auch noch in späteren Jahren so aufrechterhalten hätte.

Im Grunde genommen werden in diesem Beitrag bereits die Fragen deutlich, die auch in den folgenden Jahren relevant blieben. Nach der Bejahung der Frage, ob der sechsgliedrige Aufbauplan für Marx ein gültiges Instrument seiner Theorie blieb, ist natürlich zu entscheiden, was und wie rekonstruiert werden soll. Gegenüber den Herausgebern von „Gesellschaft Beiträge zur Marxschen Theorie“[26], die „mit Vorliebe die Vokabeln ‚Rekonstruktion‘ und ‚Neuorientierung‘„ benutzen, stellt Jahn die mehr als berechtigte Fragen: „Was soll rekonstruiert werden? Wogegen will man sich neu orientieren?“[27] Ein Blick auf die in der deutschen Sprache mögliche Bedeutung von „Rekonstruktion“ klärt dies nicht abschließend. Rekonstruktion kann sowohl Nachbildung, Wiederherstellung, detaillierte Erschließung und Darstellung, Umgestaltung oder auch Modernisierung bedeuten. Hinzu kommt eine speziell in der DDR übliche Bedeutung im Sinne von Ersatz oder Erneuerung.[28] In unserem Fall geht es um Arbeit mit Quellen, Annahmen und Indizien. Aber eben nicht nur. Seit der Entstehung der Marxschen Manuskripte sind viele Jahrzehnte vergangen. Nach Jahn ist es „nicht möglich, die veränderte historische Situation einfach zu ignorieren. Die neuere Literatur muß ebenso kritisch verarbeitet werden wie die historischen Erfahrungen…“[29] Deshalb werden in diesem Sinne Rekonstruktionen wohl auch stets hypothetischen Charakter haben.

In seinen bereits erwähnten Überlegungen zur Marx-Engels-Forschung in Halle meint Mohl (einer der von Jahn im Jahrbuch befragten Mitherausgeber von „Gesellschaft…“ und in den neunziger Jahren häufiger Gesprächspartner von Jahn) 1990: „ die gesamte Überlieferung Marxscher Texte im Objektbereich Kritik der politischen Ökonomie erhält damit den Status einer Primärquelle, aus der in einem Verfahren mit offenem Ausgang am Leitfaden des 6-Bücher-Planes Marx nicht rekonstruiert, sondern neu entworfen wird.“[30] Jahn selbst meint 1991: „Es können rekonstruiert werden: alle Bemerkungen zur Strukturgeschichte und ihre historisch-kritische Bearbeitung; die Sammlung und Ordnung aller Forschungsmaterialien für die konkreteren Glieder und ihre theoretische Verarbeitung; die Ordnung aller Abschweifungen zu konkreteren Themen in Werken und Entwürfen; die Untersuchung der abstrakt-allgemeinen Darstellung im Kapital auf die Erfordernisse ihrer weiteren Konkretisierung in den besonderen Gliedern des umfassenderen Werkes. Daraus ergibt sich ein Skelett, für das man mit einem gewissen Recht den Begriff Rekonstruktion gebrauchen darf.“[31]

Bei allen Unterschieden im Detail ist damit aber auch klar, dass Rekonstruktion stets vom gesamten methodischen und inhaltlichen Erbe von Marx auszugehen und dessen Weiterentwicklung zu beachten hat. In den „Grundrissen“ hält Marx z.B. wie auch in den vierziger Jahren noch an der unmittelbaren Verbindung von Weltmarkt, Krisen und der Ablösung von kapitalistischer „Produktionsweise“ und „Gesellschaftsform“ fest: „Endlich der Weltmarkt. Uebergreifen der bürgerlichen Gesellschaft über den Staat. Die Crisen. Auflösung der auf den Tauschwerth gegründeten Productionsweise und Gesellschaftsform. Reales Setzen der individuellen Arbeit als gesellschaftlicher und vice versa.“[32] Rekonstruktion des Aufbauplanes müsste in diesem Fall berücksichtigen, welche Konsequenzen sich aus der inhaltlichen Weiterentwicklung von Marx‘ Krisenauffassungen (Wirtschaftskrise, Systemkrise) und seinen Revolutionserwartungen ergeben. Jahn selbst meinte, dass Marx wohl „unterschiedliche Interpretationen“ zulässt, sofern „bestimmte Thesen“ „aus dem Zusammenhang gelöst werden“, dass er aber grundsätzlich mit seiner Theorie „die Geschichte nach vorn offen“ lässt.[33] Um sich dieser Frage der Interpretationen weiter zu nähern, schlägt er die Unterscheidung (in Analogie zu Marx‘ Kritik an Adam Smith) zwischen dem esoterischen und exoterischen Teil des Marxschen Werkes vor.[34]

Ein Vorschlag mit weitreichenden Konsequenzen für das Projekt Aufbauplan, gibt es doch dann gewissermaßen Quellen erster und zweiter Ordnung bei Marx. „In der esoterischen Darstellung läßt Marx die Gestaltung der Gesellschaft, die auf den Kapitalismus folgt, nach vorne offen“. Er entwickelt, „daß die kapitalistischen Produktionsverhältnisse erst verschwinden können, wenn ihre Möglichkeiten für die Entwicklung der Produktivkräfte erschöpft sind… Für den exoterischen Teil des Marxschen Werkes ist mehr oder weniger typisch, daß die Entwicklungsmöglichkeiten des Kapitalismus für die Produktivkräfte unterschätzt, und die Bedingungen für einen naheliegenden Übergang des Kapitalismus zum Sozialismus überschätzt werden.“[35] Heinrich sieht hier Analogien zu den Auffassungen Schumpeters, „der dem ‚Propheten‘ Marx den Wissenschaftler (Soziologen und Nationalökonomen) Marx gegenüberstellt.“[36] Dem hält er die Kritik von Backhaus entgegen, der eine Unterscheidung in esoterisch und exoterisch bei Marx deshalb nicht für möglich hält, weil es keine klare und „unversehrte“ esoterische Schicht gäbe.[37]

Sehr beachtenswert erscheint mir an dieser Stelle eine Analogie von Jahns Positionen zu Aussagen Rosdolskys aus den fünfziger Jahren. In „Wirtschaft und Arbeit“ schrieb er 1957: Marx war „ein Kind seiner Zeit… Auch in seinem System müssen wir daher Gedankengänge von verschiedener Tragweite und verschiedenem theoretischem Gewicht unterscheiden. In diesem Sinne kann man sehr wohl von einem ‚esoterischen‘ und einem ’exoterischen‘ Marx sprechen – insofern wir darunter den Unterschied zwischen der eigentlichen Theorie und den daraus abgeleiteten konkreten Schlußfolgerungen und Entwicklungsprognosen verstehen wollen… Und es ist klar, dass eine fruchtbare Anwendung der Marxschen Theorie nur möglich ist, wenn man die esoterischen und exoterischen Elemente derselben auseinanderhält, wenn man das zeitlich Bedingte und das Vergängliche vom Unvergänglichen im Marxschen System wohl zu scheiden weiß.“[38]

Im Dezember 1983, anlässlich des nunmehr vollständigen Erscheinens der Marxschen Manuskripte 1861-1863 in der MEGA², nahm Wolfgang Jahn am Internationalen Kolloquium zur Marx-Engels- Forschung „Produktivkräfte, Maschinensystem, Charakter der Arbeit, Lage der Arbeiter“ in Hannover teil. In der teilweise lebhaften Diskussion über Marx‘ soeben erschienene Manuskripte, seine technologischen und Technikexzerpte, die in Halle zur Edition vorbereitet wurden, bis hin zum Sozialismus in der DDR, hielt ihm ein Zwischenrufer entgegen, dass in einer redaktionellen Einleitung der Herausgeber der Manuskripte 1861-1863 eine zu positive Einschätzung zum Stand der Grundrententheorie von Marx zu dieser Zeit gegeben worden sei.[39] Wolfgang Jahn gab dem Fragesteller im Grunde Recht, meinte, dass die Formulierung in der Einleitung möglicherweise missverstanden und dass auch diese Frage in Zukunft zu klären sei. Und weiter: „Wir planen, in Halle aus den verschiedenen Manuskripten und Exzerpten von Marx eine Monographie zusammenzustellen, was Marx in den nicht realisierten Büchern des umfassenden sechsgliedrigen Aufbauplans darstellen wollte. Marx hat unseres Erachtens diesen Aufbauplan niemals aufgegeben, konnte ihn lediglich nicht realisieren und konzentrierte sich deshalb auf das wichtigste, das Buch vom Kapital…Das Buch von der Grundrente gehört also dazu. Dazu sind in Halle bereits einige Dissertationen vorgelegt worden bzw. werden z. Z. angefertigt, die im nächsten Fünfjahrplan in einer Gemeinschaftsmonographie zusammengefaßt werden sollen.“[40]

Vielen Anwesenden dürfte klar gewesen sein, über welche Dimension einer Rekonstruktion der Marxschen Theorie hier gesprochen wurde. Diese Rekonstruktion, so insistierte Jahn aber auch hier wieder, bedarf als ihrer Grundlage der MEGA² als vollständiger Quellenbasis. „Die Projektgruppe, der der Fragesteller angehört“ (dem Verlauf der Diskussion folgend, dürfte sich hier ein Vertreter der Projektgruppe Entwicklung des Marxschen Systems (PEM) um Joachim Bischof zur Diskussion geäußert haben)so Jahn weiter, habe sich in ihren Arbeiten interessante Gedanken „über die Struktur des Marx’schen Werkes gemacht…Der Mangel neben vielen im Grunde akzeptablen Lösungen besteht darin, daß Verallgemeinerungen auf der Grundlage einer unvollständigen Materialgrundlage getroffen werden, die zu Fehlschlüssen führten.“[41]

Dabei ging es eben nicht nur um die Auswertung der in den nächsten Jahren im Rahmen der MEGA² zu erwartenden Vielzahl von Manuskripten der II. und IV. Abteilung. Es ging vor allem um einen Denkansatz zur Rekonstruktion des Marxschen Werkes. Jahn benutzte den Begriff an dieser Stelle nicht, ob dies bewusst geschah oder nicht, bleibt ungewiss. Es war nicht seine Art über Projekte in der Öffentlichkeit zu reden, deren Realisierung unsicher schien. Insofern ist interessant zu sehen, auf welche fertigen bzw. vorbereitenden Arbeiten er sich in Hannover Ende 1983 bezog. Mit dem Zeitraum des „nächsten Fünfjahrplanes“ sprach er über die Zeit von 1986 bis 1990, also eine Zeit, die zum großen Teil nach seiner 1987 bevorstehenden Emeritierung lag.

Die bisherigen Anregungen und Motivationen für das Projekt Aufbauplan bedürfen jedoch einer wichtigen Ergänzung. Die DDR war Anfang der achtziger Jahre unübersehbar mit existentiellen wirtschaftlichen und sozialen Problemen konfrontiert. Als Jahn 1983 seine „Einführung in Marx‘ Werk ‚Das Kapital‘ Erster Band“ schrieb, notierte er in den Vorbemerkungen in Bezug auf ein notwendiges Studium von Marx im Original: „An der Quelle ist das Wasser noch rein und klar, dort kann man bis auf den Grund blicken.“[42] Möglicherweise war er mit dem Gebrauch von „ad fontes“ auch angeregt von den umfangreichen Feierlichkeiten zur Reformation (und deren Rückgriff auf die Originalquellen), die im Umfeld von Luthers Geburtstagsjubiläum 1983 an der Martin-Luther-Universität stattfanden. Auf jeden Fall erhoffte er sich jedoch aus der vollständigen Erschließung und Diskussion der Schriften von Marx und der Rekonstruktion des Aufbauplanes Grundsätzliches für die Begründung einer Politischen Ökonomie des Sozialismus. Ein zentrales Problem waren dabei Marx‘ Analyse der warenproduzierenden Arbeit und die Entwicklung von Ware, Wert und Geld.[43]

Der Plan für eine Monografie nimmt Gestalt an

Im Oktober 1985 veranstalteten wir in Halle die Konferenz „Der ursprüngliche Aufbauplan des ökonomischen Hauptwerkes von Karl Marx, seine Modifikation und Realisierung“. Neben Teilnehmern aus der DDR nahmen auch Vertreter aus der BRD, der Sowjetunion und Jugoslawien teil. Das Heft 20 der Arbeitsblätter zur Marx-Engels-Forschung enthält die wichtigsten Vorträge der Konferenz und vermittelt somit auch einen guten Überblick über den damaligen Stand unserer Arbeiten zum sechsgliedrigen Aufbauplan. Alle potentiellen Autoren (mit Ausnahme von Viola Philipp, die sich erst später zur Mitarbeit am Abschnitt zum Kapital entschloss) der geplanten Monografie sind hier bereits mit Beiträgen vertreten: Wolfgang Jahn[44], Ulrike Galander[45], Gisela Winkler[46], Marion Zimmermann[47], Gunter Willing[48], Klaus-Dieter Block[49] und Wolfgang Müller[50]. Ich selbst behielt mir ein Querschnittsthema zu Kolonialfragen vor.[51]

Die Konferenzunterlagen im Heft 20 der Arbeitsblätter zeigen aber auch noch einmal die oben erwähnte intensive Unterstützung des Projektes durch Kogan. Er ist nicht zufällig neben Günther Rudolph der einzige auswärtige Autor dieses Heftes. Sein umfangreicher Beitrag kann als Grundsatzerklärung zur Bedeutung des sechsgliedrigen Aufbauplanes und dessen Rekonstruktion gelesen werden. „Im Plan der sechs Bücher strebte Marx danach, eine wissenschaftliche Gliederung der allgemeinen Theorie des Kapitalismus zu geben.[52]…Die Methodologie des Planes der Jahre 1857-1859 erlaubt es, richtig an das Studium noch nicht gelöster Probleme der allgemeinen Theorie des Kapitalismus heranzugehen. Diese Methodologie führt erstens zum Verständnis dafür, daß viele Probleme allseitig nur bei Ausarbeitung der entsprechenden speziellen Lehre als Ganzes studiert werden können; zweitens hilft sie, den Platz dieses oder jenes Problems im System der allgemeinen Theorie des Kapitalismus aufzudecken.“[53]

Über die Konferenzmaterialien hinaus existierten bereits weitere Untersuchungen bzw. entstanden in der Folgezeit.[54] Neben Arbeiten zu methodischen Fragen[55] waren dies zum Beispiel die Abhandlungen von Wolfgang Jahn und anderer zum Kapital-Buch[56] sowie zu den darauf folgenden Untersuchungsebenen.[57]

Während der Beginn der Arbeiten am Projekt sechsgliedriger Aufbauplan in Halle nur ungefähr zu bestimmen ist, da es ein Prozeß über Jahre war, ist das Ende der Arbeiten recht genau zu bestimmen. Am 18. Mai 1989 veranstaltete die Forschungsgruppe eine Konferenz zum Thema „20 Jahre MEGA-Edition und Marx-Engels-Forschung an der Martin-Luther-Universität in Halle“. Inhaltlich stiegen wir damit in die unmittelbare Vorbereitung der Monografie zum Aufbauplan ein. Es war die Fortsetzung unserer Konferenz vom Oktober 1985. Neben Gästen aus der DDR nahmen auch Kollegen aus Japan, der Sowjetunion und der Bundesrepublik teil. Die Ergebnisse bisher von uns veranstalteter Konferenzen hatten wir danach stets in unseren Arbeitsblättern veröffentlicht. Das für die Konferenz von 1989 geplante Heft 24 konnte jedoch wegen der einsetzenden Umstrukturierungen an der Universität bereits nicht mehr erscheinen. Die dafür vorgesehenen Beiträge gingen in den Wendewirren verloren.

Im September 1989 fasste ich den sich aus der Konferenz ergebenden Stand unserer Diskussion zum sechsgliedrigen Aufbauplan in einer Konzeption zusammen. Die Überlegungen und Schriften der letzten Jahre sollten so erfasst werden, dass sie uns als gemeinsame Diskussionsgrundlage und gewissermaßen Leitfaden für die geplante Arbeit dienen konnten. Die Positionen aller neun Autoren mussten sich also widerspiegeln. Einerseits war jeder Teilnehmer für seinen Teil selbst verantwortlich, andererseits gab es den Anspruch, eine Monografie zu schreiben, deren Beiträge sich als Teile einer Gesamtkonzeption darstellten und begreifen ließen. Insofern verstand sie sich als Einheit mit den im Umfeld bereits existierenden Arbeiten, hierbei besonders mit den genannten Promotionen B.

Entscheidend für den geplanten Inhalt und die Struktur der Monografie waren die Positionen der Autoren zu Marx‘ Methode sowie gemeinsame Auffassungen zum Inhalt der Lehre vom Kapital. Im Kapitel zum Buch vom Kapital sollte die Blaupause gelegt werden für die Darstellung der folgenden Lehren. „Dieses Kapitel widmet sich der Entstehungsgeschichte des ‚Kapitals‘ in seinen 4 Bänden unter Einbeziehung der Kapitalentwürfe von 1857/58, 1861-1863 und 1863-1865. Es wird die Kategorie ‚Kapital im Allgemeinen‘ hinsichtlich ihrer Konsequenz für Kontinuität und Modifikation der Struktur des ‚Kapitals‘ und für das Kategoriensystem analysiert. Dabei muß beantwortet werden, inwieweit neue ökonomische Entdeckungen bewirkten, daß das Strukturprinzip des ‚Kapitals im Allgemeinen‘ zu eng wurde; was zum bestimmenden Prinzip des Aufbaus des ‚Kapitals‘ wurde und was nach der finalen Darstellung des ‚Kapitals‘ aus den ursprünglichen Abschnitten b, c und d wurde. (Wie aus einem Brief an Engels vom 2. April 1858 hervorgeht, nahm Marx ja eine Gliederung in vier Abschnitte vor, die er bis 1862 beibehielt: ‚a) Kapital en general…b) Die Konkurrenz…c) Kredit…d) Das Aktienkapital‘. (MEW, Bd. 29, S. 312).“[58] Eine wichtige Vorarbeit für dieses Kapitel sah Jahn in seinem Beitrag im Heft 20 der „Arbeitsblätter zur Marx-Engels-Forschung“[59]. Für ihn blieb gültig: Nach Abschluss des im „Kapital“ dargestellten ökonomischen Bewegungsgesetztes des Kapitalismus wollte Marx mit der Lehre von der Konkurrenz zu beginnen, mit der das „Kapital“ fortgesetzt werden sollte. Mit dieser Lehre sollte die Lehre von den vielen Kapitalen, das reale Kapital als Verwirklichungsbedingung des Kapitals dargestellt werden.[60] Der Schwerpunkt lag für Jahn insofern eindeutig auf der weiter gehenden Behandlung der Lehre von der Konkurrenz. Die Untersuchungen zum Kredit gehörten zum Beitrag von Wolfgang Müller innerhalb des Kapital-Buches, eine gesonderte Behandlung des Kaufmannskapitals sollte durch Viola Philipp erfolgen.

Die weiteren Abschnitte vom Grundeigentum bis zum Weltmarkt sollten gleichen Grundsätzen folgen: „Ähnlich wird bei der Behandlung der anderen Kapitalformen vorgegangen. Die folgenden Kapitel 3-5 enthalten Untersuchungsergebnisse – gewonnen insbesondere aus der Analyse der Exzerpte und unveröffentlichten Materialien von Marx, eine exponierte Stellung nehmen dabei die „Londoner Hefte 1850-1853“ ein – zum Inhalt der speziellen Lehren, die Marx in den einzelnen Büchern behandeln wollte... In den Kapiteln wird dargelegt, welche Themen den Rahmen des ‚Kapitals‘ sprengen würden und deshalb gesondert zu behandeln sind und wie zugleich alle diese Themen im ‚Kapitalbuch‘ bereits angelegt sind. Das Verhältnis von Wesen und Erscheinung, ökonomischem Bewegungsgesetz und seiner konkreten Entfaltung im Rahmen der ökonomischen Gesetze überhaupt, von Logischem, Historischem, nationalen Besonderheiten in der Kapitalismusentwicklung erfährt in jedem Kapitel besondere Beachtung.“[61]

Allen Beteiligten war klar, dass die Monografie auch nur ein Zwischenschritt für eine weitergehende Rekonstruktion des Aufbauplanes sein konnte. Mit dem Voranschreiten der MEGA²-Edition, besonders den Veröffentlichungen in der II. Abteilung zu Marx‘ Manuskripten nach 1863, war eine solche Rekonstruktion ständig zu überprüfen. Aber auch von Marx‘ Exzerpten, die er ab Ende der fünfziger Jahre bis zu seinem Tod anlegte und die in der IV. Abteilung erscheinen würden, mussten neue Anregungen ausgehen. Diese Exzerpte waren uns in der Mehrzahl lediglich im Überblick, häufig jedoch nicht im Detail bekannt. Die darin enthaltenen Fragen der Weltgeschichte, Bank- und Finanzwesen, Krisen, Grundeigentum und dessen Geschichte in den verschiedensten Gegenden, zur Rechts- oder Technikgeschichte gingen oft über ökonomische Fragen hinaus, beeinflussten jedoch unmittelbar und mittelbar Marx‘ Kritik der politischen Ökonomie. Niemand erwartete davon jedoch solche Erkenntnisse, die das Projekt grundsätzlich in Frage stellen würden.

Der Anfang vom Ende – die Abwicklungen

Ein Jahr und einen Monat nachdem wir uns auf das Konzept einer Monografie geeinigt und mit der unmittelbaren Diskussion und Niederschrift begonnen hatten, fanden wir uns im vereinigten Deutschland wieder. In dieser Zeit begannen auch die Abwicklungen. Von 550 Hochschullehrern der Universität Halle 1990 waren kurze Zeit später nur noch 80 im Amt. Die Zeit zwischen Ende 1989 und Ende 1990 war für die Marx-Engels-Forschung in Halle geprägt von der Auflösung der Sektion Marxismus-Leninismus Ende 1989 und dem damit verbundenen Verlust einer die Forschungsgruppe tragenden Struktur; dem Versuch, die Gruppe als An-Institut an das im Juni 1990 gegründete Institut für Gesellschaftskunde zu binden, bzw. später an ein Institut für Politikwissenschaft. Mit Übernahme der bundesrepublikanischen Hochschulverhältnisse gab es für die Erfolglosigkeit dieser Bemühungen eine nicht zu hinterfragende, einfache Begründung: So etwas gäbe es im Hochschulwesen der Bundesrepublik nicht. Mit jedem daran geäußertem (und durchaus begründetem) Zweifel „enttarnte“ sich der Zweifler als „gestriger Betonkopf“. Die umfangreichen nationalen und internationalen Proteste gegen die Abwicklung bewirkten nichts. Der auf dem Konzil der Universität im April 1990 gewählte neue Nach-Wende Rektor bat mich dafür zu sorgen, dass die Flut der Protestbriefe aufhören möge, da dadurch die Arbeit des Rektorats beeinträchtigt sei.

Jürgen Rohjahn beschreibt die damalige Situation durchaus treffend: „Vor der ‚Wende‘ hatten einige zig Mitarbeiter des IMLB (mit „B“ ist Berlin gemeint - E.G.) an der MEGA gearbeitet. Ferner hatte es MEGA-Gruppen an der AdW (gemeint ist die Akademie der Wissenschaften der DDR-E.G.), an der Humboldt-Universität, an den Universitäten in Leipzig, Halle und Jena sowie an der Pädagogischen Hochschule Erfurt/Mühlhausen gegeben. Die MEGA-Gruppe am IMLM (mit „M“ ist Moskau gemeint - E.G.) hatte ca. 40 Mitarbeiter gezählt.“[62] Interessant sind auch die Struktur und die Größenverhältnisse der hier erwähnten Gruppen. Wenn wir davon ausgehen, dass zur Wende etwa 40 MEGA-Bände erschienen waren, so entfielen davon 13 Bände, also etwa ein Drittel, auf die Bearbeiter in Moskau. Die in der DDR erstellten Bände wurden ca. zur Hälfte am IML und zur weiteren Hälfte von den Kooperationspartnern im Hochschulbereich bearbeitet. Kurz gesagt, die Editionskapazitäten der MEGA verteilten sich zur Wende etwa zu je einem Drittel auf die IML in Moskau, in Berlin und auf die Partner im Hochschulwesen der DDR. Von diesem letzten Drittel verfügte die Universität in Halle wiederum etwa über die Hälfte.

Erstaunt stellt Rohjahn zur Geschwindigkeit der zur Wende ablaufenden Zusammenbruchprozesse fest: „Zwei Jahre nach der ‚Wende‘ war von all dem nur noch wenig übrig. Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Herbst 1990 wurden die vorhandenen MEGA-Gruppen in den neuen Bundesländern ‚abgewickelt‘„.[63] Dass dies nicht im Interesse der im Gründungsprozess befindlichen Internationalen Marx- Engels-Stiftung (IMES) liegen konnte war klar. Im Protokoll der Sitzung ihrer Gründungsmitglieder (IISG Amsterdam, Marx Haus Trier, IML Moskau, ADW der DDR) vom 21./22. Mai 1990 in Amsterdam wird ja auch gefordert: Die Fortführung der Arbeit an der MEGA muss die bisherigen Arbeitsgruppen in Moskau und der DDR berücksichtigen, es „sollen weitest möglich die von diesen Arbeitsgruppen gesammelten Erfahrungen und Kenntnisse genutzt werden. Diese Arbeitsgruppen sind für das Editionsunternehmen unverzichtbar.“[64]

Die Gruppen des Hochschulwesens aber befanden sich zu dieser Zeit im freien Fall. Aufgeschlagen waren sie jedoch noch nicht. Am Horizont schien sich ein Hoffnungsschimmer abzuzeichnen. Im April 1990 hatten sich fünfzig Mitarbeiter der Marx-Engels-Abteilung des ehemaligen IML in der MEGA-Stiftung Berlin e.V. zusammengeschlossen. Am 13. Juni 1990 überwies der PDS–Vorstand dem Verein 55 Mio Mark der DDR, die zur Währungsunion am 1. Juli auf 27,5 Mio D-Mark umgestellt wurden. Aufgabe des Vereins sollte die Bewahrung und kritische Edition der Werke von Marx und Engels sein und dies in Kooperation mit der IMES. Der Verein „eröffnete per 1. Oktober 1990 eine Arbeitsstelle für Marx-Engels-Forschung und -Edition. 40 Mitarbeiter, sämtlich zuvor auch schon an der Edition tätig, wurden eingestellt.“ Der Verein „verfügte über das wissenschaftliche, finanzielle und materielle Potential, um beträchtliche Auftragsarbeiten der IMES wahrnehmen zu können“.[65] Die Einstellung von 40 Mitarbeitern war angesichts verbreiteter sozialer Ängste sehr verständlich, die Relation zum Stiftungsvermögen und hinsichtlich der zu erwartenden Preis- und Lohnsteigerungen jedoch kühn. Überlegungen und Forderungen zur Einbeziehung von Mitarbeitern aus dem Hochschulwesen in die Stiftung erübrigten sich bald. Die Unabhängige Kommission zur Überprüfung der Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR hatte ein Einsehen. Sie konfiszierte im Februar 1991das Stiftungsvermögen der MEGA-Stiftung Berlin e.V. und beugte so ostdeutschen Verteilungskämpfen vor.

Es zeugt von der Nervenstärke vieler Mitarbeiter der Gruppe, dass der damals bearbeitete dritte Teil der „Londoner Hefte 1850-1853“ im MEGA²-Band IV/9 termingerecht 1990 beim Verlag abgeliefert wurde. Die Mehrzahl der Autoren der Monografie war auch an der Bearbeitung des Bandes beteiligt. Als er 1991 erschien, waren sie bereits nicht mehr an der Universität. Die Bände IV/10 (damals bereits weitgehend fertig bearbeitet) und IV/11 (entziffert, mit vielen Vorarbeiten[66]), die die weiteren Exzerpte der „Londoner Hefte 1850-1853“ beinhalten, werden wohl bis zur Mitte des nächsten Jahrzehntes gedruckt vorliegen.

Ende ohne Abschluss

Die Arbeiten am sechsgliedrigen Aufbauplan als gemeinsames Vorhaben der Gruppe in Halle wurden im Laufe des ersten Halbjahres 1990 beendet. Die Veranstaltung der AG Marx-Engels-Forschung beim IMSF am 9. und 10. Juni 1990 in Frankfurt und der dortige Versuch einer Bestandsaufnahme zum „Rekonstruktionsversuch des sechsgliedrigen Aufbauplanes“[67] waren insofern auch der Schlusspunkt unter unser Projekt. Die Wirren der Wende an der Universität, die termin- und qualitätsgerechte Fertigstellung des Bandes IV/9 und die individuelle Existenzsicherung ergaben jenseits davon ein ausfüllendes Beschäftigungsprogramm.

Die Diskussionen, die bis dahin stattgefunden hatten und die vorliegenden Publikationen, offenbarten jedoch grundsätzliche Schwerpunkte und weitergehende Problemstellungen. Die dahinter stehende und sich daraus für die Darstellung der Theorie ergebende Frage war, wie aus der im Kapital-Buch dargestellten Kernstruktur des Kapitals die konkreteren Kategorien der folgenden Untersuchungsebenen entwickelt werden könnten. Sie kristallisierte sich nun immer mehr als zentrales Problem heraus: Ist dieses Prinzip zwischen den sechs Stufen des Aufbauplanes durchzuhalten und ist es auch innerhalb der einzelnen Stufen das strukturierende Prinzip? Ulrike Galander fasste dies in der Frankfurter Diskussion zusammen: „Es rankt sich doch alles um das Problem herum, wie stelle ich das organische Ganze in der logischen Abfolge dar, welche Vermittlungsglieder kann ich finden, wie kann sich aus dem Einfachen – das Marx ja in den ‚Grundrissen‘ erst am Ende findet, in Gestalt der Ware als Ausgangspunkt – das Ganze entfalten?“[68]

Auch bei Marx deutete sich dies bereits in mancherlei Hinsicht an. In der Einleitung von 1857 liegt z.B. seiner Untersuchung der inneren Gliederung der bürgerlichen Gesellschaft die Reihenfolge „Capital, Lohnarbeit, Grundeigenthum“[69] zu Grunde. Die öffentliche Bekanntgabe seines Projektes 1859 zeigt interessante Unterschiede: „Kapital, Grundeigenthum, Lohnarbeit; Staat, auswärtiger Handel, Weltmarkt“[70] Lohnarbeit und Grundeigentum haben also die Positionen getauscht und zwischen der dritten (Lohnarbeit) und vierten (Staat) Untersuchungsebene setzt Marx ein Semikolon, unterscheidet insofern qualitativ zwischen den Ebenen eins bis drei und vier bis sechs. Die Begründung für die nunmehrige und bleibende Reihenfolge der ersten drei Ebenen, deren Übergänge, „dialektisch“ und „historisch“, liefert Marx im Brief an Engels im April 1858.[71] Marion Zimmermann vollzieht diese Argumente umfassend nach und stimmt ihnen zu.[72] Sie kommt zu dem Schluss: „In den großen Übergängen vom Kapital zum Grundeigentum und zur Lohnarbeit schließt sich der Kreis in der Entwicklung des Widerspruchs zwischen Kapital und Lohnarbeit“.[73] Gleiches gilt jedoch nicht, wie Willing meinte, für die folgenden Ebenen. „Da reicht es eben nicht, wenn ich vom Abstrakten zum Konkreten aufsteige und versuche, die Kategorien logisch voneinander abzuleiten. Dann sind wirklich auch Brüche da. Zum Beispiel die Brüche zum Staatsbuch hin. Das kann ich so nicht ableiten.“[74]

In seinen Untersuchungen der Lehre vom Staat schrieb Willing bereits 1989, dass Marx „im Zusammenhang mit dem Staat“ Kategorien wieder aufnimmt, die er schon zuvor bei Kapital, Grundeigentum und Lohnarbeit behandelt hat. „Hier wird schon ein Problem bei Rekonstruktion des Marxschen ökonomischen Hauptwerkes evident: Die Kategorien sind nicht streng voneinander zu trennen. Sie haben strukturell ‚einen langen Arm‘. So reflektiert sich die Idee der Wechselwirkung und gegenseitigen Abhängigkeit der ökonomischen Prozesse und Erscheinungen.“[75] Diese Frage stand für das Verhältnis der sechs Untersuchungsebenen untereinander, aber auch innerhalb der Ebenen. Bezüglich der zu Tage getretenen Probleme fasste Ulrike Galander zusammen: Diese werden noch deutlicher, „wenn wir uns dem Buch vom Staat zuwenden. Da wurde uns klar, daß die Ableitungen die im ‚Kapital‘ auf dieser Abstraktionsebene noch so fantastisch gehen, mit dem Buch vom Staat überhaupt nicht zu machen sind. Unsere ursprüngliche Vorstellung, dieses Prinzip des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten sowohl innerhalb des Aufbaus der sechs Bücher als auch innerhalb der einzelnen Bücher klassisch nachzuvollziehen, scheiterte einfach an dem Inhalt.“[76] Und nachdem Zimmermann vergeblich versucht hatte, für das Buch von der Lohnarbeit eine Anfangskategorie (keine Ausgangskategorie, wie sie betonte) zu finden, stellte sie fest: „Ich halte nichts davon, das Thema Lohnarbeit in irgendeiner Struktur darzustellen.“ Gleichwohl bejahte sie jedoch, wie die anderen Autoren auch, den wissenschaftlichen Wert einer gesonderten Untersuchung der von Marx aufgezeigten Analyse-Ebenen, da „im ‚Kapital‘ eine ganze Reihe von Inhalten zu diesem Thema verloren geht. Sie sind angedeutet. Es ist alles in Embryonalform vorhanden, aber es gehen Inhalte verloren.“[77] Diese Fragen und ihre differenzierte Betrachtung in der Gruppe sprengte zwar nicht das Vorhaben einer gemeinsamen Publikation, wohl aber den ursprünglichen Anspruch, alle Beiträge als Teile einer Gesamtkonzeption zu verfassen.

Letztlich befanden wir uns 1990 auf einer Position, die Wolfgang Jahn drei Jahre zuvor angedeutet hatte und die auch heute noch als Aufgabe steht: „Es finden sich bis ins hohe Alter hinein Verweise, daß Marx nach wie vor die Ausarbeitung von selbständigen Lehren plante, zu denen neben der Lehre von der Konkurrenz und vom Kredit auch die Themen gehören sollten, die ursprünglich für die Bücher 2-6 vorgesehen waren, wobei dahingestellt sei, ob das noch in der Reihenfolge der Bücher geschehen sollte.“[78] Zu ergänzen bleibt hier lediglich, dass auch die Reihenfolge der innerhalb der Bücher zu behandelnden Kategorien nicht endgültig entschieden ist.

[1] Wenn nicht anders vermerkt, ist bei den folgenden Betrachtungen die weitere an der Universität existierende kleinere Gruppe um Karl-Heinz Leidigkeit, die u.a. den MEGA²-Band I/18 zu verantworten hatte, nicht berücksichtigt.

[2] Zum Inhalt des Kolloquiums siehe: In memoriam Wolfgang Jahn. Der ganze Marx. Alles Verfasste veröffentlichen, erforschen und den ‚ungeschriebenen‘ Marx rekonstruieren. Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition e.V., Wissenschaftliche Mitteilungen Heft 1., Berlin 2002.

[3] Siehe Ernst Theodor Mohl: Ein Reisebericht. In: In memoriam…, a.a.O., S. 13-32.

[4] Siehe Michael Heinrich: Der 6-Bücher-Plan und der Aufbau des Kapital. Diskontinuierliches in Marx‘ theoretischer Entwicklung. In. In memoriam…, a.a.O., S.92-101.

[5] Siehe Ehrenfried Galander: Wolfgang Jahns Forschungen zum Sechs-Bände-Plan. In: In memoriam…, a.a.O., S. 7-12.

[6] In der Literatur finden sich zu diesem Projekt von Marx auch andere Bezeichnungen wie Sechs-Bände-Plan, 6-Bücher-Plan, sechsstufiger Plan etc. Ein Ergebnis unserer Überlegungen in Halle war die Verwendung des Begriffes sechsgliedriger Aufbauplan. Damit wird nicht suggeriert, dass es Marx unbedingt um die Niederschrift von sechs Büchern oder Bänden ging, sondern um eine Analyse der bürgerlichen Gesellschaft auf den verschiedenen Abstraktionsebenen Kapital-Grundeigentum-Lohnarbeit-Staat-Außenhandel-Weltmarkt. – Marion Zimmermann argumentiert dazu: Die Genesis des Buchs von der Lohnarbeit. Phil.-Diss. (Promotion B) Halle 1986, besonders S. 82.

[7] Um nicht missverstanden zu werden, Wolfgang Jahn hätte nie akzeptiert, dass ein solches Heft anlässlich seines Geburtstages erscheint. Initiiert wurde das Heft durch die Forschungsgruppe. Der verantwortliche Redakteur Heinz Abend hatte viele kunstvolle Winkelzüge zu vollbringen, um das Heft sozusagen im Untergrund fertig zu stellen. Dazu gehörte auch das Geleitwort von Vitalij Vygodskij.

[8] Vitalij Vygodskij: Zur Erarbeitung der Struktur der ökonomischen Theorie durch Marx in den Jahren 1859-61. Zum Geleit. In: Arbeitsblätter zur Marx-Engels-Forschung Heft 14, Halle 1982, S. 5.

[9] Siehe auch Ljudmila Vasina: Wolfgang Jahn und Vitalij Vygodskij-Freunde und MEGA-Forscher. In: In memoriam…, a.a.O., S. 67-80.

[10] Siehe dazu die Hefte 3,4 und 5 der Arbeitsblätter zur Marx-Engels-Forschung. Halle 1977 und 1978 (im Folgenden: Arbeitsblätter).

[11] Siehe MEGA² II/1.1, S. 17.

[12] Siehe ebenda, S. 14*.

[13] Ernst Theodor Mohl: Zur Marx-Forschung in Halle. In: Naturwissenschaften und Produktivkräfte bei Marx und Engels. Marx-Engels-Forschung Heute 3 (IMSF Hrg.), Frankfurt /M. 1991, S. 124f.

[14] Ebenda, S. 118.

[15] Michael Heinrich: Der 6-Bücher-Plan…, a.a.O., S. 94.

[16] Ebenda, S. 93/94.

[17] Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Berlin 2009, S. 258.

[18] Die Anzahl schwankte zwischen 4 und 6 MitarbeiterInnen.

[19] Einen guten Einblick dazu vermitteln z. B. die Editorischen Hinweise zu den MEGA²-Bänden IV/7 bis IV/9, wo zwischen den Bearbeitern und den zeitweilig Beteiligten der Gruppe unterschieden wird.

[20] Wolfgang Jahn/Roland Nietzold: Probleme der Entwicklung der Marxschen politischen Ökonomie im Zeitraum von 1850 bis 1863. In: Marx-Engels-Jahrbuch 1, Berlin 1978.

[21] Zwischen 1976 und 1988 erschienen insgesamt 23 Hefte der Arbeitsblätter.

[22] Wolfgang Jahn/Klaus Fricke: Marx‘ Londoner Exzerpthefte von 1850 bis 1853. In: Arbeitsblätter …, Heft 2, 1976, S. 60-78.

[23] Wolfgang Jahn/Roland Nietzold: Probleme…, a.a.O., S.166/167.

[24] Wolfgang Jahn/Klaus Fricke: Marx‘ Londoner Exzerpthefte 1850-1853. A.a.O. Wolfgang Jahn: Der heuristische Wert der Londoner Exzerpte 1850-1853 von Karl Marx. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung Heft 21, Berlin 1987.

[25] Wolfgang Jahn/Roland Nietzold: Probleme…, a.a.O., S. 167f.

[26] Siehe Gesellschaft. Beiträge zur Marxschen Theorie 1, Frankfurt/Main 1974.

[27] Ebenda, S. 148.

[28] Siehe Sabine Schröter: Die Sprache der DDR im Spiegel ihrer Literatur. Band 2, Berlin/New York 1994, S. 115f.

[29] Wolfgang Jahn: Ist Das Kapital ein Torso? Über Sinn und Unsinn einer Rekonstruktion des „6-Bücherplanes“ von Karl Marx. In: Dialektik 3/1992, S. 132.

[30] Ernst Theodor Mohl: Zur Marx-Forschung in Halle, a.a.O., S. 126.

[31] Wolfgang Jahn: Ist Das Kapital…, a.a.O., S. 131.

[32] Karl Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. In: MEGA² II/1.1, S. 187.

[33] Wolfgang Jahn: Ist Das Kapital …, a.a.O., S. 132f.

[34] Ebenda.

[35] Wolfgang Jahn: Die Problemantinomie in der Entwicklung von Ware, Wert und Geld zwischen dem esoterischen und exoterischen Werk von Marx und die Folgen. In: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Heft 7, Frankfurt/Main 1991, S. 143f.

[36] Michael Heinrich: Esoterisch/exoterisch. In: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus Bd. 3., 2. Auflage Berlin 1998, Spalte 845.

[37] Ebenda, Spalte 846.

[38] Roman Rosdolsky: Der esoterische und der exoterische Marx. Zur kritischen Würdigung der Marxschen Lohntheorie. 1. Vorbemerkung. In: Arbeit und Wirtschaft.11. Jahrgang, Nr. 11, Wien, 1. November 1957, S. 348.

[39] Neues aus der MEGA. Produktivkräfte, Maschinensystem, Charakter der Arbeit, Lage der Arbeiter. Internationales Kolloquium. Hannover 10. Dezember 1983. Hrsg. Marx-Engels-Stiftung, Wuppertal o. J. (1984), S. 39.

[40] Ebenda, S. 40.

[41] Ebenda.

[42] Wolfgang Jahn: Einführung in Marx‘ Werk „Das Kapital“, Berlin 1983, S. 5.

[43] Siehe dazu Wolfgang Jahn: Die Problemantinomie …, a.a.O., S. 141-148.

[44] Wolfgang Jahn: Zur Entwicklung der Struktur des geplanten ökonomischen Hauptwerkes von Karl Marx. In: Arbeitsblätter …, Heft 20, Halle 1986, S. 6-44.

[45] Ulrike Galander: Methodologische Probleme des Aufbauplanes des ökonomischen Hauptwerkes von Karl Marx, ebenda, S. 45-55.

[46] Gisela Winkler: Zu einigen Aspekten des Buches vom Grundeigentum, ebenda, S. 81-92.

[47] Marion Zimmermann: Einige Überlegungen zum Buch über die Lohnarbeit, ebenda, S. 93-103.

[48] Gunter Willing: Einige Bemerkungen zur Materialgrundlage des Buches vom Staat, ebenda, S. 104-115.

[49] Klaus-Dieter Block: Der Außenhandel und der Weltmarkt in den Aufbauplänen von Karl Marx, ebenda, S. 116-127.

[50] Wolfgang Müller: Zur Entwicklung der Marxschen Kredittheorie und ihrer Einordnung in die Struktur des Marxschen Hauptwerkes, ebenda, S. 139-147.

[51] Ehrenfried Galander: Zu einigen Fragen von Marx‘ Beschäftigung mit Kolonien im Rahmen seines sechsgliedrigen Aufbauplanes, ebenda, S. 131- 138.

[52] Albert Kogan: Zur Frage der Methodologie des Planes der sechs Bücher von Karl Marx, ebenda, S. 58.

[53] Ebenda, S. 72f.

[54] Siehe dazu auch Wolfgang Jahn: Ist Das Kapital …a.a.O., S. 136f.

[55] Siehe u.a. Wolfgang Jahn/Dietrich Noske: Fragen der Entwicklung der Forschungsmethode von Karl Marx in den Londoner Exzerptheften von 1850-1853. In: Arbeitsblätter …, Heft 7, Halle 1979. Wolfgang Jahn/Dietrich Noske: Ist das Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten die wissenschaftlich richtige Methode? Ebenda, Heft 11, Halle 1980. Ulrike Galander: Zur Genese des Marxschen Verständnisses der Dialektik von Logischem und Historischem in der Entwicklung seiner politischen Ökonomie. Phil.-Diss. (Promotion B), Halle 1984. Ulrike Galander: Marx‘ Untersuchung des ökonomischen Bewegungsgesetzes der kapitalistischen Gesellschaft und deren Bedeutung für eine umfassende Gesellschaftsanalyse. In: Marx-Engels-Jahrbuch 13, S. 55-75, Berlin 1991.

[56] Neben bereits erwähnten Arbeiten sind dies z.B. Wolfgang Jahn: Kritische Anmerkungen zu: „Zum Verständnis des 10. Kapitels vom Band III des ‚Kapitals‘ in der werttheoretischen Diskussion“ von Johann Köhler. In: Arbeitsblätter …, Heft 21, Halle 1986. Ders., Die Stellung der beiden Grundformen der Konkurrenz in der Struktur des „Kapitals“ und die spezielle Lehre von der Konkurrenz. Zur Diskussion der Begriffe Marktwert, Marktpreis, Produktionspreis (Marktproduktionspreis). In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung Heft 25, Berlin 1988. Ware, Wert, Geld und Sozialismus. Ders., Die Problemantinomie …, a.a.O.. Klaus-Dieter Neumann: Das Verhältnis von Monopol und Konkurrenz in der Herausbildung und Entwicklung der marxistischen politischen Ökonomie (1844-1863). Phil.-Diss. Halle 1976. Gunter Willing: Zu Problemen des Studiums der Kredittheorie und Kreditpolitik des englischen Staates von Karl Marx (1844-1853), Phil.-Diss. 1983.

[57] Gisela Jeruzel (Winkler): Die Entstehung und Entwicklung der Marxschen Grundrententheorie. Phil.-Diss., Halle 1973. Günther Rudolph: Anmerkungen zu den Ausführungen von Gisela Winkler über das von Marx geplante „Buch vom Grundeigentum“. In: Arbeitsblätter …, Heft 20, Halle 1986; Marion Zimmermann: Die Genesis des Buchs von der Lohnarbeit. Phil.-Diss. (Promotion B), Halle 1986. Die Funktion und der Platz des Arbeitslohns als Erscheinungsform des Warenwerts der Arbeitskraft in der Struktur des „Kapitals“. In: Arbeitsblätter …, Heft 22, Halle 1988; Gunter Willing: Zur Genesis des von Marx geplanten Buches „Vom Staat“. Phil.-Diss. (Promotion B), Halle 1989; Klaus-Dieter Block: Karl Marx zur Weltmarktbewegung des Kapitals. Phil.-Diss. (Promotion B), Halle 1987. Zur Herausbildung der Marxschen Theorie der internationalen Wirtschaftsbeziehungen in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. In: Arbeitsblätter …, Heft 19, Halle 1986. Klaus-Dieter Block/ Ehrenfried Galander: Zur inhaltlichen und methodologischen Einordnung der Kolonien in die Marxsche politische Ökonomie. Marx-Engels Jahrbuch 12, S. 252-272, Berlin 1988.

[58] Konzeption zur Monografie Der sechsgliedrige Aufbauplan der „Kritik der politischen Ökonomie“ von Karl Marx, Halle 1989, S. 10.

[59] Siehe Wolfgang Jahn: Zur Entwicklung der Struktur …, a.a.O., S. 27-44. Ob und in welcher Form die Konkurrenz als konstituierendes Prinzip für die weitere Darstellung handlungsleitend bleibt, wurde innerhalb der Autoren durchaus kontrovers gesehen.

[60] Siehe Konzeption zur Monografie…, a.a.O., S. 11.

[61] Ebenda, S. 13.

[62] Jürgen Rojahn: Die Fortführung der Marx-Engels-Gesamtausgabe als internationales Projekt. In: Jahrbuch der historischen Forschung 1996 (www.iisg.nl/publications/mega-'97.pdf S. 4).

[63] Ebenda.

[64] Protokoll der Sitzung, 22. Mai 1990, S. 3.

[65] Carl-Erich Vollgraf: Zuerst die Nr. 349 im Vereinsregister – dann unbekannt; zunächst wohlbetucht, dann auf Spenden aus: Das launische Schicksal des Vereins „MEGA-STIFTUNG Berlin e.V.“ im deutschen Vereinigungsprozeß. Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. NF 1991, Berlin 1991, S. 196.

[66] Siehe z.B. Wolfgang Rein: Die Indien-Exzerpte im Heft XXII der „Londoner Hefte 1850-1853“ von Karl Marx. Phil.-Diss., Halle 1988. Ute Werther: Die französischsprachigen Exzerpte in den „Londoner Heften 1850-1853“ von Karl Marx (Hefte XVI-XXI). Phil.-Diss., Halle 1988.

[67] Siehe Marx-Engels-Forschung heute 3, a.a.O., Frankfurt/Main 1991, S. 130-146.

[68] Diskussionsbeitrag von Ulrike Galander, ebenda, S. 138.

[69] Karl Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/58. Teil 1. In:MEGA² II/1.1, Berlin 1976, S. 43.

[70] Karl Marx: Zur Kritik der politischen Ökonomie. Vorwort. In: MEGA² II/2, S. 99.

[71] Marx an Engels, 2. April 1858. In: MEW Bd. 29, S. 312.

[72] Siehe Marion Zimmermann: Einige Überlegungen zum Buch über die Lohnarbeit, a.a.O., S. 66-70.

[73] Ebenda, S. 70.

[74] Diskussionsbeitrag von Gunter Willing. In: Marx-Engels-Forschung heute 3, a.a.O., S. 144.

[75] Gunter Willing: Zur Genesis des von Marx geplanten Buches „Vom Staat“, a.a.O., S. 149.

[76] Diskussionsbeitrag von Ulrike Galander. In: Marx-Engels- Forschung heute 3, a.a.O. S. 139.

[77] Diskussionsbeitrag von Marion Zimmermann. In: Marx-Engels-Forschung heute 3, a.a.O., S. 141.

[78] Wolfgang Jahn: Die „Londoner Hefte 1850-1853“ in der Entwicklung der politischen Ökonomie von Karl Marx. In: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 12, I/1987. Frankfurt/Main 1987, S. 161/162.

Dieser Artikel ist erschienen in Z. Nr. 115, September 2018