Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 107, September 2016 - http://zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/topic/134.ausgabe-107-september-2016.html

Historizität und Messbarkeit der abstrakten Arbeit

Klaus Müller

Problemstellung

Der Unterschied zwischen konkreter und abstrakter Arbeit ist der „Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht“ (MEW 23:56). Er ist Voraussetzung, die Physiologie der kapitalistischen Produktionsweise zu verstehen. Die Grundlage für den Zusammenhang der ökonomischen Kategorien ist die Bestimmung des Werts durch die Arbeitszeit. „Davon geht Ricardo aus und zwingt nun die Wissenschaft, ihren bisherigen Schlendrian zu verlassen, und sich Rechenschaft darüber abzulegen, wieweit die übrigen … Kategorien ... Formen dieser Grundlage, dem Ausgangspunkt entsprechen oder widersprechen ...“ (MEW 26.2: 161). Ricardo erklärt alle ökonomischen Erscheinungen auf der Grundlage des Arbeitswerts, „selbst diejenigen, welche im ersten Augenblick ihr zu widersprechen scheinen, wie die Rente, die Akkumulation der Kapitalien und das Verhältnis der Löhne zu den Profiten. Gerade das ist es, was seine Lehre zu einem wissenschaftlichen System macht …“ (MEW 4: 81f). Doch wie die Merkantilisten und Smith erkennt er das Zwieschlächtige der Arbeit nicht, betrachtet sie nur in ihrer konkreten Form, unhistorisch, nicht spezifisch gesellschaftlich. Profit, Zins, Rente, Unternehmergewinn kann nur verstehen, wer verstanden hat, was Mehrwert ist. Mehrwert kann nur verstehen, wer begriffen hat, was der Wert ist. Und Wert kann nur verstehen, wer zwischen konkreter und abstrakter Arbeit zu unterscheiden weiß. Die Autoren der in die Jahre gekommenen „Neuen Marxlektüre“ werfen dem „Staats- und Parteimarxismus“ vor, die Marxsche Lehre vulgarisiert zu haben. Und stellen Grundlegendes zur Disposition: den Doppelcharakter der Ware und der Waren produzierenden Arbeit, den Inhalt und Begriff der abstrakten Arbeit, die Wertgröße, die Wertformenanalyse, den Zusammenhang zwischen Wert und dem Geld ... Die Diskussion, könnte man denken, lohne nicht. Sachlich ausgetragen, kann sie aber nützlich sein.

Zu einigen scheinbar geklärten, erneut diskutierten Fragen, will ich mich äußern:

- Was sind Inhalt der abstrakten und konkreten Arbeit und der Unterschied zwischen ihnen?

- Ist abstrakte Arbeit eine physiologische oder eine gesellschaftlich-historische Kategorie?

- Kann abstrakte Arbeit gemessen werden oder nur konkrete?

- Welche Bedeutung hat die abstrakte Arbeit für die Geldtheorie?

Der Unterschied zwischen konkreter und abstrakter Arbeit

Die Warenproduktion ist Arbeits-, Wertbildungs- und Verwertungsprozess (zum Unterschied der beiden letzten: MEW 23:209). Der Zweiseitigkeit des Prozesses entspricht die Dualität seines Resultats: Die Ware – das Produkt, das für den Austausch produziert und gegen andere Produkte ausgetauscht wird (MEW 23: 49, 55) – ist Gebrauchswert und besitzt Wert. Der Gebrauchswert ist die Nützlichkeit des Dings. Sie zeigt sich im Gebrauch bzw. in der Konsumtion (MEW 23:50). Die Ware tauscht sich in einem bestimmten Verhältnis mit anderen Waren. Dieses wechselt mit Zeit und Ort. Die Proportion ist der Tauschwert, z. B. 1 Kasten Pils = 3 kg Butter. 1 Kasten Pils ist 3 kg Butter wert. 3 kg Butter sind der Tauschwert eines Kasten Pils. Wie kommt es zu dieser Relation? Warum ist ein Kasten Pils nicht 2 oder 4 kg Butter wert? Wir sehen davon ab, dass die Relation auch etwas mit dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage zu tun hat. Wir unterstellen die Gleichheit von Angebot und Nachfrage. Dann lautet die Frage: Wie kommen Tauschrelationen zustande, wenn sich Angebot und Nachfrage decken und daher die Relation nicht begründen können? Offenbar ist der Tauschwert „die ‚Erscheinungsform’ eines von ihm unterscheidbaren Gehalts“ (MEW 23:51). Das Genie des Aristoteles, der zwischen dem Gebrauchswert und dem Tauschwert unterscheidet, „glänzt gerade darin, daß er im Wertausdruck der Waren ein Gleichheitsverhältnis entdeckt. Nur die historische Schranke der Gesellschaft, worin er lebte, verhindert ihn herauszufinden, worin denn 'in Wahrheit' dies Gleichheitsverhältnis besteht“ (MEW 23:74). Wenn wir von den unterschiedlichen zweckdienlichen Eigenschaften der Waren absehen, wird das ihnen Gemeinsame sichtbar: dass zu ihrer Produktion „menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Substanz sind sie Werte – Warenwerte“ (MEW 23:52). Der Wert ist das in den Waren enthaltene Quantum Arbeit. Er ist verborgen unter einer dinglichen Hülle, erscheint als Tauschverhältnis, als Verhältnis zweier Gebrauchswerte. Ein Kasten Pils ist im Beispiel 3kg Butter wert, weil beide Warenmengen in der gleichen (gesellschaftlich notwendigen) Arbeitszeit produziert werden. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist die, in der irgendein Gebrauchswert „mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit” erzeugt wird (MEW23: 53). Der Wert ist mehr als ein gewisses Quantum Arbeit. Er ist ein Verhältnis, das die privaten Produzenten in der Produktion eingehen, ein Produktionsverhältnis, das an der Oberfläche der Märkte als ein Verhältnis von Sachen erscheint. In allen Wirtschaftsordnungen, in denen Produkte als Waren produziert werden, bedarf es des Wertes als Tauschgrundlage. Die Marktpreise weichen in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage vom Wert ab. Sind Angebot und Nachfrage gleich, ist der Preis – der Preis im Gleichgewicht – korrekter Ausdruck des Wertes. „Im Prinzip gibt es keinen Austausch von Produkten, sondern einen Austausch von Arbeiten, die zur Produktion zusammenwirken“ (MEW 4: 104). Und: „Indem sie ihre verschiedenartigen Produkte einander im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiednen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich. Sie wissen es nicht, aber sie tun es“ (MEW 23: 88). Die privaten Arbeiten der Produzenten müssen sich als „Glieder der Gesamtarbeit“ erweisen. Sie tun es, indem sie ein bestimmtes gesellschaftliches Bedürfnis befriedigen.

Marx fand es sonderbar, „daß den Ökonomen ohne Ausnahme das Einfache entging, daß wenn die Ware das Doppelte von Gebrauchswert und Tauschwert, auch die in der Ware dargestellte Arbeit Doppelcharakter besitzen muß“ (MEW 32: 11). Jeder Warenproduzent leistet zweckgebundene, konkrete Arbeit: Der Schmied formt das Eisen, der Bäcker bäckt Brot, der Fleischer füllt Därme, der Glasbläser formt das Glas, der Maler streicht Wände. Konkrete Arbeit unterscheidet sich im Hinblick auf ihren Zweck, die verwendeten Werkzeuge, die Verfahren und ihre Ergebnisse. Sie bringt verschiedene Gebrauchswerte hervor: Hufeisen, Bismarck-Eichen, Leberwürste, gläserne Kugeln, bemalte Zimmerwände.

Sehen wir von der Bestimmtheit der konkreten Arbeiten ab, bleibt, dass sie alle Verausgabung menschlicher Arbeitskraft sind. Schneidern, Weben, Häuser bauen, Autos montieren, Bockwürste herstellen, Radieschen säen, obgleich qualitativ verschieden, besitzen die gleiche physiologische Grundlage: Sie sind eine produktive Verausgabung und Beanspruchung von Hirn, Muskel, Nerven, Geisteskraft, Hand usw. (MEW 23: 56ff.). Die Arbeit, die von allen konkreten Formen und Inhalten abstrahiert, ist Arbeit schlechthin, allgemeine Arbeit. In der Warenproduktion wird sie zur abstrakten Arbeit. Damit die Waren als Gebrauchswerte quantitative Verhältnisse untereinander eingehen können, muß von ihren Gebrauchswerten und damit vom konkreten Inhalt der Arbeiten abstrahiert werden. „Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.“ (MEW 23: 61) Ökonomen, die mit dieser Abstraktion ihre Schwierigkeiten haben, lehnen die Arbeitswerttheorie ab. „Die Marxsche Werttheorie hat sich als nicht haltbar erwiesen.“ Dies sagen nicht nur die Gegner des großen Kritikers der Politischen Ökonomie, sondern auch die neuen Herausgeber der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). In ihrer von Bertram Schefold verfaßten Einführung zum dritten Band des „Kapital“ schreiben sie, ihnen sei „rätselhaft, wie man an der Vorstellung, die Arbeit als abstrakte bestimme den Wert der Waren, festhalten will.“ Das Beharren auf der Wertlehre habe Marx an analytischen Fortschritten gehindert. (MEGA II/15: 898f., 910) Wer die Arbeitswerttheorie ablehnt, schlägt der marxistischen Ökonomie den Boden unter den Füßen weg. Dass ausgerechnet die MEGA-Editoren dies tun, könnte daraus resultieren, dass ihnen der Unterschied zwischen der konkreten und der abstrakten Arbeit nicht aufgegangen ist. Wie sonst können sie behaupten, „das Gleichsetzen von einer Stunde Nähen und einer Stunde Hämmern ist ebenso rätselhaft wie die Gleichsetzung eines Hemds und angenagelter Hufeisen als Ergebnis des Beschlagens eines Pferdes“ (Schefold 2008: 41f.). Hemd und Hufeisen sind ungleich als Gebrauchswerte. Sie sind gleich, weil sie Produkte menschlicher Arbeit sind, egal, worin diese Arbeit konkret besteht. Wem die Unterscheidung zwischen abstrakter und konkreter Arbeit merkwürdig vorkommt, versteht den Dualismus von Produktion, Arbeit und deren Ergebnis nicht. Arbeit kann er/sie sich nur konkret vorstellen. Das Allgemeine im Besonderen bleibt diesen Leuten verborgen. Doch das Nebeneinander von konkreter und abstrakter Arbeit ist keineswegs hypothetisch: Der Fleischer, der Schweine schlachtet, der Betonbauer, der Mauern errichtet und die Krankenpflegerin, die Patienten umbettet, müssen, so unterschiedlich ihre konkreten Tätigkeiten und deren Ergebnisse sind, ihre Arbeiten unter Einsatz von Körper- und Geisteskraft ausführen. Vielleicht geraten sie dabei sogar ins Schwitzen und kriegen einen Muskelkater. Sie benötigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, um ihren Job auszuüben. Arbeit ist mit geistiger Anstrengung verbunden. Bei der Aufstellung eines Bauplanes ist sie größer als bei der Beobachtung einer Schafherde. Marx erklärt, was er unter dem physiologischen Inhalt der abstrakten Arbeit versteht, und nennt diese eine „gemeinschaftlich gesellschaftliche Substanz“ (MEW 23/52). Reitter findet dies merkwürdig, glaubt, die abstrakte Arbeit sei so Resultat einer bloßen Gedankenabstraktion.[1] Wertbildende Arbeit ist nicht in dem Sinne abstrakte Arbeit, dass sie nur etwas gedanklich Vorgestelltes, etwas Fiktives, ist. Ihr abstrakter Charakter besteht darin, dass sie von den Besonderheiten der unterschiedlichen konkreten Arten menschlicher Arbeit abstrahiert.

Abstrakte Arbeit – eine physiologische oder eine gesellschaftlich-historische Kategorie?

Heinrich sagt, dass im Begriff der abstrakten Arbeit sich zwei nicht miteinander vereinbarende Konzepte überkreuzten: ein ‚gesellschaftliches’ ... werde von einem ‚naturalistischen’ ... überlagert.[2] Doch die beiden Konzepte sind sehr wohl miteinander vereinbar. Arbeit ist Verausgabung von Muskel, Nerv und Hirn, egal ob in der urgemeinschaftlichen Sippe, in der Sklavenhaltergesellschaft, im Feudalismus, Kapitalismus oder Sozialismus. Arbeit in diesem allgemeinen, „naturalistischen“ Sinn wird unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen zur abstrakten Arbeit. Die abstrakte Arbeit kann nicht auf ihre physiologische Grundlage reduziert werden. Sonst hätte sie es immer gegeben. Abstrakte Arbeit wäre eine ahistorische, natürliche, übergesellschaftliche Eigenschaft der Arbeit und – das wäre die Konsequenz – erzeuge in allen Epochen der Wirtschaftsgeschichte Wert.

Dieser physiologische Arbeitsbegriff, die „Fehldeutung der abstrakten Arbeit als Verausgabung von Muskel, Nerv und Gehirn“, behauptet Reitter, sei ein „Mosaikstein für jenen wirklichkeitsfernen Schematismus, der als DIAMAT die Lehrbücher des Stalinismus und Poststalinismus füllte“.[3] Ich kenne kein sowjetisches oder DDR-Lehrbuch der Politischen Ökonomie, deren Autoren die abstrakte Arbeit nur physiologisch sehen. Alle heben ihren gesellschaftlich-historischen Inhalt hervor. Die physiologische Gemeinsamkeit der unterschiedlichen menschlichen Arbeiten wird erst zur ökonomischen Kategorie der abstrakten Arbeit, wo die Menschen ihre Produkte als Waren produzieren. Und das ist nicht erst im Kapitalismus so. Die Produkte haben nicht nur Gebrauchswert, sondern auch Wert, auf dessen Basis sie getauscht werden. Ohne Warenproduktion gibt es keinen Wert, der sich als Tauschwert äußert. Und wo es keinen Wert gibt, existiert auch keine abstrakte Arbeit. So sahen es Marx und der „Offizialmarxismus“. Ruben und Wagner widersprachen der offiziellen Deutung und bekamen in der DDR Schwierigkeiten. (Ruben, Wagner 1980) Dabei sind ihre Argumente durchaus begründet, sofern man die abstrakte Arbeit mit ihrem physiologischen Gehalt identifiziert. Arbeit, in welchen konkreten Formen auch immer, ist nach Marx ewige Naturbedingung des menschlichen Lebens, ist allen gesellschaftlichen Formen seit dem Neolithikum eigen. Und sie ist verbunden mit Anstrengungen, geistigen und körperlichen. Darin unterscheidet sich der Steinzeitmensch, der vor 100.000 Jahren das Mammut jagte, nicht vom Fließbandarbeiter bei VW. So könnte man der Meinung sein, dass es einen Wert auch ohne Ware gibt. Wert existiere unabhängig von jeglicher Warenproduktion. Diese These lag außerhalb des marxistischen Mainstreams. Eine von den SED-Oberen initiierte Widerspruchskampagne hatte zum Ziel, die beiden einer Abkehr von der reinen Lehre zu bezichtigen. Nur, ob Ruben – der später in Auseinandersetzung mit Peter Fleissner eigenartige Auffassungen vertritt[4] – und Wagner in der Sache Recht hatten, ist damit nicht gesagt. Ich hatte ihnen zugestimmt (Müller 2015: 58), will daran hier anknüpfen und meinen Standpunkt präzisieren. Für die Existenz des Wertes außerhalb der Warenproduktion spricht neben der physiologischen Bestimmung der Arbeit, dass das Arbeitszeitpotenzial, über das eine Gemeinschaft verfügt, auf die Bedürfnisse und Produktarten aufgeteilt werden muss. Dies gilt für jegliche Produktion: „Gemeinschaftliche Produktion vorausgesetzt, bleibt die Zeitbestimmung natürlich wesentlich … Ebenso muß die Gesellschaft ihre Zeit zweckmäßig einteilen, um eine ihren Gesamtbedürfnissen gemäße Produktion zu erzielen … Ökonomie der Zeit, sowohl wie planmäßige Verteilung der Arbeitszeit auf die verschiednen Zweige der Produktion, bleibt also erstes ökonomisches Gesetz auf Grundlage der gemeinschaftlichen Produktion“ (MEW 42: 89). Das würde auch gelten für eine sozialistische Wirtschaft, die sich einige Autoren nur ohne Markt, Ware und Wertkategorien vorstellen können. Wie viel Arbeitszeit für das einzelne Produkt benötigt wird, hängt ab von der „normalen“ Produktivität. Aus der Multiplikation dieser Größe mit der Bedarfs- bzw. gewünschten Menge ergibt sich die Arbeitszeit, die die Gemeinschaft insgesamt für das Produkt aufwenden darf. Werden eine willkürliche Produktion und Aufteilung der gesellschaftlichen Arbeitszeit auf die Herstellung der unterschiedlichen Produkte ausgeschlossen, muss man einsehen, dass auch in nicht Waren produzierenden Ordnungen eine gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit für die einzelnen Produkte existiert. Das, und nicht einfach der physiologische Kern der abstrakten Arbeit, spricht für die Auffassung Rubens und Wagners, dass es eine gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit auch in Gemeinschaften gibt, die ihre Produkte nicht als Waren produzieren. Aber warum sollte man die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit außerhalb der Warenproduktion „Wert“ und die dort verausgabte allgemeine Arbeit „abstrakt“ nennen? Dagegen spricht nicht viel und doch Bedeutsames: „Abstrakte Arbeit“ und „Wert“ sind Begriffe, mit denen wir die Warenproduktion charakterisieren. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit in Waren produzierenden Gesellschaften ist die quantitative Seite des Wertes. Ruben und Wagner sagen, jede Ware sei immer auch Wert, aber nicht jeder Wert sei Ware. Es verhält sich anders: Wert ist stets gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, aber nicht jede gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Wert. Sie ist es nur dort, wo Produkte Waren sind. Wo Produkte keine Waren sind, ist sie es nicht. Abstrakte Arbeit ist eine physiologische und historisch-gesellschaftliche Kategorie. Erst die Einheit dieser beiden Seiten macht die allgemein menschliche Arbeit zur abstrakten und damit zur wertbildenden Arbeit. Wie groß aber die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit für die Herstellung eines Produkts ist, bleibt wichtig auch für denkbare nachkapitalistische Ordnungen, in denen Produkte nicht als Waren erzeugt werden und folglich keinen Wert besitzen.

Abstrakte Arbeit und Wert – messbar?

Abstrakte Arbeit bildet Wert. Sie ist die Substanz des Wertes. Werte zu messen bedeutet, abstrakte Arbeit zu messen. Lässt sich die Menge der in einer Ware enthaltenen abstrakten Arbeit nicht feststellen, dann kann auch kein Wert gemessen werden. Einige Ökonomen sagen, abstrakte Arbeit könne nicht gemessen werden, weil sie „keine gegenständliche arbeitsausübende Tätigkeit sei“, sondern eine gesellschaftliche Kategorie, „etwas Immaterielles“. Abstrakte Arbeit sei ein gesellschaftliches Verhältnis und ein solches Verhältnis könne nicht verausgabt werden. (Heinrich 2006: 218) „Abstrakte Arbeit ist keine Sorte Arbeit, die man verausgaben oder mit der man etwas messen“ könne.[5] Man könne immer nur die konkrete Arbeit messen. Reitter sagt, eine Messung abstrakter Arbeit könne es nicht geben, weil „die tatsächlich geleistete Arbeitszeit und die wertbestimmende Arbeitszeit theoretisch wie praktisch niemals übereinstimmen“ (könnten). „Bei der abstrakten Arbeit wird nicht nur vom konkreten Inhalt, sondern auch von der Zeitdauer abstrahiert. Also, eine Stunde Schneiderarbeit ergibt keineswegs eine Stunde Verausgabung von Muskel, Nerv und Gehirn, sondern eine unbestimmte Zeitdauer, die niemand, weder vor, während, noch nach der Produktion ausrechnen oder bestimmen kann. Die Rede, abstrakte Arbeit sei bar jeden Inhalts bloß mit der Uhr messbar, ist völlig irreführend und falsch.“[6] Erstens stimmt das nicht. Die Übereinstimmung liegt vor, wenn die individuelle Arbeit unter den „gesellschaftlich normalen Bedingungen“ geleistet wird. Das mag Zufall sein, aber darauf kommt es nicht an, denn zweitens ist die übliche Nichtidentität von individueller und gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit kein Beweis, dass die letzte prinzipiell nicht gemessen werden könnte. Warum sollte die individuelle Arbeitszeit des einzelnen Produzenten, nicht aber die gesellschaftlich notwendige gemessen werden können? Welche Arbeitszeit ist gesellschaftlich notwendig und wie kommt es zu Abweichungen zwischen ihr und den individuellen Arbeitszeiten? „Ich denke“, sagt Harvey, „bis heute ist das für uns die große Frage“. Marx zeige, „dass der Wert bestimmt wird von einem Prozess, den wir nicht verstehen … und dass die Art, wie sich diese Werte uns aufzwingen, erst noch entschlüsselt werden muss.“ (Harvey 2011: 32)

Unter privatkapitalistischen Eigentumsverhältnissen kann sich die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit erst nachträglich im Austausch zeigen. Dies hat zu zwei prinzipiellen Fehlschlüssen geführt: 1. Der Wert entstehe erst im Austausch. 2. Er sei nicht messbar. Ihn „auszurechnen ... ist ein Rechenkunststück, dass immer nur der Rechenmeister Markt vollbringen kann. Es gibt keine andere Methode, den richtigen, d.h. der Gleichgewichtslage entsprechenden Preis ...zu bestimmen als die marktwirtschaftliche; wir können diese Größen nicht irgendwie mathematisch-statistisch im voraus berechnen, sondern nur hinterher konstatieren, nachdem der „Markt“ seine Schuldigkeit getan hat“ (Röpke 1944: 59). Für den Kapitalismus ist das richtig, sollte uns aber nicht davon abhalten, die Frage grundsätzlicher zu stellen. Der Marxsche Wertbegriff besitzt vier Elemente: Der Wert ist erstens ein Produktionsverhältnis, das die privaten Warenproduzenten in der arbeitsteiligen Produktion (nicht erst im Austausch!) objektiv eingehen. Seine Substanz (Qualität) ist zweitens die abstrakte Arbeit, sein Maß (Quantität) drittens die Menge an dieser Substanz, die gesellschaftlich notwendige abstrakte Arbeit. Gemessen wird diese in Zeit, kurz: gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Über ihre Größe wird in der Produktion entschieden. Der Wert einer Ware kann sich nicht als Arbeitszeit selbst darstellen, sondern bedarf dazu einer anderen Ware. Die Form, in der er erscheint, ist viertens der Tauschwert (Erscheinungsform des Wertes). Auch wenn er erst im Austausch erscheinen kann, heißt das nicht, der Wert entstünde dort. Er ist vorher nur nicht bekannt. Der Produzent kennt seine individuelle Arbeitszeit, die gesellschaftlich notwendige kennt er nicht. Auch sein Tauschinteressent weiß nicht, wie viel gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit in einem Kasten Pils „steckt“. Beide wissen nur, dass dieser 3 kg Butter wert ist.

Es scheint, als könne man ein Verhältnis zwischen Menschen nicht messen. Welche Dimension soll dieses Verhältnis haben? Wir müssen die vier Wertelemente als eine Einheit sehen. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist die Quantifizierung des Produktionsverhältnisses. Diese Größe besagt, wie viel Arbeitszeit der Produzent in einer gemeinschaftlichen, arbeitsteiligen Produktion für seine Waren aufwenden und damit von der der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Gesamtarbeitszeit beanspruchen darf. „Daß jede Nation verrecken würde, die, ich will nicht sagen für ein Jahr, sondern für ein paar Wochen die Arbeit einstellte, weiß jedes Kind. Ebenso weiß es, daß die den verschiednen Bedürfnismassen entsprechenden Massen von Produkten verschiedne und quantitativ bestimmte Massen der gesellschaftlichen Gesamtarbeit erheischen. Daß diese Notwendigkeit der Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit in bestimmten Proportionen durchaus nicht durch die bestimmte Form der gesellschaftlichen Produktion aufgehoben [wird], sondern nur ihre Erscheinungsweise ändern kann, ist self-evident. Naturgesetze können überhaupt nicht aufgehoben werden. Was sich in historisch verschiednen Zuständen ändern kann, ist nur die Form, worin jene Gesetze sich durchsetzen. Und die Form, worin sich diese proportionelle Verteilung der Arbeit durchsetzt in einem Gesellschaftszustand, worin der Zusammenhang der gesellschaftlichen Arbeit sich als Privataustausch der individuellen Arbeitsprodukte geltend macht, ist eben der Tauschwert dieser Produkte“ (MEW 32: 552f.). Die proportionale Verteilung der Arbeit ist bei vergesellschafteter Produktion eine immerwährende Aufgabe, auch in einer nachkapitalistischen Ordnung, die vielleicht keine Warenproduktion mehr ist.

Lässt sich die Arbeitszeit nur für konkrete Arbeiten, nicht aber für abstrakte Arbeiten ermitteln? Die Größe des Wertes wird gemessen „durch das Quantum der in ihm enthaltenen ‚wertbildenden Substanz’, der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer ...“ (MEW 23: 53). Wer drei Stunden konkrete Arbeit leistet (malt, mauert, schaufelt, Brot bäckt …), leistet in dieser Zeit auch abstrakte Arbeit, d.h. er strengt Hirn, Muskeln, Nerven an, und zwar drei Stunden lang. Der Wert hat eine Größe, besitzt eine Dimension, die Arbeitszeit. Wer meint, diese könne nicht gemessen werden, muss offenbar glauben, Sekunden, Minuten oder Stunden ließen sich nicht ermitteln und zusammenzählen. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit gibt an, wie viel Zeit im gesellschaftlichen Durchschnitt die Produzenten für die Produktion ihrer Waren aufwenden. „Es ist selbstverständlich, daß das normale Produkt zweitägiger oder zweistündiger Arbeit doppelt soviel wert ist wie das, was normalerweise das Erzeugnis eintägiger oder einstündiger Arbeit ist“ (Smith 1776/1976: 62). „Wenn die in den Gegenständen enthaltene Arbeitsmenge ihren Tauschwert bestimmt, dann muß jede Vergrößerung des Arbeitsquantums den Wert des Gegenstandes, für den es verwendet wurde, erhöhen, ebenso wie jede Verminderung ihn senken muß“ (Ricardo 1817/1959: 12). Der Auffassung, bei der abstrakten Arbeit abstrahiere man von der Zeitdauer, folglich könne man sie nicht messen, waren die Klassiker der Politischen Ökonomie und Marx nicht. Gesellschaftlich notwendige Zeit ist messbar wie jede Zeit: in Stunden, Minuten, Sekunden...

Dass unter privatkapitalistischen Bedingungen die Wertgröße unbekannt ist, sich für sie niemand interessiert und der Wert nur nachträglich auf dem gleichgewichtigen Markt festgestellt werden kann – sind Angebot und Nachfrage ungleich, weichen die Marktpreise vom Wert ab –, ändert daran nichts. Wollte jemand versuchen, den Wert vorher zu bestimmen: privates Eigentum, daraus entspringende Interessenkonflikte, das Fehlen zentraler Rechen- und Koordinierungsstellen, begrenzte rechentechnische Speicher- und Verarbeitungskapazitäten und daraus resultierende Schwierigkeiten der Gewinnung und Verarbeitung von Informationen verhinderten es. Die Wertmessung scheitert an praktischen Hürden. Dies beweist nicht, dass Wert grundsätzlich nicht gemessen werden könnte. Die Methodik ist bekannt und die technischen Möglichkeiten dafür sind im Zeitalter moderner Kommunikation besser als je zuvor.

Die Frage ist nicht, ob, sondern wie abstrakte Arbeit und Wert zu messen sind. Zur Beantwortung dieser Frage knüpfen wir an Hinweisen an, die Marx gab. Erstens ist, wie bereits gesagt, gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit jene, die unter der normalen, d.h. der dominierenden Produktivität und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit anfällt (MEW 23: 53), genauer jene, die zur Reproduktion der Ware erforderlich ist, wovon hier abgesehen wird. (MEW 25: 150) Zweitens müsse der Wert und dessen Größe aus der Sicht des Gesamtsystems abgeleitet werden. Die Bedürfnisse der Menschen und technisch-organisatorische Beziehungen zwischen den Zweigen und Arten der Güterproduktion erzwingen unabhängig davon, ob und wem dies bewußt ist, eine proportionale Verteilung der Gesamtarbeitszeit. Der Wert hat mit der Proportionalität einer Volkswirtschaft zu tun. „Es ist in der That das Gesetz des Werths, wie es sich geltend macht, nicht in Bezug auf die einzelnen Waaren oder Artikel, sondern auf die jedesmaligen Gesammtprodukte der besondren, durch die Theilung der Arbeit verselbständigten gesellschaftlichen Produktionssphären, so daß nicht nur auf jede einzelne Waare nur die nothwendige Arbeitszeit verwandt ist, sondern daß von der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit nur das nöthige proportionelle Quantum in den verschiednen Gruppen verwandt ist. Denn Bedingung bleibt der Gebrauchswerth.“ (MEGA II/15: 623; MEW 25: 648) „Das Ganze verkauft sich daher nur, als ob es in der nothwendigen Proportion producirt wäre.“ (MEGA II/15: 624; MEW 25: 649) Wer Werte begründen will, muß Proportionen begründen. Diesen Gedanken äußert Marx auch im ersten Band des „Kapital“ (MEW 23: 89).

Eine Ware entsteht, indem Arbeitskräfte in einer bestimmten Arbeitszeit mit Hilfe von Arbeitsmitteln – Maschinen, Anlagen, Werkzeuge usw. – Arbeitsgegenstände (Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe) ver- bzw. bearbeiten. Bei der Bestimmung der Wertgröße beachten wir, dass der zu bearbeitende Gegenstand bis zum Finalerzeugnis mehrere Stufen der Produktion durchläuft. Zur Herstellung der benötigten Arbeitsmittel (AM) und der Arbeitsgegenstände (AG) ist Arbeit oder Arbeitszeit erforderlich. „Der Werth der Waare ist bestimmt durch die Gesammt-Arbeitszeit, vergangne und lebendige, die in sie eingeht“ (MEGA II/15: 257; MEW 25: 271). Direkte und indirekte Arbeitszeit ergeben zusammen die volle Arbeitszeit pro Produkt. Werden die „normalen“ Produktionsbedingungen zugrunde gelegt, entspricht diese der Wertgröße. An anderer Stelle habe ich gezeigt, wie mit Hilfe eines Gleichungssystems diese Größe prinzipiell ermittelt werden kann, vorausgesetzt, die dazu benötigten Informationen sind bekannt und ihre riesige Zahl kann rechentechnisch bewältigt werden (Müller 2015: 64-72; Müller 2014: 215-230). Dieses Modell beruht auf physischen Produktionsbeziehungen, beschränkt sich aber nicht wie Ricardos Korn- und Sraffas Gebrauchswertmodelle darauf, sondern unterstellt, dass die gesellschaftlichen Produktivitäten bei der Herstellung der einzelnen Waren bekannt sind. Bekannt ist also nicht nur, um ein Beispiel zu nennen, wie viel Stoff und Arbeitszeit eine Näherin benötigt, um ein Kleid bestimmter Größe und Zuschnitts zu fertigen, sondern auch wie viel Arbeitzeit benötigt wird, um den für das Kleid benötigten Stoff und die Nähmaschine herzustellen. Wir nehmen an, dass diese Angaben für alle Produkte bekannt sind. Mit Hilfe eines Gleichungssystems können wir die vollen Arbeitszeitquanta bestimmen, die jeweils in einer Einheit aller Arbeitsmittel, Arbeitsgegenstände und Konsumtionsmittel enthalten sind. Diese vollen Arbeitskoeffizienten entsprechen der Wertgröße. Diese ist gleich dem Reziprokum der Arbeitsproduktivität (AP): Arbeitskoeffizient = Wertgröße = Volle Arbeitszeitmenge/Ausbringungsmenge = 1/AP. Dies gilt selbstverständlich auch für eine Warenproduktion unter sozialistischen Bedingungen. Selbst wenn Produkte nicht als Waren produziert werden, somit kein Wert existiert, blieben Arbeitsproduktivität und ihr Reziprokum wichtige Steuerungsgrößen.

Das Wertgesetz besagt, dass sich die Waren tauschen im Verhältnis der in ihnen enthaltenen gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeitquanten. Es reguliert die Produktion, sichert, dass Produktionsmittel und Arbeitskräfte in der richtigen Menge und Zusammensetzung auf die Produktionszweige verteilt werden. Der Äquivalentenaustausch ist das ökonomische Gesetz, das Rationelle, zu dem die kapitalistische Reproduktion tendiert. Die kapitalistische Produktion verläuft anarchisch und spontan. „Der Austausch oder Verkauf der Waaren zu ihrem Werth ist das Rationelle, das natürliche Gesetz ihres Gleichgewichts; von ihm ausgehend, sind die Abweichungen zu erklären, nicht umgekehrt aus den Abweichungen das Gesetz selbst“ (MEGA II/15: 187; MEW 25: 197). Die Abweichung der Preise vom Wert ist die Regel, deren Übereinstimmung ist kurzfristig eine zufällige Episode, langfristig das sich tendenziell Behauptende. „Der Preis unterscheidet sich also vom Wert, nicht nur wie der Nominelle vom Realen; nicht nur durch die Denomination in Gold und Silber, sondern dadurch, daß der letztre als Gesetz der Bewegungen erscheint, die der erstre durchläuft“ (MEW 42: 56). Ein Auf und Ab, beständiges Entfernen der Preise vom Wert und ein ständiges Annähern, Bewegungen, die sich korrigieren, weil die Gegenkräfte um so stärker wirken, je größer die Abweichungen vom Gesetz sind. Die Übereinstimmung der Tauschraten mit den gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeitquanten kann nur annähernd gegeben sein, wie die Verwirklichung des Mendel’schen Gesetzes in der Natur. Der Austausch zu Werten ist eine Tendenz. Es ist nicht leicht zu verstehen: Das Wertgesetz setzt sich durch, indem es verletzt wird. Wir müssen statistisch statt mechanisch denken, ähnlich wie z.B. in der Physik bei der Halbwertszeit der Elemente: jedes einzelne Atom scheint seinen eigenen Dickkopf zu haben, aber alle zusammen gehorchen brav dem statistischen Gesetz. Der Austausch zu Werten sichert, dass die gesellschaftliche Gesamtarbeitszeit so auf die Sektoren der Produktion aufgeteilt wird, dass die Reproduktion friktionslos gewährleistet wird. „Aber diese Verteilung erfolgt nicht ex ante, nicht bewußt und geplant, sondern ex post, als Reaktion auf Signale aus der Sphäre des Austauschs – des einzigen Punktes, wo die Warenakteure … in Kontakt mit anderen Individuen treten.“ (Nyikos 2010: 91) Die Werte bestimmen die Relationen, in denen sich Produkte tauschen, hinter dem Rücken der Warenproduzenten. Denen erscheinen die Tauschverhältnisse zufällig und rätselhaft. Marktpreise schwanken in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage um den (Markt)wert und fallen mit ihm zusammen, wenn das Angebot gleich der Nachfrage ist. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, ist der Preis höher als der Wert. Das Angebot steigt, indem die dominierenden Produktionsbedingungen stärker genutzt werden, a) durch die bisherigen Produzenten mit dem größten Marktanteil und der dominierenden Produktivität oder/und b) durch hinzukommende Produzenten, die mit der dominierenden Produktivität produzieren. Das Angebot wird an die höhere Nachfrage herangeführt. Wird der Angebots-Zuwachs mit der bisherigen Produktivität erbracht, ändert sich die Wertgröße nicht. Der Preis sinkt auf den Wert. Ist die Nachfrage kleiner als das Angebot, ist der Preis niedriger als der Wert. Das Angebot sinkt, Kapazitäten werden nicht mehr in voller Höhe genutzt. Die gesunkene Menge wird mit der bisher dominierenden Produktivität hergestellt. Der Preis steigt durch die Angebotsreduktion auf die unveränderte Wertgröße.

Untersuchungen zur Messung der abstrakten Arbeit bzw. der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit sind bedeutsam auch für eine sozialistische Wirtschaft. Für eine sozialistische Marktwirtschaft ohnehin, weil es da definitionsgemäß Waren und Wert gibt. Aber auch für den Sozialismus ohne Markt und Wertformen. Deren wichtigstes Merkmal besteht darin, dass die individuelle Arbeitszeit von vornherein gesellschaftlich notwendig ist. Im Sozialismus muss die gesellschaftlich Arbeitszeit auf der Grundlage des Bedarfs und der Produktivität proportional auf die Produktherstellung verteilt werden. Um dies tun zu können, muss man sie kennen. Um sie zu kennen, muss man sie berechnen. Um sie zu berechnen, muss man wissen, wie. Die technischen Voraussetzungen, um das Problem praktisch zu lösen, sind heute so gut wie nie zuvor: modernste Informations- und Kommunikationstechnik, Stücklisten, Rezepturen, Geschwindigkeiten technischer Prozesse usw. sind bekannt. Riesige Datenmengen können in großen komplexen Software-Programmen verarbeitet werden. Erfahrungen in den „realsozialistischen“ Ländern zeigen: mit zentralistischen Vorgaben und der Festlegung willkürlicher Planpreise, die dem Wert entsprechen sollen, ist es nicht getan. Nur wenn wir die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit vor der Produktion ermitteln können, entfällt die Notwendigkeit, sie nachträglich durch spontane Marktprozesse suchen zu lassen. Ein Gleichungssystem zeigt, wie der Weg prinzipiell aussehen muss, um das Problem zu lösen. Dabei ist so manches ungelöst: die Reduktion komplizierter auf einfache Arbeit, die Festlegung gesellschaftlicher Normen bei unterschiedlicher Ausstattung mit Produktionsmitteln u.ä. Bei der Bestimmung der Wertgröße müssen wir beachten, dass die Arbeiten sich im Hinblick auf ihren Schwierigkeitsgrad unterscheiden. Die konkreten Arbeiten stellen unterschiedlich hohe Anforderungen an die körperlichen und geistigen Kräfte des Produzenten. Wir unterscheiden zwischen einfachen und komplizierten Arbeiten. „Menschliche Arbeit ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder gewöhnliche Mensch ohne besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt.“ (MEW 23: 59) Einfache Arbeit kann jeder leisten. „Komplizierte Arbeit gilt nur als potenzierte oder multiplizierte einfache Arbeit, so daß ein kleineres Quantum komplizierter Arbeit gleich einem größeren Quantum einfacher Arbeit. Eine Ware mag das Produkt der kompliziertesten Arbeit sein, ihr Wert setzt sie dem Produkt einfacher Arbeit gleich und stellt daher selbst nur ein bestimmtes Quantum einfacher Arbeit dar.“ (MEW 23: 59) Um komplizierte Arbeit handelt es sich, wenn mit ihr hohe nervliche Belastungen, Entscheidungskompetenzen und Pflichten verbunden sind, die eine besondere Qualifikation und Erfahrungen erfordern. In acht Stunden einfacher Arbeit entsteht ein geringerer Wert als in acht Stunden komplizierter Arbeit. Wie groß die Unterschiede sind, ist ein schwieriges Problem. Es ist klar, dass komplizierte Arbeit mehr Vorarbeit – durch Lernen und Üben – verschlungen hat als einfache. Die Sache hat auch eine andere Seite. Eagleton zitiert Albert: „Der Arzt, der in einer ansprechenden Umgebung einer angenehmen und befriedigenden Beschäftigung nachgeht, verdient mehr als ein Fließbandarbeiter, der in einem Höllenlärm unter Gefahr für Leib und Leben eine langweilige und entwürdigende Tätigkeit ausführt“ und fügt hinzu: „Es spricht einiges dafür, Menschen, die langweilige, schwere, schmutzige oder gefährliche Arbeit leisten, mehr als beispielsweise Ärzten und Hochschullehrern zu bezahlen, deren Arbeit weit angenehmer ist. Ein Gutteil dieser schmutzigen und gefährlichen Arbeit könnte vielleicht von ehemaligen Mitgliedern des englischen Königshauses verrichtet werden.“ (Eagleton 2012: 41f.) Weder legt jemand fest, was komplizierte und was einfache Arbeit ist, noch ermittelt jemand, aus wie viel Einheiten einfacher Arbeit eine Einheit komplizierter Arbeit besteht. Diese Reduktion ist nach Marx ein gesellschaftlicher Prozess, der sich hinter dem Rücken der Produzenten vollzieht. Und sie ist ein historischer Prozess. Was einst komplizierte Arbeit war, kann unter fortgeschrittenen Verhältnissen als einfache gelten. Mit dem Rechenschieber fällt z.B. viel Rechenarbeit fort, und jeder kann ihn schnell bedienen lernen; mit dem Computer für den gleichen Zweck vereinfacht und verkürzt sich die gleiche Arbeitsaufgabe noch mehr. Marx unterstellt bei seinen Ausführungen einfache Arbeit, erspart sich damit die Mühe der Reduktion. Untaugliche Versuche, nach der Oktoberrevolution in der Sowjetunion das Geld – das als ein Rudiment des Kapitalismus betrachtet wurde – abzuschaffen und es durch eine „Arbeitsverrechnungseinheit“ zu ersetzen, waren damit verbunden gewesen, Richtlinien für die Reduzierung komplizierter Arbeit auf einfache Arbeit zu erarbeiten. (Bogomasow 1975: 99). Darauf soll hier nicht eingegangen werden.

Abstrakte Arbeit und Geld

Die Ware ist eine Einheit von Gegensätzen: Gebrauchswert und Wert. Der in ihr verborgene Wert kann nur im Austausch mit einer anderen Ware ausgedrückt und gemessen werden. Die Form, in der der Wert erscheint, nennt Marx Wertform. Die älteste Erscheinungsform des Wertes ist die einfache oder zufällige Wertform. Es gibt noch wenige Waren. Eine Warenart drückt ihren Wert zufällig in einer beliebigen anderen Ware aus, z.B. 1 Beil = 10 kg Korn. In dieser ersten Wertform verbirgt sich das Wesen aller folgenden Wertformen, auch der Geldform, mit der die Jahrtausende währende Entstehung des Geldes abschließt. Geldform des Wertes bedeutet, dass der Wert aller Waren nur noch in einer einzigen Ware einheitlich ausgedrückt wird, der Geldware. Diese Rolle übernehmen im 3. Jahrtausend v.u.Z. Gold und Silber. Mit ihr wird der innere Widerspruch zwischen Gebrauchswert und Wert einer Ware zum äußeren Widerspruch: Die Ware verdoppelt sich in Ware und Geld (MEW 23: 102). Der Wert tritt in Form des Geldes neben die Ware. (MEW 42: 63). Der mit Geld ausgedrückte Tauschwert ist der Preis (MEW 42: 104). In der Gleichung 1 Beil = 10 kg Korn steht das Beil in der relativen Wertform. Die in relativer Wertform stehende Ware sucht etwas, womit sie ihren Wert ausdrücken kann. 10 kg Korn stehen in der Äquivalentform. Korn dient als Wertausdruck für das Beil. Wie muss man die Gleichung x Ware A = y Ware B (1Beil = 10 kg Korn, 1 Kasten Pils = 3 kg Butter) lesen? Lassen wir die Quantitäten unbeachtet, erhalten wir die Gleichungen Ware A = Ware B, Beil = Korn, Pils = Butter. Dass diese Ausdrücke nicht richtig sein können, muss man nicht erklären. Dinge aufgrund ihrer unterschiedlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften gleichzusetzen, ist absurd. In den Ausdrücken werden unterschiedliche Waren gleichgesetzt, weil sie durch Verausgabung abstrakter Arbeit entstanden sind, und zwar durch jeweils gleiche Mengen dieser Arbeit. Die in Äquivalentform stehende Ware nimmt den Platz ein, der später dem Geld zufällt. Die Wesensmerkmale des späteren Geldes sind erkennbar:

- Der Gebrauchswert der in Äquivalentform stehenden Ware (Korn) wird zur Form, in der sein Gegenteil, der Wert, die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Herstellung der in relativer Wertform stehenden Ware (Beil) erscheint.

- Die konkrete Arbeit zur Herstellung des in Äquivalentform stehenden Produkts wird zur Erscheinungsform seines Gegenteils, der abstrakten Arbeit des in relativer Wertform stehenden Produkts.

- Die private Arbeit zur Herstellung des in Äquivalentform befindlichen Produkts wird zur Form, in der die gesellschaftliche Arbeit des in relativer Wertform stehenden Produkts erscheint.

Diese Eigentümlichkeiten begründen das Geheimnis des Geldes. Geld ist „nur die weiter entwickelte Gestalt der einfachen Wertform, d.h. des Ausdrucks des Werts einer Ware in irgendeiner beliebigen andren Ware …“ (MEW 23: 73) und damit Ausdruck der den Wert bildenden abstrakten Arbeit. Erst wenn alle Waren ihre Werte in einer einzigen Ware ausdrücken, wird diese zum allgemeinen Äquivalent aller anderen Waren, ist unmittelbar und jederzeit mit allen anderen Waren tauschbar und somit Geld. Ruben nennt die Gleichung x Ware A = 2 Unzen Gold kontradiktorisch, weil Gold niemals einer Axt gleich ist. Man müsse daher lesen: „Der Wert einer Axt ist dem Wert von 2 Unzen gleich“ (Ruben 2015: 29). Das ist formal richtig und verfehlt das Problem. Es geht nicht darum, die Wertgleichheit zweier Waren festzustellen, sondern den Wert der einen mit der Menge einer anderen auszudrücken. Der Wert der Axt erscheint (wird ausgedrückt) mit 2 Unzen Gold. Eine Axt sind 2 Unzen Gold wert.

Autoren der „neuen Marx-Lektüre“ behaupten, das Geld sei vor der Ware und dem Wert da gewesen, die „prämonetäre Werttheorie“ (erst der Wert, dann das Geld) sei falsch. Sie irren, indem sie behaupten, auch Marx hätte es vorausgesetzt, davon aber zugunsten der Darstellung abstrahiert. Die Wertformenanalyse widerlegt diese Auffassung. Die Ursprünge des Geldes verlieren sich in Nebelzeiten schmelzenden Eises, als Menschen zufällig begannen, an den Stammesgrenzen Produkte zu tauschen. Jahrtausende vergingen, bis die Tauschwirtschaft sich durchsetzte. Mit dem Handel kam das Geld, spontan, naturwüchsig, eine große Erleichterung des Tauschens. Menschen erfanden Münze, Banknote und Euro, nicht das Geld. Änderten wir die Gelddefinition und beschränkten ihren Inhalt auf „Wertausdruck“ schlechthin, dann ließe sich von „zufälligem“, „entfaltetem“ oder „totalem“, „warenspezifischem“ und schließlich von „einheitlichem“ Geld sprechen. (Zufälliges) Geld stünde am Anfang der Wertformengenese, ändere in ihr nur seine Gestalt. Aber selbst da wäre Geld die logische Folge, das dem Wert Nachgeordnete. Primär sind Ware, abstrakte Arbeit, Wert und Tauschwert. Von ihnen ist das Geld logisch abgeleitet. Es kann weder in der logischen noch in der historischen Entwicklung das Vorausgesetzte sein. Es historisch vorauszusetzen, hieße, das Geld würde warten auf eine Ware, die es noch nicht gibt und die deshalb auch nicht ihren Wertausdruck suchen will. Wozu dann Geld? Daran wird deutlich, dass das Geld logisch und historisch nicht primär sein und dem Wert vorausgehen kann. Wertformen sind logisch miteinander verkettet. Und sie sind Praxisformen. Die Marxsche Wertformenanalyse ist die logische und historisch schlüssige Darstellung der Entstehung des Geldes. Für manche sind Geld die Dinge, die Menschen Göttern opferten. (Laum 1924) Da Opferrituale älter sind als der Tausch, behaupten sie, Geld habe vor dem Tausch existiert. Definitionen sind nicht richtig oder falsch. Sie sind zweckmäßig oder unzweckmäßig. Wenn jemand Geld als akustische Äußerungen der Wildsau oder eben als Opfer an die Götter definiert, soll er das tun. Die Maus des Computers hat auch kein Fell. Doch warum sollten wir das Opferlamm des Steinzeitmenschen Geld nennen? Wenn man "Geld" geopfert hätte, müsste das Opfertier ja bereits ein allgemeines Äquivalent gewesen sein. Geld müssen wir in erster Linie ökonomisch sehen, nicht sakral. So wie wir die Pflanzen botanisch sehen, obwohl sie den Gesetzen der Physik untertan sind und in Folklore und Kunst auftauchen. Was vor dem Geld existierte, sind Gegenstände, die unter spezifischen gesellschaftlichen Bedingungen Geld werden sollten. Die religiöse (V)erklärung des Geldes hilft uns nicht, die Tauschwirtschaft zu verstehen. Weder logisch, noch historisch.

Literatur

Bogomasov, Gennadi, G. (1975), Die theoretische Ausarbeitung des Problems der Aufwandserfassung an gesellschaftlicher Arbeit in der sowjetischen ökonomischen Literatur in der Periode des Kriegskommunismus, in: Beiträge zur Geschichte der politischen Ökonomie des Sozialismus, hg. von Herbert Meißner und Gertraud Wittenburg, Berlin.

Eagleton, Terry (2012), Warum Marx recht hat, Berlin.

Harvey, David (2011), Marx ‚Kapital’ lesen, Hamburg.

Heinrich, Michael (2006), Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition, 4. Aufl., Münster.

Laum, Bernhard (19249, Heiliges Geld. Eine historische Untersuchung über den sakralen Ursprung des Geldes, Tübingen.

Marx, Karl (MEW 4/1977) [1885], Das Elend der Philosophie, in: MEW, Bd. 4, Berlin, S. 63-182.

Marx, Karl (MEW 23/1972) [1890], Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band, von F. Engels in Hamburg herausgegebene Ausgabe, in: MEW, Bd. 23, Berlin.

Marx, Karl, (MEW 26.2/1967), Theorien über den Mehrwert, in MEW, Bd. 26.2, Berlin.

Marx, Karl (MEW 25/1973) [1894], Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band, von F. Engels in Hamburg herausgegebene Ausgabe, in: MEW, Bd. 25, Berlin.

Marx, Karl (MEW 32/1974), Briefe Januar 1868-Mitte Juli 1870, in: MEW, Bd. 32, Berlin.

Marx, Karl (MEW 42/1983 [1858], Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, in: MEW, Bd. 42, Berlin.

Marx, Karl (MEGA II/15/2004) [1894], Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band, von F. Engels in Hamburg herausgegebene Ausgabe, in: MEGA II/15, Berlin.

Müller, Klaus (2014), Welche Arbeitszeit ist gesellschaftlich notwendig? In: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 100, S. 215-230.

Müller, Klaus (2015), Geld. Von den Anfängen bis heute, Freiburg.

Nyikos, Emmerich (2010), Das Kapital als Prozeß. Zur geschichtlichen Tendenz des Kapitalsystems, Frankfurt/M.

Ricardo, David (1959) [1817], Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und Besteuerung, hg. von Gerhard Bondi, Berlin.

Röpke, Wilhelm (1944), Civitas humana, Erlenbach-Zürich.

Ruben, Peter/Wagner, Hans (1980), Sozialistische Wertform und dialektischer Widerspruch. Überlegungen zur entwicklungstheoretischen Auffassung des Arbeitswerts in der sozialistischen Produktion, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Heft 10, S. 1218-1230.

Ruben, Peter (2015), Bemerkungen zu „Dialektik, Arbeit, Gesellschaft“, in: Philosophische Gespräche, Heft 36, Berlin.

Schefold, Bertram (2008), Die Bedeutung des Problems der Wertformenlehre und der Transformation von Werten in Preise für das Kapital, in: Marx-Engels-Jahrbuch 2007, Berlin, S. 34-91.

Smith, Adam (1976) [1776], Eine Untersuchung über das Wesen und die Ursachen des Reichtums der Nationen, übersetzt und eingeleitet von Peter Thal, Berlin.

[1] http://www.grundrisse.net/grundrisse01/1abstrakte_arbeit.htm, 01.02.2016, S. 3.

[2] http://www.oekonomiekritik.de/203AbstrakteArbeit.htm, 01.02.2016, S. 5.

[3] http://www.grundrisse.net/grundrisse01/1abstrakte_arbeit.htm, 01.02.2016, S. 5, 7.

[4] Ruben, sich auf Schumpeter beziehend, sagt, der Arbeitswert der Klassik und Marxens stimme mit dem Wert der subjektiven Wertlehre der Wiener Schule überein, wobei der Wert das Produkt aus Preis und Menge sei. Er findet es kurios, dass ein Zeitmaß als Wertmaß gelten soll, und die „Verwandlung der marxschen Formel w = c + v + m in einen Ausdruck für Arbeitszeit … völlig unbegreiflich“. Wie Aristoteles glaubt auch er, das Geld mache die Waren kommensurabel; es sei das Dritte des Warenaustauschs (sein Tertium Comparationis).

[5] http://das-blaettchen.de/2016/01/klaus-muellers-%E2%80%9Egeld-%E2%80%93-von-den-anfaengen-bis-heute%E2%80%9C-34859.html, 04.02.2016).

[6] http://www.grundrisse.net/grundrisse01/1abstrakte_arbeit.htm, 04.02.2016, S.5 f.

Dieser Artikel ist erschienen in Z. Nr. 107, September 2016

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